10.10.2019 07:00 |

Debüt „Immer wieder“

Wenzel Beck: Zukunft des inhaltsreichen Austropop

Mit seinem Debütalbum „Immer wieder“ empfiehlt sich der erst 20-jährige Wenzel Beck als Thronfolger für die großen Singer/Songwriter der heimischen Pop-Historie. Mit sanfter Instrumentierung und geschickter Kompositionskunst spricht er inhaltlich auch offensiv Probleme des Alltags an. Im „Krone“-Interview erklärt er genauer, warum die Musik der perfekte Kitt für eine zerrissene Gesellschaft wäre.

Wenn von der „alten Seele im jungen Körper“ die Rede ist, dann gilt es vorsichtig zu sein. Allzu oft wird jungen Musikern mit besonderen Eigenschaften, tiefen Stimmen oder einer breiten musikalischen Sozialisierung zu Unrecht attestiert, sich ausschließlich in den Klängen einer fernen Vergangenheit zu suhlen. Felix Kramer kann ein Lied davon singen, Wenzel Beck ebenso. Der erst 20-jährige Wiener begeistert seit einigen Wochen mit seinem Debütalbum „Immer wieder“ und wird gleich aus mehreren Gründen in eingangs erwähnte Nische kategorisiert. Einerseits ist da diese markante, einnehmende Stimme. Andererseits die unglaubliche Reife, mit der Beck nicht nur Texte schreibt, sondern auch Gespräche führt. Und schlussendlich ist da Willi Resetarits. Mentor, Lehrer, Wegbegleiter und Freund. Jemand, der so wie auch Wenzel, nicht in Alterskategorien denkt, sondern in Noten, Tönen und Klängen. Die Schönheit der Melodie kennt eben keine Schubladisierung.

Richtige Perspektive
So wie Wenzel Beck Einordnungen fremd sind, gehen reife und juvenile Unschuld auf dem wunderbar entschleunigten Debütwerk Hand in Hand. Beck versteckt politische und gesellschaftliche Botschaften in seiner heimischen Folkmusik nicht, doch er webt sie sehr behutsam ein. Aufzeigen statt anbrüllen als Devise. Es geht um das Anstoßen und Nachdenken, nicht um das Predigen und Reinwerfen. „Mich bewegen einfach gewisse Dinge“, erzählt er im „Krone“-Gespräch, „der Mensch hat doch relativ viel Technologisches bewirkt. Wir können im Weltall herumfliegen und haben unglaubliche medizinische Wunder geschafft. Gleichzeitig tut sich in punkto Umwelt gar nichts und wir lassen Menschen im Mittelmeer absaufen, weil wir als Spezies zu blöd sind, um eine Lösung zu finden. Selbst Kindergartenkinder finden auf die Frage ,Ist es cool, dass Menschen sterben?‘ oder ,Brauchen wir Atomkraftwerke?‘ schnell eine Antwort. Ich schreibe somit aus meiner Perspektive und Wahrnehmung und nicht aus der eines Nachrichtensprechers.“

Mit den elf wunderschönen Songs gelingt Beck eine Grätsche, die in der hiesigen Musiklandschaft äußerst selten ist. Einerseits kommt er im Kultursender Ö1 vor, andererseits im Hitradio Ö3. Qualität und Breitenwirksamkeit schließen sich also keinesfalls aus. „Meinen Song ,A klaana Bua‘ wollten beide Sender spielen. Das ist schon cool“, lacht er, „meine Bandbreite ist mir enorm wichtig. Das Schubladendenken entstand früher aus politischen Bewegungen oder ging mit einem bestimmten Kleidungsstil einher, heute interessiert das keinen mehr. Es ist irgendwie absurd und dann auch wieder nicht, dass in vielen Playlists Helene Fischer auf AC/DC folgt. Die Leute wollen heute gute Musik hören. Musik, die sie anspricht und in der sie etwas fühlen. Und ich will gerade jetzt Musik machen, die verbindet und niemanden ausgrenzt. Musik ist einer der direktesten Kommunikationswege. Auf ,Immer wieder‘ geht es grob darum, dass die Musik gut öffnen kann.“

