09.09.2019 16:44 |

Drei Jahre unbehelligt

Witwe von IS-Terrorist „Deso Dogg“ festgenommen

Drei Jahre lebte Omaima A. unbehelligt in Norddeutschland, nun wurde die Witwe des Berliner Gangsterrappers und späteren IS-Terroristen Denis Cuspert alias „Deso Dogg“ festgenommen. A., die sowohl deutsche als auch tunesische Staatsbürgerin ist, wurde drei Jahre nach ihrer Rückkehr nach Deutschland am Montag in Hamburg verhaftet, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Sie sei dringend verdächtig, in Syrien Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat gewesen zu sein. Cuspert selbst wurde im Jänner 2018 in Syrien bei einem Luftangriff getötet.

Omaima A. soll nun dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Laut dem vorliegenden Haftbefehl hat sie sich im Jänner 2015 dem IS in Syrien angeschlossen. Dazu sei die Frau gemeinsam mit ihren drei minderjährigen Kindern über die Türkei nach Syrien gereist. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt sie nicht nur der IS-Mitgliedschaft, sondern auch der Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht. Außerdem habe sie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

Omaima A. lebte Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge zuletzt im Süden Hamburgs. Schon vor ihrer Abreise nach Syrien soll die 1984 geborene Frau als Spendensammlerin für muslimische Fanatiker in ihrer Geburtsstadt aufgetreten sein. Medienberichten zufolge präsentierte sie sich nach ihrer Rückkehr auf einem später gelöschten Facebook-Account als Eventmanagerin.

„Behörden erst durch Medien aufmerksam geworden?“
Der liberale Innenpolitiker Benjamin Strasser äußerte sich verwundert über die langen Ermittlungen. „Wie kann es sein, dass Vorwürfe, die schon länger im Raum stehen, so lange geprüft werden, bis es zu einer Anklageerhebung kommt? Oder sind die Sicherheitsbehörden erst durch die mediale Berichterstattung auf Omaima A. aufmerksam geworden? Wenn dem so wäre, dann lässt das für den Radarschirm bei IS-Rückkehrern nicht Gutes erahnen“, erklärte er.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte dazu: „Es hatte sich erst in jüngster Zeit ein dringender Tatverdacht ergeben.“ Es gebe eben Fälle, in denen die Ermittlung von Beweismitteln schlichtweg mehr Zeit in Anspruch nehme. Für Aufsehen sorgte im Frühjahr die Reportage einer Journalistin des arabischen Fernsehsenders Al Aan TVA. Die Reporterin fand etwa heraus, dass die Hamburgerin schon 2011 damit begonnen hatte, sich zu radikalisieren. So habe sie sich mit islamistischen Flaggen gezeigt.

Hier sehen Sie die Reportage (mit englischen Untertiteln):

Kinder „im Sinne der IS-Ideologie“ erzogen
Vor der Ehe mit Cuspert soll Omaima A. im syrischen Rakka zunächst den Haushalt ihres ersten Ehemanns Nadar H. geführt und die Kinder „im Sinne der IS-Ideologie“ erzogen haben. So habe sie es ihrem Mann ermöglicht, für die terroristische Vereinigung zu kämpfen. Im März 2015 habe sie zudem „die tatsächliche Gewalt“ über ein Sturmgewehr Kalaschnikow AK 47 ausgeübt, heißt es in der Mitteilung der Karlsruher Behörde. Nachdem dann Nadar H. im Frühjahr 2015 bei einem Luftangriff bei Kobane ums Leben gekommen war, erhielt sie laut Anklage vom IS eine Kondolenzzahlung von 1000 US-Dollar sowie eine Verdienstzahlung in Höhe von weiteren 310 US-Dollar.

Nur wenige Monate später habe sie das „höherrangige IS-Mitglied Denis C.“ nach islamischem Recht geheiratet, schreibt die Behörde weiter. 2015 habe sie überdies zwei bisher unbekannte Personen via E-Mail dazu aufgefordert, sich der terroristischen Vereinigung IS anzuschließen und in deren Hoheitsgebiet zu reisen. Wegen Streitigkeiten mit Cuspert und um ihr viertes Kind in Deutschland zur Welt zu bringen, kehrte Omaima A. mit ihren Kindern Anfang September 2016 nach Deutschland zurück.

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