Immer weniger Hautärzte mit Kassenvertrag, immer längere Wartezeiten und am Ende oft nur eine Lösung: der Gang zum „teuren“ Wahlarzt. Auch eine Frau aus dem Bezirk Oberwart im Burgenland ärgert sich über die monatelange Termin-Suche und bekommt dabei jetzt überraschend Unterstützung von einer Dermatologin.
Wer im Burgenland einen Hautarzt auf „Krankenschein“ sucht, braucht Geduld. Monatelange Wartezeiten und Aufnahmestopps gehören zum Alltag. Frau W. aus dem Bezirk Oberwart weiß das aus leidvoller Erfahrung. Sie hat eine auffällige Stelle am Oberarm, die dringend abgeklärt werden sollte. Seit Monaten versucht sie, einen Termin bei einem Kassenarzt zu bekommen. Erfolglos. Im Südburgenland gibt es derzeit drei Dermatologen mit Kassenvertrag.
Keine Termine für Patienten aus anderen Bezirken
In einer Praxis in Güssing bekam Frau W. eine klare Absage. Neue Patienten aus anderen Bezirken würden nicht angenommen. „Mein Versorgungsgebiet sind Güssing und Jennersdorf“, erklärt die Ärztin im Gespräch mit der „Krone“. „Wenn wir uns nicht abgrenzen, bekommen die eigenen Leute keinen Termin mehr.“ Auch Patienten aus der Steiermark würden abgewiesen. „Dort nimmt man ja auch keine Burgenländer.“
Bei einer Hautärztin im Bezirk Oberwart sieht es kaum besser aus. Der frühestmögliche Termin für Frau W. wäre in zwölf Monaten. Der dritte Hautarzt sei telefonisch seit Wochen nicht erreichbar. „Das ist einfach nur frustrierend“, sagt die Patientin.
In der Dermatologie arbeiten rund 71 Prozent der niedergelassenen Kollegen als Wahlärzte. Die Politik muss hier etwas ändern.
Eine Dermatologin aus dem Burgenland
Zwei-Klassen-Medizin und Verständnis für überlastete Kassenärzte
Weil die Abklärung dringend ist, hat sie sich nun an einen Wahlarzt gewandt. Genau das bringt sie auf die Palme. „Warum muss ich jetzt zahlen, obwohl ich jeden Monat viel Geld für die Krankenversicherung einzahle?“, fragt sie. Besonders ärgert sie, dass sich nicht jeder diese Alternative leisten kann. „Das ist Zwei-Klassen-Medizin“, und die gäbe es ja angeblich nicht in Österreich, ärgert sich Frau W., die aber Verständnis für die Situation der Ärzte zeigt. „Ich sehe ja, dass die Kassenärzte völlig überlastet sind. Aber genau da muss die Politik etwas ändern.“
Nur sechs Hautärzte im ganzen Burgenland
Aktuell gibt es im Burgenland sechs Kassenpraxen für Dermatologie. Durch anstehende Pensionierungen werden es bald nur noch vier sein. Zwei Stellen sind seit Längerem unbesetzt. Die verbliebenen Ärzte versorgen Tausende Patienten und arbeiten am Limit. Auch innerhalb der Ärzteschaft sieht man Handlungsbedarf: „Man darf nicht vergessen, dass ein Großteil der ärztlichen Ausbildung von der Allgemeinheit finanziert wird. Daraus ergibt sich eine Verantwortung, den Menschen etwas zurückzugeben. Dafür braucht es gleiche Honorare in ganz Österreich.“
Für die betroffene Patientin ist klar: Die Geduld ist am Ende. „Ich will nicht hören, dass alles passt. Es passt nicht.“ Ihre Hoffnung richtet sich auf rasche Lösungen. „Denn wenn selbst einfache Abklärungen zum Spießrutenlauf werden, läuft etwas falsch.“
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