Inklusion
Beck verkündet seine Botschaften sanft und mit Augenzwinkern, anstatt mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. „Immer wieder“ sieht er als „glückliches Album von einem glücklichen Menschen“, allerdings ist es ihm auch wichtig, keine Tabuthemen auszuschließen, nur weil sie vermeintliche Tabuthemen sind. „Inklusion ist mir einfach wichtig. Bei meinen Konzerten sind die Leute zwischen fünf Monate und 96 Jahre alt. Genau darum geht es. Ich liebe Musik über alles und predige auch immer, dass jeder ein Instrument erlernen sollte. Du entwickelst dadurch automatisch andere Sichtweisen auf das Leben. Jede Art von Musik beschwört gezwungenermaßen eine Verbindung herauf und das sollte man im Alltagsleben möglichst nutzen.“ Das Album an sich ist schon seit etwa drei Jahren fertig, manche der Songs entstanden noch während Becks Stimmbruch. Etwa „Der Wind“, den er bewusst so gelassen hat, um damit ein Zeitdokument widerzugeben.

Touren mit Willi Resetarits - Vater Lukas Beck fotografiert ihn schon seit langer Zeit und Wenzel wuchs mit ihm auf - haben den 20-Jährigen schon früh gestählt, er fühlt sich gleichermaßen alleine als Songwriter, als auch mit Band auf einer Bühne wohl. Halbe Sachen kommen für ihn nicht in Frage. „Ich habe mich schon immer mit den international Besten gemessen und will auch in dieser Liga mitspielen. Ich bin sehr froh, dass dieser Anspruch auf dem Debüt gelungen ist. Ich mag es nicht, wenn jemandem nur 90 Prozent reichen. Vielleicht merkt es das Publikum nicht, aber meiner Musikerseele würde es wehtun. Ein Arzt kann vor der OP auch nicht sagen, ,der schläft eh und merkt nix, da operiere ich heute etwas gemütlicher‘. Man muss dem Publikum immer das Bestmögliche liefern, denn das hat es verdient. Man muss nur darauf achten, dass einen der Perfektionsgedanke nicht zurückhält.“

Reduziertes Wasserkochen
Wenzel Beck schreibt nicht nur für sich, sondern auch für andere und ist ein regelrechtes Arbeitstier. „Ich habe noch ca. 100 Songs übrig und es entstehen laufend neue. In Wien baue ich gerade ein Studio und werde künftig noch stärker darauf achten, wichtige Themen in meine Songs zu verknüpfen. Das Verständnis für das Miteinander muss gestärkt werden und wir dürfen die Ressourcen auf diesem Planeten nicht komplett demolieren. Es ist eigentlich alles nicht so schwierig, man muss sich nur darum kümmern.“ Daran arbeitet Beck mit simpler Instrumentierung und viel Gefühl. „Ich bin Sklave des Liedes und es geht darum, diese Idee nicht kaputtzumachen. Man muss immer das machen, was einem der Song sagt und bei der Simplizität bin ich radikal. Die Leute wollen auch wieder Reduziertes hören. Ed Sheeran und Taylor Swift wenden sich auch vermehrt vom großen Bombast ab und die Gitarrenmusik kommt wieder nach vorne. Das Schöne am Pop ist ja, das am Ende des Tages alle nur mit Wasser kochen.“

Wenzel Beck ist ganz am Anfang eines Weges, der noch sehr viel Kreuzungen und Wendungen für ihn bereithält. Mit „Immer wieder“ ist der Boden für Großes bereitet. Im Endeffekt sieht er das Werk banaler, als es ihm seine Fans zugestehen würden. „Es ist ein Singer/Songwriter-Album. Reduzierte, simple Popmusik, die Glücksgefühle erzeugt, aber trotzdem mit einem gewissen Augenzwinkern Themen anspricht, die nicht immer angenehm sind. Man hört einen 16- bis 18-Jährigen, der sich mit der Welt beschäftigt. Nicht mehr und nicht weniger.“ Nach zahlreichen tollen Livekonzerten bereitet sich Beck vorwiegend auf einige Überraschungen für 2020 vor. Zu sehen ist er aber noch am 25. Oktober auf der Bühne im Hof in St. Pölten und am 23. November im Kubinsaal Schärding. Alle weiteren Infos und Tickets gibt es unter www.wenzelbeck.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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