27.03.2020 06:00 |

220 Patienten täglich

Steirische Ärzte fühlen sich im Stich gelassen

Viele Mediziner sehen sich als „Kanonenfutter“. Die Ärztekammer warnt vor weiteren Praxisschließungen.

Panikmache liegt eigentlich so gar nicht im Naturell eines Mediziners. Doch dieses Virus namens Covid-19 zerrt auch ordentlich am Nervenkostüm der vielen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Wobei es eigentlich weniger das Virus selbst ist, als vielmehr die fehlende Unterstützung, die steirische Mediziner verzweifeln lässt.

Niemand fühlt sich verantwortlich
„Derzeit stehen bei mir täglich 220 Patienten in der Ordination und ich bekomme keine Schutzkleidung, keine Mundmasken, gar nichts“, klagt eine praktische Ärztin aus Graz-Andritz. Wie viele andere Ärzte fühlt sie sich im Stich gelassen. Denn weder die Ärztekammer noch das Land fühlen sich da zuständig. Wobei die Kammer immerhin am Mittwoch mit der Versendung von 29.000 Schutzmasken begonnen hat.

Die Schutzkleidung ist aber nicht das einzige Problem: Pia-Katharina Edlinger, Allgemeinmedizinerin aus Bad Aussee, kritisiert die fehlende Befugnis von Ärzten: „Selbst wenn alles auf eine Corona-Infektion hinweist, können wir nicht bewirken, dass der Patient getestet wird. Dazu wissen wir auch nicht, wer positiv getestet worden ist.“

Warnung der Kammer
Kritisiert wird auch, dass Ärzte zu einer Totenbeschau gerufen werden, ohne vorher zu erfahren, dass ein positives Testergebnis vorliegt. „Hier riskiert man, dass es in großem Umfang zu Praxisschließungen kommen wird“, warnen Kammerpräsident Herwig Lindner und sein „Vize“ Norbert Meindl.

Auch Zahnärzte fühlen sich allein gelassen
Schwierig ist die Situation (wie bereits berichtet) auch bei den Zahnärzten. „Jetzt sind bei einer Mitarbeiterin die typischen Corona-Symptome aufgetreten - und obwohl es geheißen hat, dass medizinisches Personal prioritär behandelt wird, hat man ihr einen Test verweigert“, berichtet etwa Zahnarzt Bernd Frank aus Graz. „Also entweder ich riskiere, ein Multiplikator für die Verbreitung des Virus zu sein, oder auch ich schließe meine Praxis - und irgendwann wird der Ansturm auf die Kliniken zu groß werden.“ 

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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