10.04.2020 09:00 |

Kleine Helden

Kinder in der Krise: Erklären, zuhören, schützen

Keine Schule, keine Großeltern, kein Besuch von Freunden, kein Spielplatz - auch die Kleinsten der Gesellschaft trifft die Krise. Wie man erklären, schützen, durchhalten kann.

Eine Wohnung mit kleinem Balkon, zwei Kinder – und Corona: „Die Große nimmt es besser auf“, erzählt Sandra, Mutter aus Landeck, „die Fünfjährige aber sagt, sie hasse Corona und es solle endlich weggehen.“ Der Sohn (5) von Daniela aus Vomp vermisst die Großeltern und „ist wahnsinnig schmusebedürftig.“ Bei Familie Speckbacher in Innsbruck „löchert“ der Sohn (9) seine Mutter Margit – „er hinterfragt alles. Vor allem der soziale Aspekt fehlt beiden Kindern.“ Bei Katharina Strolz aus St. Anton „nimmt es die Tochter (5) locker. Sie genießt die Zeit mit uns und im Garten, nach drei Wochen noch keine Reklamation“, schmunzelt Strolz.

„Kinder wissen intuitiv, was richtig für sie ist“
So unterschiedlich wie die Kinder selbst sind, fallen die Reaktionen aus. „Manche wollen viel wissen, andere scheint es nicht zu interessieren - dann sollte man sie auch nicht damit konfrontieren“, so Manuela Werth, Psychologin aus Innsbruck. „Kinder wissen meist intuitiv, was richtig für sie ist - gibt es keine Verhaltensänderung, kann man sie unbesorgt sein lassen.“ Stellen sie Fragen, sollte man diese aber altersgerecht beantworten. Aber der Reihe nach:

„Babys brauchen Eltern, die möglichst ruhig sind“, sagt die Psychologin. „Säuglinge spüren, wenn ihre Eltern ängstlich oder gestresst sind – dann können sie unruhig werden, schlechter schlafen oder essen.“ Deshalb sei schon im kleinsten Alter eine Tagesstruktur wichtig – wie für alle Altersgruppen.

Grundsätzlich sei es ratsam, Kinder jeden Alters so aktiv in den Alltag einzubinden – und Zukunftsperspektiven zu geben. „Kindergartenkinder können schon gut verstehen, was los ist, leben aber fest im Hier und Jetzt“, sagt Werth. Man könne also gut erklären, warum es aktuell nicht möglich ist, Freunde zu sehen oder in den Kindergarten zu gehen – jedoch darauf hinweisen, dass dieser Zustand nicht für immer ist. „Man kann anbieten, später ein Fest mit Freunden zu feiern und die Kinder aktiv mitgestalten lassen.“ So wecke man das Gefühl, nicht handlungsunfähig zu sein.

Die Bedürfnisse hinter den Emotionen erfragen
Reagieren Kinder wütend, traurig oder ängstlich, gilt es herauszufinden, welches unbefriedigte Bedürfnis dahintersteckt: „Hier können die Eltern nachfragen, warum das Kind traurig ist“, schildert Werth. Werden Freunde vermisst, kann man auch die Kleinsten videochatten lassen. „Nach anfänglicher Schüchternheit geht da meist die Post ab“, schmunzelt die Expertin.

„Schulkinder entwickeln manchmal die Angst, jemand aus der Familie könnte erkranken“, sagt Werth. Dann kann man etwa die Oma bitten anzurufen und dem Kind zu versichern, dass sie fest aufpasst.

Jugendliche über Soziakompetenz ansprechen
Am schwierigsten sei die Situation mit Jugendlichen, die gerade dabei sind, sich von der Familie abzulösen und das nun nicht können. „Sie kann man aber über die soziale Kompetenz reinholen“, betont Werth – „und sie ermutigen, die Helden auf dem Sofa zu sein. 

Konkrete Hilfestellung gibt es hier

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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