09.01.2020 21:18 |

Pentagon bestätigt:

Passagierjet im Iran wurde von Rakete abgeschossen

Jener ukrainische Passagierjet, der am Mittwoch im Iran abgestürzt ist, ist von einer iranischen Rakete getroffen worden. Laut Angaben des Pentagons und mehrerer Geheimdienstbeamten handelte es sich vermutlich um ein Versehen, wie das Nachrichtenmagazin „Newsweek“ berichtete. Auch der kanadische Premierminister Justin Trudeau sowie Großbritanniens Premier Boris Johnson ging am Donnerstagabend von einem Abschuss aus. Die iranische Luftfahrtbehörde wies die Berichte zurück.

Die Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines, deren Absturz nahe Teheran 176 Menschen das Leben kostete, wurde von einem iranischen Kurzstrecken-Flugabwehr-Raketensystem abgeschossen, wird aus einem noch nicht veröffentlichten Bericht des US-Verteidigungsministeriums zitiert.

Iranischem Raketensystem zum Opfer gefallen
Das Flugzeug sei von einer in Russland gebauten Boden-Luft-Rakete vom Typ Tor-M1 (NATO-Codename SA-15) getroffen worden. Wie die britische „Daily Mail“ berichtete, vermuten die US-Beamten, dass der Passagierjet dem iranischen Raketensystem zum Opfer gefallen sei, das am Mittwochabend aktiv war, als der Iran Raketen auf zwei US-Stützpunkte im Irak abfeuerte.

Laut Olexij Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat würden Ermittler derzeit unbestätigten Berichten im Netz nachgehen, wonach Fragmente der in Russland hergestellten Rakete am Absturzort gefunden worden sein sollen.

Satellit registrierte Infrarot-Blitze zweier Raketenstarts
Wie der Sender CBS unter Berufung auf Quellen im Pentagon mitteilt, habe man „die Signale eines eingeschalteten Radars des Tor-Systems empfangen. Satelliten registrierten kurz darauf Infrarot-Blitze von zwei Raketenstarts und kurz darauf einen weiteren Infrarotblitz einer Explosion“. Das würde bedeuten: Das iranische Militär tötete die Crew und die Passagiere an Bord aus Versehen.

Trump: „Ich habe meinen Verdacht“
US-Präsident Donald Trump heizte Mutmaßungen über die Absturzursache der Maschine unterdessen an. „Ich habe meinen Verdacht“, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus. „Ich will das nicht sagen, weil andere Menschen auch diesen Verdacht haben. Es ist eine tragische Angelegenheit.“ Trump sagte weiter: „Jemand könnte einen Fehler gemacht haben.“ Einige Menschen vermuteten, dass es einen mechanischen Fehler gegeben haben könnte. Er persönlich glaube, das stehe nicht zur Debatte. Auf die Frage, ob die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein könnte, sagte er allerdings: „Das weiß ich wirklich nicht.“

Nach Angaben des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau deuten Geheimdienstinformationen darauf hin, dass die Maschine „von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde“. Dies könnte unabsichtlich geschehen sein, sagte Trudeau am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Auch Britischer Premier vermutet Abschuss
Auch der britische Premier Boris Johnson geht mittlerweile davon aus, dass die bei Teheran abgestürzte Maschine abgeschossen wurde. Die Beweislage deute darauf hin, dass sie - möglicherweise unabsichtlich - von einer iranischen Boden-Luft-Rakete getroffen wurde, sagte er.

Iran weist Bericht über Rakete als Absturzursache zurück
Die Behörden im Iran hatten bereits kurz nach dem Absturz am Mittwoch von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich dabei beriefen. Iranische Luftfahrt-Behörden weisen die Berichte des Pentagons außerdem zurück. „Wissenschaftlich gesehen ist es unmöglich, dass eine Rakete die ukrainische Maschine getroffen hat, deshalb sind solche Gerüchte unlogisch“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur IRNA am Donnerstag den Behörden-Chef Ali Abedzadeh.

Konflikt zwischen Iran und USA
Der Absturz der Maschine geschah in einer politisch aufgeheizten Zeit im Nahen Osten. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hatte sich zuletzt zugespitzt. US-Präsident Donald Trump schlug am Mittwochabend aber moderatere Töne an: Er kündigte zwar neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an, aber keine Militärschläge.

Die Ukrainer gedachten am Donnerstag der 176 Todesopfer. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der Trauer aus. Die Fahnen wehten auf halbmast, im Fernsehen und im Radio sollte auf Unterhaltungsformate verzichtet werden. Am Kiewer Flughafen Boryspil legten viele Menschen Blumen nieder. Dort hätte die Maschine eigentlich Mittwochfrüh gegen 8 Uhr Ortszeit landen sollen.

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