26.03.2020 12:41 |

Spendiert Sondersegen

Papst: Beispiellose Aktion im Kampf gegen Corona

Papst Franziskus will am Freitagabend eine ganz besondere Antwort auf die Corona-Pandemie geben: Vor dem Petersdom wird er eine Andacht halten und von den Stufen der vatikanischen Basilika herab den Sondersegen „Urbi et orbi“ spenden. Der Heilige Vater selbst ist laut Medienberichten negativ auf das Coronavirus getestet worden. 

Es ist eine in der Kirchengeschichte einzigartige Handlung und ein heikler Moment für den Vatikan. Denn die ungewöhnliche Zeremonie auf dem leeren Petersplatz, die in Österreich auf ORF III ab 18 Uhr live übertragen wird, braucht für viele Menschen eine Erklärung. Schließlich kann die Botschaft der Bilder des Papstes gegensätzlicher kaum ausfallen: als einsamer, verzweifelter Beschwörungsgestus oder, wie gedacht, als besondere Standhaftigkeit gegen Angst und Tod.

„Der Segen aller katholischen Segen“
Der Segen „Urbi et orbi“, „der Stadt und dem Erdkreis“, wird sonst nur zu Ostern und Weihnachten gespendet, außerdem unmittelbar nach einer Papstwahl. Auf feierliche Weise ruft er Petrus und Paulus als Fürsprecher an - und mit ihnen eine zweitausendjährige Tradition von Glauben und Hoffen. „Urbi et orbi“ ist damit quasi „der Segen aller katholischen Segen“.

Der Segen des Papstes wird diesmal mit der Monstranz erfolgen, die das Altarsakrament enthält. Im Mittelpunkt steht dabei die Hostie, die in der Heiligen Messe gewandelt wurde und zwar weiter wie Brot aussieht, aber nach katholischer Lehre der Leib Christi ist. Ob als Kommunion gereicht oder in der Monstranz gezeigt: Sie stellt das Kostbarste dar, was die Kirche besitzt. Nur so erklärt sich, dass etwa der Seelsorger der Pariser Feuerwehr vor einem Jahr in die brennende Kathedrale Notre-Dame ging, um den Kelch mit den Hostien zu bergen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Segens ist der Ablass, den die Gläubigen dabei erhalten. Er bedeutet die Tilgung aller irdischen und jenseitigen Konsequenzen, die man durch seine Sünden verursacht hat.

Beichtangebote der Kirche stark eingeschränkt
Die Corona-Krise hat nämlich auch Auswirkungen auf die Bedingungen für den Empfang des Bußsakraments in der katholischen Kirche. Die Versöhnung eines Gläubigen mit Gott soll im Corona-Notstand, wo die Beichtangebote der Kirche in vielen Ländern ausgesetzt oder stark eingeschränkt wurden, auch ohne Einzelbeichte möglich sein. Nach einem Vatikan-Dekret vom 19. März genügt im Extremfall schon der aufrichtige Wunsch des reuigen Sünders nach Aussöhnung mit Gott. Alternativ können Priester, etwa in Krankenhäusern, den vom Tode Bedrohten kollektiv die Generalabsolution erteilen.

Als Jesuit mit Sinn für das Sinnenhafte sucht Franziskus nun das fassbare Zeichen, Monstranz und Segen, um den Kranken und Sterbenden nahe zu sein. Der Papst macht die Versöhnung zur Chefsache. Für alle, die die Kirche als Mittlerin zwischen Gott und Mensch begreifen, eine großartige Geste.

Zuspruch für Todkranke
Am Freitagabend, bei Sonnenuntergang, wird der Papst so im Schatten des Petersdoms vor dem Allerheiligsten beten. Der Segen mit dem Sakrament ist ein Zuspruch für die Todkranken, dass sie ohne Angst vor ihren Schöpfer treten dürfen.

Der Petersplatz wird menschenleer sein. Die weltlich-nüchterne Begründung wird lauten, dass Versammlungen derzeit untersagt sind. In den Augen des Papstes, der einsam segnend auf den Stufen steht, sind die Plätze nur freigehalten für die Kranken und Sterbenden.

Papst negativ auf Covid-19 getestet
Papst Franziskus ist laut Informationen der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ negativ auf das Coronavirus getestet worden. Er sei den Kontrollen unterzogen worden, nachdem ein hoher italienischer Prälat, der in demselben Gebäude wie Papst Franziskus lebt, positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Der Mann, der seit Jahren im Gästehaus Santa Marta wohne, sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, berichteten mehrere italienische Zeitungen am Donnerstag. Auch die engsten Mitarbeiter des Papstes seien getestet worden, teilte das Blatt „Corriere della Sera“ mit. Der Papst wolle nicht das Gästehaus verlassen, in dem er seit Beginn seines Pontifikats vor sieben Jahren lebt. Auch am Donnerstag zelebrierte Franziskus die Frühmesse in der Kapelle des Gästehauses und wirkte in guter Verfassung.

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