29.03.2020 09:00 |

Klima-Retter:

Maximaler Verzicht als größtmögliches Glück

Seine geräumige Wohnung in der Stadt hat Mario Rampitsch gegen ein Minihaus am Land getauscht. Der Rückzug in seine Arche sei der größte Luxus, den er sich je geleistet habe, sagt der Steirer. Sein ressourcenschonender Lebensstil findet immer mehr Nachahmer.

Küche, Kinderzimmer, Schlafkabine, Dusche, WC, Fotovoltaikanlage, Wassertank – alles da. „Wenn man den Esstisch ausklappt, können sechs Leute daran speisen – gleichzeitig“, lacht Mario Rampitsch. Für das Leben in einer solchen Miniaturausgabe eines Eigenheims kommt es auf Feinheiten wie diese an: „Nur eine gute Planung macht es möglich, auf das, was einem wichtig ist, nicht verzichten zu müssen. In meinem Fall fehlt nur der Flatscreen“, sagt der leidenschaftliche Bastler.

Dabei geht es dem 39-Jährigen in seinem neuen Leben vielmehr darum, was man nicht braucht, um glücklich zu sein: „Es hat 2017 als Experiment begonnen, ich habe meine Arche anfänglich nur geringfügig bewohnt, wie ein Wochenendhaus genutzt. Nach und nach habe ich aber bemerkt, dass der Rückzug in die Natur und vor allem die Einfachheit mir mehr geben, als jeder herkömmliche Luxus.“

Aus Wochenenddomizil wird ein Heimathafen

Der Schnitt 2019 war radikal, letztendlich aber lebensrettend: „Ich hatte eigentlich ein perfektes Leben. Ich habe in Graz erfolgreich eine Agentur mit 30 Angestellten geleitet, hatte eine tolle Wohnung, Geld – es fehlte an nichts“, erinnert sich der Vater eines Sohnes.

Zumindest oberflächlich betrachtet. Denn die Zufriedenheit ließ sich nicht parallel zum Erfolg steigern: „Ich habe immer stärker gespürt, dass ich mich nicht mit Wesentlichem beschäftige, eigentlich nur im Hamsterrad feststecke, das mir keinerlei Möglichkeit zum Innehalten lässt“, erzählt Rampitsch.

Vieles Alte lässt er schließlich hinter sich, um Neuem Platz zu geben. Frei zu sein, bezeichnet er heute als sein größtes Glück.

Aber was bedeutet das? „Keine Schulden mehr zu haben, die mich in ein enges Korsett zwingen, meinen ökologischen Fußabdruck zu verringern, um zumindest einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, mich großteils selber versorgen zu können und damit unabhängig zu sein“, sagt er.

Geld benötigt Rampitsch heute nur noch für ausgesuchte Lebensmittel, Sprit, sein Tastenhandy und Internet. Letzteres hat er sich übrigens erst mit Beginn der Corona-Krise zugelegt, „um zu wissen, was los ist beziehungsweise um meine Familie zu schützen“, erklärt er.

Tiny Houses auch in der Steiermark im Kommen

Da er mit seiner Arche Pionierarbeit in Sachen Tiny-House-Bau geleistet hat und der Trend vom Leben in einem autarken Minihaus längst von Amerika nach Europa übergeschwappt ist, ist Rampitsch heute gefragter Buchautor und Seminarleiter. Damit kommt zumindest ein bisschen Geld herein, denn allzu viel benötigt er ohnehin nicht mehr. Ob davon auch manchmal ein Luxusartikel eingekauft wird? „Schokolade“, lacht Rampitsch, „darauf kann ich unmöglich verzichten“.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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