Mit gleich mehreren „Maulwürfen“ hatte das Landesgericht in Wels (OÖ) zu kämpfen! Ein Rechtspraktikant verriet einem Freund aus dem Drogenmilieu Ermittlungsmaßnahmen. Und auch zwei junge Verwaltungsassistentinnen flogen raus – sie versorgten Tschetschenen nach einem Bandenkrieg mit Details aus den Akten. Die „Krone“ kennt die Details.
Das 125 Jahre alte Landesgericht Wels ist zwar aus Ziegel und Stein erbaut, dennoch haben dort offenbar menschliche „Maulwürfe“ Hochsaison. Am Donnerstag wurde ein Rechtspraktikant wegen Missbrauchs der Amtsgewalt, Verletzung der Pflicht zur Geheimhaltung sowie Vergünstigung von März bis April 2025 zu sechs Monaten Haft bedingt verurteilt, so das Landesgericht auf „Krone“-Anfrage. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Freund bekam einen „Zund“
Der Angeklagte soll einen Freund aus dem Drogenmilieu, der zum Dunstkreis der berüchtigten „Bandidos“ gehört, über Ermittlungsmaßnahmen informiert haben. Diese Tipps steckte der Freund einer Frau, die zu den „Bandidos“ gehören soll. Der Süchtige bekam seinerseits wegen Begünstigung vier Monate bedingt aufgebrummt. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Rechtspraktikant, der immerhin ein Jus-Studium absolviert hatte, kann seine Karrierepläne im Justizsystem nun wohl für immer quasi „ad acta“ legen.
In Abstimmung mit der Oberstaatsanwaltschaft Linz wurde das Verfahren nach Steyr abgetreten. Das ist in solchen Fällen üblich.

Kerstin Kutsam, Staatsanwaltschaft Wels
Bild: Markus Wenzel
Nicht der einzige Maulwurf
Doch der auskunftsfreudige Jung-Jurist ist nicht der einzige „Maulwurf“ im Welser Landesgericht: Im Sommer flogen zwei angehende Verwaltungsassistentinnen auf. Die beiden jungen Frauen (18 und 25 Jahre alt) mit Migrationshintergrund stehen im Verdacht, in Eigenregie, sprich ohne sogenannte dienstliche Erfordernisse, ein allzu ausgeprägtes Interesse an fremden Strafakten gehabt zu haben.
Die Lehrmädchen schauten in den digitalen Akt hinein
Konkret sollen sie von der Polizei ermittelte Daten und Fakten aus den Ermittlungsakten zu einem blutigen Bandenkrieg am Welser Bahnhof durchsucht und die Details verraten haben.
Am 3. Juni 2025 hatte es einen blutigen Revierkampf zwischen zwei Tschetschenen-Banden gegeben, bei dem auch eine Machete im Spiel war. Es soll vor allem darum gegangen sein, wer wo Kokain verticken darf.
Verfahren wurde nach Steyr abgetreten
Als die beiden weiblichen Lehrlinge als „Maulwürfe“ bzw. „Singvögel“ entlarvt wurden, sollen sie fristlos entlassen worden sein. Ein Strafverfahren läuft, bestätigt Kerstin Kutsam, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wels: „In Abstimmung mit der Oberstaatsanwaltschaft Linz wurde das Verfahren nach Steyr abgetreten. Das ist in solchen Fällen üblich.“
Ich vermute, dass die Einblicke durch das Zugriffsprotokoll des digitalen Akts aufgeflogen sind. Da gibt es regelmäßig von ganz oben Stichproben.
Staatsanwalt Andreas Pechatschek
„Es gibt regelmäßig Stichproben“
Der Steyrer Staatsanwalt Andreas Pechatschek bestätigt den Fall: „Das polizeiliche Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Ich vermute, dass die Einblicke durch das Zugriffsprotokoll des digitalen Akts aufgeflogen sind. Da gibt es regelmäßig von ganz oben Stichproben.“
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