10.12.2019 14:09 |

Russland-Doping-Strafe

Pressestimmen: „Eine letzte Chance für Putin“

Manche finden, die Strafe gehe so in Ordnung. Vor allem westeuropäische Zeitungen sprechen von „Milde“ beim Urtail und für manche ist der Strafausmaß übertrieben. Hier sind die Internationalen Pressestimmen zu den Strafen der Welt-Anti-Doping-Agentur gegen den russischen Sport am Montag. 

Russland:
„Sport-Express“: „Die Entscheidung der WADA war vorhersehbar. Die Hoffnung, dem zu entgehen oder zumindest eine ‘reduzierte‘ Strafe zu bekommen, galt schon von vornhinein als verrückt. Ebenso unwahrscheinlich war es, alle Russen mit einem totalen Bann von allen Sportveranstaltungen fernzuhalten. Die WADA hat nun eine Zwischenoption gewählt: Es ist eine ziemlich harte, aber zumindest eine, an die sich die Welt bereits gewöhnt hat. Was wird also jetzt passieren? In erster Linie wird unser Sport sehr harte Zeiten erleben und mit einer neuen Welle an heftigen Sanktionen konfrontiert.“

„Rossijskaja Gaseta“: „Das ist sehr beleidigend und noch mehr: Es ist eine lächerliche Entscheidung. Nicht nur die russischen Sportler dürfen als solche nicht zu Wettbewerben anreisen. Auch Staatsbeamte aus Russland dürfen an großen internationalen Wettkämpfen nicht teilnehmen. Das ist doch klarer Unsinn!“

„Kommersant“: „Den heimischen Sport hat die größte Katastrophe seiner Geschichte eingeholt. (...) Die Empfehlungen und das endgültige Urteil ist wohl der schmerzhafteste Schlag, den der russische Sport jemals bekommen hat.“

England:
„The Times“: „Wladimir Putin will auf Biegen und Brechen, dass Russland als Sieger aus all seinen Unternehmungen hervorgeht. Wenn nötig werden für das, was der Präsident als nationales Interesse ansieht, Regeln verletzt und gebeugt. Das gilt für geopolitische Rivalitäten, für Betrug durch Spione und auf besonders krasse Weise für den internationalen Sport. (...) Das WADA-Exekutivkomitee geht mit seiner Entscheidung nicht soweit, Moskau zum Paria zu erklären. Stattdessen gewährt es Putin eine letzte Chance, ein System gründlich zu überarbeiten, das der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern geschadet und die Idee des Fair Play untergraben hat.“

Deutschland:
„Süddeutsche Zeitung“: Sanktionen? Strenge? Schutz für saubere Athleten? So klang das auch schon vor zwei Jahren, kurz vor den Winterspielen 2018 in Pyeongchang. (....) Zwei Dutzend von ihnen gewannen am Schlusstag das Eishockeyfinale und sangen, demonstrativ auf dem olympischen Eis, die russische Nationalhymne. Die Farce von Pyeongchang dokumentierte eindrucksvoll: Das angebliche so hart bestrafte Russland war mitten drin bei diesen Spielen. Am Montag erfolgte nun die nächste angeblich strenge Entscheidung. Und dann wird es wieder ähnlich ablaufen wie in Pyeongchang, dafür ist bereits gesorgt. (...) Aber erstens ist die Entscheidung nicht endgültig, Russland kann vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Zweitens ist der Spruch so wachsweich, dass es sich faktisch eher um ein erweitertes nationales Wimpel-Verbot handelt: Gesperrt wird Russland nur als Begriff.„

Spanien:
“La Vanguardia: „Exemplarische Strafe für den russischen Sport“

„El Pais“: „Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Sanktion begrüßt, die seinem Wunsch nahe kommt, die Institutionen zu bestrafen und nicht direkt die Athleten, wodurch Unschuldige geschützt werden. (...) Wer weiß, welches von beidem derzeit mehr verletzt ist: der nationale Sportpatriotismus der russischen Großmacht oder deren Stolz auf Kriminelle, die durch ihre eigene Ungeschicklichkeit zu Fall gekommen sind.“

„El Mundo“: „Die härteste Sanktion der Sportgeschichte. (...) Der Skandal war so groß, dass nur eine exemplarische und harte Sanktion wie die am Montag angekündigte der Grundstein für den Versuch sein kann, die Geißel des systematischen Dopings in einem Land von so großer Bedeutung und so großem sportlichen Einfluss wie Russland zu beenden.“

