18.11.2019 15:00 |

Über die Liebe und Co.

Autor Thomas Brezina im großen „Krone“-Interview

566 Bücher hat Bestsellerautor Thomas Brezina bereits geschrieben. Seine Werke wurden in 35 Sprachen übersetzt und weit über 40 Millionen Mal weltweit verkauft. Sein aktuelles Buch, einen Liebesroman, präsentierte er im Kufsteiner „Buch-Café im Lippott-Haus“, um danach der „Krone“ Rede und Antwort zu stehen.

Die Liebe, die Familie, der Alltag, einfach alles wurde zum Scherbenhaufen in Emmas Leben. Hoffnungslos und traurig flüchtet sie deshalb in das britische Seebad Brighton und übernimmt dort das kleine „Tea and Breakfast“ ihrer Tante. Diese Konstellation, die frappierend an ein Werk von Rosamunde Pilcher denken lässt, aber trotzdem anders ist, stellt die Ausgangsbasis des neuen Romans „Liebesbriefe an Unbekannt“ von Thomas Brezina dar.

Herr Brezina, haben Sie eine individuelle Wunderformel gefunden, um auch im 57. Lebensjahr noch das „Kind“ in sich zu fühlen und es auch teilweise leben zu können?
Ich habe einen sehr guten Zugang zu dem Kind, das ich einmal selber war. Ich behaupte, dass bei vielen im Alter von 20 Jahren so eine Art „Rollbalken“ heruntergeht und der ist bei mir nie heruntergegangen. Ich kann mich an die schönen Zeiten, aber gleichzeitig auch an alles Schmerzhafte erinnern. Aus diesem konnte ich all die Jahre schöpfen und tue es noch immer.

Nach hunderten Kinder- und Jugendbüchern, unzähligen TV-Serien, zwei Kriminalromanen für Erwachsene und drei Ratgebern für unterschiedliche Lebensfreude haben Sie sich nun in ihrem aktuellen Werk „Liebesbrief an Unbekannt“ dem ewigen Thema „Liebe“ verschrieben und damit wieder die ältere Leserschaft im Fokus. Haben wir zu wenig wahre Liebe in unserer Zeit und wird sie von uns teilweise falsch interpretiert?
„Liebesbrief an Unbekannt“ ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Roman, der Hoffnung gibt. Das, was viele Menschen suchen, ist die Liebe, aber auch Beziehungen, die Bestand haben. Wenn wir jemand anderen ins Leben bekommen wollen, mit dem wir Stabilität aufbauen können, ist es sehr wichtig, sich selbst zu kennen.

Emma, die Hauptakteurin ihres aktuellen Werkes, erlitt etliche Schicksalsschläge in ihrem Leben und verliert dadurch auch ihr Selbstvertrauen und ihre Hoffnungen. Steckt in der fiktiven Figur der Emma auch ein wenig von Thomas Brezina?
Ja, absolut! Ich habe davor ein Leben gelebt, für das ich unendlich dankbar bin. Vor einigen Jahren habe ich eine Krise durchlebt, mit einer sehr schweren Trennung. Ich habe das selber „erlebt“, die Fehler nicht außerhalb zu suchen. Sondern in mir selbst nachzusehen, was ich verändern, was ich verbessern möchte und was kann ich mir überhaupt alles bieten. Deshalb schrieb ich Briefe an einen „Unbekannten“, um herauszufinden, wie sich das Leben anfühlt.

Primär schreiben Sie für Kinder und Jugendliche. Ist es für Sie als Schriftsteller eine große Umstellung, eine Geschichte für Erwachsene zu verfassen?
Bei Büchern für Erwachsene kann ich umfassender erzählen. Bei Kinderbüchern muss ich wahnsinnig komprimieren und mich knapp halten, was ehrlich gesagt oft anstrengender ist, nämlich als Erwachsener für Erwachsene zu schreiben.

„Liebesbrief an Unbekannt“ spielt in England, das sie ja seit 25 Jahren schon zu Ihrer zweiten Heimat erkoren haben. Wie erleben Sie derzeit dort die politische Situation mit dem Brexit?
Früher waren Kontinentaleuropa und England Eins. Seit dem Brexit spürt man ganz klar und deutlich die Kluft und dass ganze Familien deswegen zerstritten sind. Was hier ausgelöst wurde, kann man noch nicht abschätzen und das wird auch nicht so schnell zu Ende sein. Nicht mit einer Wahl, nicht mit einem Austritt, einem Referendum, oder was auch immer. Traurig macht mich, mit welchen Unwahrheiten hier herumgeworfen wurde.

Trägt Thomas Brezina, der unermüdliche Autor mit viel Empathie, schon wieder neue Pläne in sich, über die er bereits ein wenig sprechen kann?
Ich arbeite aktuell schon wieder an einem neuen Projekt. Aber sprechen will ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht darüber.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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