08.01.2020 08:00 |

Transitstrecke

380er-Leitung dient vorwiegend dem Stromhandel

Viele haben es vermutet, jetzt ist es bestätigt: Die umstrittene 380-kV-Freileitung wird hauptsächlich für den Transitstrom benötigt. Laut EU-Verordnung müssen seit Jahresbeginn 2020 die europäischen Netzbetreiber 70 Prozent ihrer technischen Kapazität für internationale Stromtransite zur Verfügung stellen.

„Jetzt wo die Leitung bereits gebaut wird, kommt die Sache heraus“, zeigt sich Eugendorfs Bürgermeister Johann Strasser (ÖVP) enttäuscht. Bereits seit 22 Jahren kämpft der Ortschef, gemeinsam mit anderen Gemeinden, gegen die geplante 380-kV-Freileitung an – ohne Erfolg. Erste Rodungen für die Trasse haben bereits vor einigen Wochen begonnen. Von allen Seiten habe es bisher immer geheißen, dass die Leitung für die Versorgung in Salzburg und Österreich sei. Dass dies doch anders ist, ist für viele Beteiligte nicht überraschend, aber wirklich gesagt wurde es nie.
In der Fachzeitschrift der Österreichischen Energiewirtschaft hat Harald Köhler, Abteilungsleiter für Betriebsmanagement beim Leitungsbetreiber Austrian Power Grid (APG), die internationale Versorgungsnot genau geschildert. Im vergangenen Jahr erzeugte der Westen Europas einen massiven Überschuss und gleichzeitig gab es hohen Bedarf in den Balkanstaaten, was wiederum Auswirkungen auf das österreichische Übertragungsnetz hatte. So musste die APG fast ihre ganzen Reserven abrufen.

Für Köhler ist der Ausbau des Netzes notwendig und damit auch die Salzburger Leitung, die seiner Meinung nach 2024 oder 2025 in Betrieb gehen soll. Verschärft wird die Situation durch eine neue Regelung in der EU, welche seit 2020 gilt: Netzbetreiber müssen 70 Prozent der technischen Kapazität für internationale Stromflüsse bereitstellen.
Der Stromtransport innerhalb von Österreich muss mit den restlichen 30 Prozent der Kapazität auskommen - und das auch nur, wenn es zu keinen weiteren internationalen Engpässen kommt.

Bürger haben Belastung und hohe Strompreise
„Wir wurden hier 22 Jahre lang vorgeführt. Das ist unfair“, so Strasser und fügt hinzu: „Wenn die Politik davon gewusst hat, verliert sie jede Glaubwürdigkeit.“ Er denkt aber, dass auch die heimischen Politiker über die Tatsache im Dunkeln gelassen wurden. Generell springt der Ortschef für den „kleinen Mann“ in die Presche. Dieser müsse die Belastung tragen und auch noch einen höheren Strompreis bezahlen als die großen Unternehmen.

Felix Roittner

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