Polen:
„Gazeta Wyborcza“: „Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Russen mehr dürfen - mehr ausfressen, mehr kaputtmachen, mehr betrügen - und dafür keine angemessene Strafe bekommen, weil sich immer jemand findet, der sagt, dass sie zu groß und wichtig sind, um sie hart anzufassen. (...) Es scheint, dass das Spiel etwas gleicher geworden ist, zumindest im Sport. Doch erneut ist die Bestrafung nicht angemessen im Verhältnis zum Vergehen. Russland sollte ohne Ausnahmen aus der Welt des Sports hinausgeworfen werden. (...) Russland sollte nicht für vier Jahre aus dem Sport verbannt werden. Sondern so lange, bis es ehrlich wird.“

Niederlande:
„De Volkskrant“: „Die von der WADA gezogenen Schlussfolgerungen zeigen, dass Russland nichts aus der Bestrafung gelernt hat, mit der das Land für die Manipulation von Proben bei den Olympischen Spielen in Sotschi belegt wurde. Mit dem Versuch, Beweise aus der Datenbank von RUSADA, der Moskauer Anti-Doping-Agentur, zu entfernen, packte die Obrigkeit sogar noch eine Schippe drauf. Damit wollen sie verhindern, dass russischen Athleten ihre Medaillen aberkannt werden. Aber es geht noch um mehr. Unter Präsident Putin wurden die russischen Athleten instrumentalisiert: Sie sind Kämpfer für ihr Vaterland und müssen, wie damals bereits in der DDR praktiziert, mit leistungssteigernden Mitteln gefördert werden.“

Schweiz:
„Neue Zürcher Zeitung“: „So weit, so schlecht. Doch was auf den ersten Blick wie ein entschiedenes Durchgreifen der Sportwelt gegen eines ihrer renitenten Mitglieder klingt, ist bei genauerem Hinsehen nicht viel mehr als ein Papiertiger.(...) Die russischen Athleten werden in Tokio um Olympiamedaillen kämpfen. Die russischen Fußballer werden an der EURO im kommenden Sommer teilnehmen. Die russische Stadt Sankt Petersburg wird Schauplatz von drei Vorrundenspielen und einem Viertelfinale sein. Die WADA hat den Russen genügend Hintertüren offengelassen, um die Sanktion zu umgehen und das Gesicht zu wahren. (...) Staatspräsident Wladimir Putin gilt als verlässlicher Partner der führenden Sportverbände. Deshalb genießt er die Unterstützung und den Schutz der maßgebenden Funktionäre.“

„Blick“: „Ein mutloser Entscheid. (...) Noch sind zu viele Fragen offen. Zum Beispiel, welche Bedingungen Athleten erfüllen müssen, um als sauber zu gelten, wenn sie bei Olympia oder Weltmeisterschaften antreten wollen.“

„Tages-Anzeiger“: „Gratulation den Russen! Die Strafe der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gegen Russland klingt hart. Gemessen am immensen Betrug, ist sie milde. Was passiert, wenn eine Nation systematisch über Jahre ihre Athleten dopt - und dieser Betrug zweifelsfrei belegt ist? Sie wird ein bisschen dafür bestraft.“

Italien:
„La Repubblica“: „Spiele ade. Zar Putin stürzt über das Doping. Keine russische Fahne für vier Jahre. Weder in Tokio 2020 noch in Peking 2022. Weder Sommer- noch Winterspiele. Wo Napoleon und Hitler gescheitert sind, Russland zu besiegen, das hat die WADA geschafft.“

„La Stampa“: „Es geht nicht nur um Medaillen, Fackelläufer und Ruhm auf dem Podest: Wie zu den Zeiten des Kalten Krieges, als in der DDR, in Ostdeutschland, tausende Mädchen und Jungen von Hexendoktoren als Versuchskaninchen benutzt wurden, steht das Prestige einer Supermacht auf dem Spiel. Präsident Putin kultiviert schon mit seinen Fotos mit nacktem Oberkörper, Gewehr im Arm oder auf dem Eishockeyspielfeld den Mythos vom siegreichen Macho gegen die für schwach und fade gehaltenen demokratischen Führer. Und Medaillen zu gewinnen, stärkt diesen Mythos.“

„Gazzetta dello Sport“: „Der Sport Moskaus wird für vier Jahre von der internationalen Bühne verbannt. Der Flagge und der Hymne beraubt, der Abkürzung “RUS„ und der Nationaltrikots, wird er im Endeffekt keine Staatsbürgerschaft mehr haben. (...) Die Sanktion wird nach Jahren der Verfehlungen die russischen Behörden bestrafen, die letztlich angeklagt werden, eine lange Serie von positiven Werten unter den Teppich gekehrt und eine Unzahl von Dokumenten in den Laboren von Moskau gefälscht zu haben. Der Zugang zu diesen durch die Experten der WADA war eine der unverzichtbaren Voraussetzungen für die Wiederaufnahme nach dem ersten Hinauswurf.“

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