03.02.2020 12:45 |

Heftige Expertenkritik

FPÖ-Historikerbericht ist eine „Themenverfehlung“

Renommierte Historiker wie Oliver Rathkolb haben am Montagvormittag heftige Kritik am Historikerbericht der Freiheitlichen geübt. Teile davon seien sogar „zum Fremdschämen“. Laut dem Experten Rathkolb hat man sich im blauen Bericht „um heikle Fragen gedrückt“.

Zwei Jahre ist die Affäre um das Nazi-Liederbuch aus der Burschenschaft des Freiheitlichen Udo Landbauer mittlerweile her - doch erst vor Kurzem wurde jener Historikerbericht über die Wurzeln der Partei präsentiert, der als Reaktion auf den Fall Landbauer in Auftrag gegeben worden war. Die hehre Ankündigung der Blauen lautete damals, dass man sich schonungslos der eigenen Vergangenheit stellen würde.

Allein das ist laut Experten nicht einmal ansatzweise geschehen. Bei einer Pressekonferenz am Montagvormittag zerpflückten renommierte Historiker den Bericht. „Der Bericht“, so Rathkolb, „hat sich um heikle Fragen der Vergangenheit gedrückt.“

Manches ist „zum Fremdschämen“
Rathkolb glaubt, dass aus parteitaktischen Gründen keine echte Aufarbeitung stattgefunden hat. Als Indiz dafür wertet er, dass der eigentliche Leiter des Projekts, der Historiker Wilhelm Brauneder, kaum öffentlich im Zusammenhang mit dem Bericht aufgetreten sei. Gerhard Baumgartner, Uniprofessor und wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), findet Teile des rund 700-seitigen Berichts überhaupt „zum Fremdschämen“.

FPÖ reagiert gelassen auf die Kritik
In der Frage, welche Note eine Arbeit wie der Historikerbericht der Freiheitlichen bei ihr verdient hätte, sprach Margit Reiter, Zeitgeschichte-Professorin der Universität Wien, ein schonungsloses Urteil: „Sorry, Themenverfehlung, bitte setzen!“

Die FPÖ nahm die Kritik gelassen. Klubchef Herbert Kickl kommentierte bei einer Pressekonferenz am Montag knapp: „Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann.“ Teilweise sei schon vor Fertigstellung des Berichts Kritik geübt worden. Auf die inhaltliche Kritik - etwa an der Ausklammerung der freiheitlichen Kontakte zu den rechtsradikalen Identitären - ging Kickl nicht ein.

Kronen Zeitung/krone.at

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