17.02.2020 13:59 |

„Hass auf Behinderte“

Todesstrafe für Messermörder in Japan gefordert

Sein „Hass auf Behinderte“ kostete 19 Menschen in Japan im vergangenen Sommer das Leben. Der Fall erschütterte den Inselstaat zutiefst, handelte es sich doch um eine der schlimmsten Gewalttaten in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft für den geständigen Täter, den 30-jährigen Satoshi Uematsu, die Todesstrafe gefordert. Die Messerattacke sei „unmenschlich“ gewesen und lasse „keinen Raum für Nachsicht“.

Der ehemalige Mitarbeiter eines Pflegeheims für geistig beeinträchtigte Menschen in der Stadt Sagamihara, westlich von Tokio, hatte im Juli 2019 insgesamt 19 Menschen erstochen und weitere 26 verletzt. Bei seinem ersten Gerichtstermin im vergangenen Monat hatte Satoshi Uematsu die Tat gestanden.

Mann hatte in Brief mit Ermordung von 470 Menschen gedroht
Der 30-Jährige hatte laut Medienberichten bereits im Februar 2019 in einem Brief an den japanischen Parlamentspräsidenten mit der Ermordung von 470 beeinträchtigten Menschen in zwei verschiedenen Heimen gedroht. Er bezeichnete sein Vorhaben als eine „Revolution“, die „die Wirtschaft beleben“ und „den Dritten Weltkrieg verhindern“ werde. Nach einem Krankenhausaufenthalt wurde Uematsu Anfang März 2019 von Ärzten als ungefährlich eingestuft und entlassen.

Kurz nach der Tat hatte sich Uematsu Medienberichten zufolge dann der Polizei mit den Worten gestellt: „Ich habe es getan.“ Als Motiv habe er Hass auf Behinderte angegeben - er habe das Ziel verfolgt, Menschen mit Behinderungen „auszurotten“, da diese „nur Unglück schaffen“.

Die Staatsanwaltschaft forderte die Todesstrafe für den Täter. Die Anklage argumentierte, der 30-Jährige sei in der Lage, die Verantwortung für seine grausame Tat im vergangenen Juli zu übernehmen. Uematsus Anwälte plädierten hingegen auf „nicht schuldig“ und sagten, ihr Mandant leide an einer „psychischen Störung“ im Zusammenhang mit seinem Marihuana-Konsum. Das Urteil wird nach Angaben des Gerichts für Mitte März erwartet.

Mehr als hundert Menschen sitzen in Japan in der Todeszelle
Zuletzt war im Dezember des Vorjahres - 16 Jahre nach einem Vierfachmord - ein Chinese in Japan hingerichtet worden. Der Mann hatte im Jahr 2003 gemeinsam mit zwei Mittätern einen japanischen Geschäftsmann, dessen Frau und deren Kinder umgebracht. In Japan sitzen mehr als hundert Menschen in der Todeszelle. Das Land gehört zu den wenigen Industrienationen, die noch die Todesstrafe vollstrecken. Auch im August des Vorjahres waren zwei Männer hingerichtet worden.

Trotz internationaler Kritik ist die Zustimmung der japanischen Bevölkerung weiterhin hoch. Als besonders grausam kritisieren auch ausländische Regierungen, dass den Todeskandidaten der Zeitpunkt ihrer Hinrichtung nicht mitgeteilt wird. Die zum Tode Verurteilten leben oft jahrelang in Einzelhaft.

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