26.12.2019 07:00 |

Top-Ten der „Krone“

Das waren die besten Österreich-Konzerte 2019

Obwohl sich einige richtig große Bands zu uns verirrt haben, waren zahlreiche Highlights auch im kleineren Rahmen zu finden. Egal, ob bei einer sanften Elektronik-Show im Jazzclub oder um 1 Uhr morgens nach einem Festival - wir schwelgen noch ein letztes Mal freudig in Erinnerungen und picken unsere Top-Ten-Konzerte chronologisch für Sie heraus. Was waren Ihre Highlights?

Ghostemane, 6. Februar, Flex Wien
Die coolen Kids haben es schon früh gewusst und das Flex bis obenhin ausverkauft, so manch Unentschlossener hat die womöglich einzig wirklich schweißtreibende Club-Show des Amerikaners dann leider verpasst. Der 28-jährige Eric Whitney alias Ghostemane trifft wie niemand anders den Zeitgeist, indem er sich wortwörtlich nicht schubladisieren lässt. Industrial, Hip-Hop, Trap, Death Metal, Hardcore, Electro oder Emo mit okkulter Note - im Kosmos des Wahl-Kaliforniers hat alles Platz. Im Flex brachte er nicht nur das Publikum um den Verstand, sondern auch die Wände zum Tropfen. Am 30. März kommt er in die Wiener Arena. Ein Pflichtprogramm für aufgeschlossene Stilverweigerer.

Twenty One Pilots, 17. Februar, Stadthalle Wien
Apropos Stilverweigerer. Das sind auch die Twenty One Pilots seit Anbeginn ihrer rauschenden Karriere. Nur wesentlich massenkompatibler und erfolgreicher. Die Wiener Stadthalle haben sie abermals mühelos ausverkauft und knapp zwei Stunden lang ordentlich durchgerüttelt. Unfassbar, mit welcher Selbstverständlichkeit die Zwei-Mann-Besetzung die zügellose Energie einer ganzen Band vermittelt und dies mittlerweile auch mit kurzweiligen Show-Highlights würzt. Einmal lässt sich Drummer Josh Dun samt Set durchs Publikum tragen, dann brennt wieder ein Auto in einer dystopischen Mad-Max-Szenerie, später verschwindet Frontmann Tyler Joseph durch einen geschickten Trick mit einem Double. Popcorn-Kino im Konzertgewand - nur angenehmerweise mit durchdachten Texten und persönlichen Anekdoten.

Madrugada, 27. Februar, WUK Wien
Klar, hierzulande kennen Madrugada wenige Rock-Connaisseure, doch in ihrer norwegischen Heimat sind sie ungefähr so groß wie bei uns Wanda und bespielen die ganz großen Hallen. Madrugada sind die spannenderen A-Ha, weil sie ernsthafter, hymnischer und erwachsener an die Sache herangehen. Ihre Reunion nach zehnjähriger Abwesenheit führte sie im Februar für einen exklusiven Österreich-Gig ins WUK, wo sie rund 800 Fans mit musikalischer Virtuosität und stimmlicher Brillanz begeisterten. Sänger Sivert Høyem ist mit einer der schönsten Stimmen des gesamten Rock-Business ausgestattet und veredelt die ohnehin schon traumhaften Kompositionen zu etwas völlig Originärem. Das Wunderwerk „Industrial Silence“ fand zum 20-Jahre-Jubiläum in seiner Gänze Platz auf der Bühne. Ein magischer Winterabend.

Benjamin Clementine, 21. Mai, Theater Akzent Wien
Einige werden sich noch an seinen Auftritt beim verblichenen „Out Of The Woods“-Festival in Wiesen 2017 erinnern, als Benjamin Clementine so gar nicht glücklich war über das gemütlich im Gras sitzende Publikum. Bei seiner Wien-Premiere im mondänen Theater Akzent gab sich der Hüne mit der einzigartigen Stimmgewalt streichelweich und wesentlich humoriger. Damit weichte er auch die melancholische Schwere auf, die seine düsteren, von der harten persönlichen Vergangenheit gezeichneten Geschichten projizieren. Das Konzert beschloss er übrigens mit John Cages „4‘33“ - also viereinhalb Minuten Stille. Clementine ist eben in all seinen Facetten ein Gesamtkunstwerk.

Phil Collins, 2. Juni, Ernst-Happel-Stadion
So viele Stadionkonzerte wie 2019 hat Wien noch selten gesehen, doch das richtig große Highlight lieferte einer, bei dem man sich im Vorfeld eher Sorgen machte, ob er eine solche Show wohl durchsteht. Phil Collins ist zwar längst nicht mehr gut bei Fuß und absolviert den Gig vor rund 40.000 Fans vorwiegend sitzend, aber die Stimmkraft der Genesis-Legende ist auch mit 68 Jahren von ungebrochener Brillanz. Songs wie „You Can’t Hurry Love“, „In The Air Tonight“ oder „Invisible Touch“ intoniert er mit derartiger Inbrunst, dass sich mancher gar in die 70er-/80er-Jahre zurückversetzt fühlt. Mit beeindruckender Mühelosigkeit singt sich Collins durch dasŒuvre seiner unvergleichlichen Karriere und beweist dabei souverän, dass das Alter für einen guten Sänger nicht mehr als eine bloße Zahl ist.

