09.11.2019 15:22 |

Mauerfall-Gedenken

Kanzlerin Merkel mahnt zum Einsatz für Freiheit

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgerufen, die 1989 errungene Freiheit gegen neue Anfeindungen zu verteidigen. „Der 9. November, in dem sich in besonderer Weise sowohl die fürchterlichen als auch die glücklichen Momente unserer Geschichte widerspiegeln, ermahnt uns, dass wir Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegentreten müssen“, sagte sie am Samstag in der Kapelle der Versöhnung in Berlin (Video oben).

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte an die Europäer, weiter engagiert an der Einheit des Kontinents zu arbeiten. Nicht alle Hoffnungen und Ziele beim Einreißen des Eisernen Vorhangs seien erreicht worden. „Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Zusammenhalt in Europa bleiben große und anspruchsvolle Ziele.“

Die Spitzen des deutschen Staates gedachten am Samstag in Berlin bei der zentralen Feier auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße des Falls der Mauer vor genau 30 Jahren. Steinmeier hatte dazu auch die Staatsoberhäupter der Slowakei, Tschechiens, Polens und Ungarns - Zuzana Caputova, Milos Zeman, Andrzej Duda und Janos Ader - nach Berlin eingeladen. „Ohne den Mut und den Freiheitswillen der Polen und Ungarn, der Tschechen und Slowaken wären die friedlichen Revolutionen in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen“, sagte er beim Denkmal für den Beitrag der vier Visegrad-Staaten zum Mauerfall. Die Freiheitsbewegungen in diesen Ländern hatten ihn erst möglich gemacht.

Schicksalstag der deutschen Geschichte
Der 9. November sei ein Schicksalstag der deutschen Geschichte, sagte Merkel. Sie erinnerte an die Pogromnacht der Nationalsozialisten von 1938. Darauf seien Menschheitsverbrechen und der Holocaust gefolgt. Das Niederreißen der Mauer 1989 zeigt aus Sicht der deutschen Bundeskanzlerin: „Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann.“

Der Direktor der Gedenkstätten-Stiftung, Axel Klausmeier, sagte bei der Feierstunde, an der auch Zeitzeugen und Schüler teilnahmen: „Die friedliche Revolution bedeutet zuallererst Verantwortung zu übernehmen, Toleranz zu leben, Demokratie und Menschenrechte zu achten und zu verteidigen und den Traum vom vereinten Europa mit Leben zu füllen.“

„Begonnen hat es mit verrohter Sprache, Hass und Hetze“
Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer erinnerte an den Mut der Ostdeutschen und schrieb auf Twitter: „Auch heute geht es um Mut und Zuversicht.“ Mit Blick auf die Pogromnacht 1938 erklärte sie außerdem: „Begonnen hatte es mit verrohter Sprache, Hass und Hetze, Ausgrenzung und Diffamierung. Der 9. November ist auch ein Tag, der mahnt - für heute und die Zukunft.“

Mit dem 9. November 1989 ging die deutsche Teilung nach rund 40 Jahren zu Ende, die Berliner Mauer selbst hatte mehr als 28 Jahre Bestand. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der etwa 160 Kilometer langen Mauer in der deutschen Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime.

Van der Bellen würdigt Fall der Mauer
Bundespräsident Alexander Van der Bellen meldete sich zum Fall der Mauer und schrieb etwa auf Facebook, am 9. November 1989 sei „vielleicht zum ersten Mal“ die Idee eines vereinten Europas „tatsächlich greifbar nahe“ gewesen. „Damals, am 9. November 1989, haben der Mut, die Freiheit und die Demokratie einen Sieg errungen.“

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bezeichnete den Fall der Berliner Mauer als „Zäsur in der Geschichte unseres Kontinents und unerlässlich für die Einheit Europas“: „Bei allen noch immer bestehenden Herausforderungen und Unterschieden leben wir heute in eng verbundener europäischer Nachbarschaft, geprägt von Frieden und Freiheit“, unterstrich sie in einer Stellungnahme.

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