„Liebte ihre Familie“

Bluttat in Edlitz: Der Tod einer vermögenden Dame

Am Montag wurde eine 85-jährige Frau in ihrer Villa in Niederösterreich erschlagen. Ein bis dahin hoch angesehener Banker hat mittlerweile das Gräuelverbrechen gestanden. Die „Krone“ recherchierte die Lebensgeschichten des Opfers - und des mutmaßlichen Täters.

Emma Sch. dürfte den 16. September zunächst genauso verbracht haben wie die meisten Tage seit ihrer Pensionierung. Vermutlich stand die 85-Jährige schon zeitig am Morgen auf, bereitete für sich ein Frühstück zu, räumte danach ein bisschen ihr wunderschönes Haus in Thomasberg nahe Edlitz (Niederösterreich) auf und las dann ein paar Tageszeitungen.

„Ich werde mich nie fallen lassen, weder körperlich noch geistig“, hatte sie oft zu Menschen aus ihrem Dorf gesagt. Immer, wird dort erzählt, hätte die 85-Jährige gepflegt gewirkt, „regelmäßig ging sie zum Friseur und zur Pediküre, sie war stets adrett angezogen - und gut über das aktuelle Weltgeschehen informiert“.

Sie hat „völlig normal“ gewirkt
Und am Nachmittag, als sie in ihrem schicken kleinen Mercedes zu einem Supermarkt in eine nahe gelegene Ortschaft fuhr, um Lebensmittel einzukaufen, habe die Frau im Geschäft - berichtet eine andere Kundin - „völlig normal“ gewirkt. Nicht aufgeregt, nicht bedrückt.

In Wahrheit muss Emma Sch. unendlich wütend gewesen sein. Denn vor Kurzem hatte sie eine fürchterliche Entdeckung gemacht: Klaus K. (Name geändert), ihr Vermögensberater, seit Jahrzehnten bereits - hatte sie betrogen, von ihren Konten und Aktienfonds Geld abgezweigt. Sehr viel Geld.

„Er war doch immer auf der Siegerstraße“
Die Kripo geht davon aus, dass die resolute Dame dem 61-Jährigen in der Folge mit einer Anzeige gedroht hat. „Wahrscheinlich“, so ein Ermittler, „war das ihr Todesurteil.“ Fest steht: Am Montag mietete der bis dahin hoch angesehene Akademiker (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) einen Leihwagen, bei Einbruch der Dunkelheit kam er damit bei Emma Sch. an.

Zeuge sah Vermummten flüchten
Es war etwa 20.30 Uhr, als ein Nachbar Hilfeschreie aus der Villa der Millionärin hörte: „Und da sah ich auch gleich diesen mit einer grauen Kapuze vermummten Mann, der aus einem Fenster im Erdgeschoß ihres Hauses sprang - und dann davonrannte.“ Fast drei Stunden lang irrte der Banker daraufhin in der Gegend umher, letztlich lief er auf der A2 gegen einen Lkw.

Er hat den - vermuteten - Suizidversuch überlebt. Am Donnerstag konnte der Schwerverletzte erstmals im Spital vernommen werden. „Ja, ich habe Frau Sch. umgebracht“, gestand er. Aber er weigerte sich, weitere Erklärungen für seine Tat abzugeben.

Klaus K. - wer ist er?
„Von Jugend an war er auf der Siegerstraße unterwegs“, erzählt ein Bekannter des Mordverdächtigen. Das Wirtschaftsstudium in Rekordzeit absolviert, später bestdotierte Jobs bei Banken, ein Luxus-Reihenhaus im Grünen, teure Autos, ein Feriendomizil am See. Eine hübsche herzenswarme Frau, zwei kluge Kinder - die Tochter studiert im Ausland, der Sohn besucht eine Eliteschule.

„Sie hat immer nur hart gearbeitet“
Und sonst? Die Analysen, das Wesen des Bankers betreffend, sind unterschiedlich. Als „arrogant und selbstherrlich“ wird er von einigen Nachbarn beschrieben, von anderen wiederum als „humorvoll - und besonders sozial“. Wegen seines enormen Engagements in der Flüchtlingshilfe. Dass Klaus K. je über seine - ohnehin sehr guten - finanziellen Verhältnisse gelebt hätte, davon will in seinem Umfeld niemand jemals etwas bemerkt haben. Trotzdem hat er Emma Sch. „abgezockt“. Warum? „Weil er vielleicht dachte“, meint ein Fahnder, „sie wäre ein einfaches Opfer.“

„Ihre Familie liebte sie abgöttisch“
Sie, diese alleinstehende Frau, nie verheiratet gewesen, keine Kinder. Nach dem frühen Tod ihres Vaters hatte sie einst seine Baufirma übernommen und dann stets hart gearbeitet. Ohne sich irgendwelche Vergnügungen zu gönnen. Keine Urlaube, keine Markenkleidung, keine Essen in Nobelrestaurants. „So konnte sie zu einer Millionärin werden“, erklärt einer ihrer ehemaligen Angestellten. Freunde hatte sie nur wenige, „dafür war sie zu eigenbrötlerisch, aber ihre Familie liebte sie abgöttisch“.

Ihren Neffen, der mit 40 unter tragischen Umständen verstorben ist. Ihre Mutter, die sie bis zuletzt - sie wurde 103 - aufopfernd versorgt hat. Ihren Schwager, der 2017 einem Krebsleiden erlag. Ihre pflegebedürftige Schwester, ihre engste Kontaktperson. „Emma besuchte mich mehrmals wöchentlich, sie war meine große Stütze. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie weitermachen soll“, schluchzt die 87-Jährige. Sie kennt Klaus K., er verwaltete auch ihr Vermögen. Was weiß die Frau über ihn? „Nichts“, sagt sie weinend, „einfach nichts.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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