Tash Sultana, 24. Juli, Arena Open Air Wien
Die Vorschusslorbeeren waren groß, der Andrang des Publikums aber auch. Schon bei ihrer ersten Stippvisite konnte „Wunderkind“ Tash Sultana das Open-Air-Gelände der Wiener Arena zweimal ausverkaufen. Das sind rund 6000 Fans, die ihrer Musik längst ergeben waren oder sich selbst vom Hype um die Multiinstrumentalistin überzeugen wollten. Ganz alleine saß, stand und tanzte sie auf der Bühne, flirrte dabei zwischen Folk, Mariachi, Pop, Rock, Soul, Reggae und Indie hin und her und ließ den Abend durch das träumerische Bühnensetting an ein Zusammensein in der kalifornischen Wüste gemahnen. Während sie sich an unzähligen Instrumenten versucht, spielt sie das Publikum förmlich in einen hippie-esken Trancezustand. Am 6. September gibt es im Steinbruch St. Margarethen die nächste Chance, sich selbst von ihren Qualitäten zu überzeugen.

P!nk, 24. Juli, Ernst-Happel-Stadion Wien
Sechs Jahre hat uns Alecia Beth Moore darben lassen, doch vergangenen Sommer war es endlich wieder so weit - P!nk segelt durch Wien. Und das wortwörtlich, denn die Sängerin ist auch Akrobatin und segelte am Showende einmal mehr selbstbewusst durch das gesamte Stadion. In den knapp zwei Stunden davor hat sie das restlos ausverkaufte Happel mit einer Mischung aus knackigen Songs, kunterbunten Effekten, atemberaubenden Tanzchoreografien und durchaus wichtigen Botschaften zum Kochen gebracht. Die fast 20-köpfige Bühnencrew überließ nichts dem Zufall und setzte die Visionen der Powerfrau gnadenlos in die Realität um. Dass sie Töchtern Willow auch kurz auf die Bühne führte, war nett, wäre aber gar nicht mehr notwendig gewesen. Entertainment in Reinkultur.

Zaz, 31. Juli, Steinbruch St. Margarethen
Was für ein Kontrast zur energiegeladenen Pop-Aktrice P!nk ist nicht die französische Goldstimme Zaz. Im würdevollen Ambiente des St. Margarethner Steinbruchs gab sich die 39-jährige Nouvelle-Chanson-Sängerin die Ehre und wurde von einem Regenguss überrascht, der faktisch die ganze Show unter Wasser setzen sollte. Zaz ist das ebenso egal wie die schon nach zwei Songs verrutschende Schminke. Sie spürt genauso wie ihr Publikum, dass man aus so einem Abend etwas Legendäres machen kann, wenn man denn nur will. Genau das passiert hier und heute und zeugt mitunter von den Unterhaltungsqualitäten der sonst so schüchternen Engelsstimme. Die Stimme mäandert zwischen zartfühlend, fordernd, kratzig und durchdringend. Ein Ohrenschmaus für qualitätsgeschulte Ohren.

Thurston Moore, 28. Oktober, WUK Wien
Leicht hat es die Sonic-Youth-Legende Thurston Moore ja nicht. Nach dem Ende mit seiner Ex-Frau Kim Gordon veröffentlicht die heuer auch noch eine Platte, die von Kritikern und Fans gleichermaßen hochgelobt wird. Was macht Thurston? Er schnappt sich - nicht für alle Shows! - seinen einstigen Sidekick Steve Shalley und tourt einfach einmal durch Europa. Allerdings nicht im althergebrachten Indie-Rock-Gewand, sondern so experimentell und vielseitig wie nur möglich. Manchmal hat man im WUK das Gefühl, einem Musiker beim Meditieren zuzusehen, so stoisch und konzentriert wie er seine Songs darbietet. Moore lässt darin zwar Geradlinigkeit und Kongruenz vermissen, doch auch in repetitiven Momenten betört er mit höchster Klangkunst. Ein Meister der Undergroundbewegung.

Heilung, 3. November, Globe Wien
„Amplified History“ nennen Heilung ihren Sound und ihre Mission. Das Kollektiv aus unterschiedlichen Ländern hat sich ganz dem Schamanismus verschrieben und entführt sein Publikum beim Globe-Gig in eine völlig andere Welt. Das mongolische Kehlkopfgrollen von Frontmann Kai Uwe Faust matcht sich mit dem glockenklaren Timbre von Maria Franz, während sich Krieger auf der Bühne austoben und man des Öfteren Zeuge von einem fast schon sektenartigen Zusammensein auf der Bühne wird. Die überdimensionalen Hirschgeweihe und der Performance-Gedanke sind wichtige Bausteine auf dem Erfolgswerk, doch ohne die starken Kompositionen würde auch das nicht ausreichen. Nächste Chance auf ein Liveerlebnis: Nova Rock 2020.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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