17.09.2019 17:41 |

Strafzettel-Flut

Neue Radargeräte blitzen bis zu 1000-mal am Tag!

Seit Anfang des Jahres im Baustellenbereich der Südautobahn beim steirischen Ilz zwei nagelneue Radarkästen installiert wurden, erstickt die Belegschaft im Strafamt der Bezirkshauptmannschaft Hartberg-Fürstenfeld in Arbeit. Pro Tag blitzt das Gerät bis zu 1000-mal, die Zahl der Anzeigen macht schon jetzt das knapp Siebenfache der im Vorjahr bearbeiteten Fälle aus. Die Behörde braucht dringend Personal!

Der Wunsch der Polizei, die Autofahrer sollten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten, bleibt im Baustellenbereich Ilz (Anschluss an die neue S 7) ein frommer. 80 km/h sind erlaubt, fast niemand hält sich daran, und die hochpräzisen Lasermessgeräte - jeder Apparat kostet an die 27.000 Euro - blitzen im Akkord: bis zu 1000-mal am Tag und mit null Toleranz.

Mehr als 200.000 Strafzettel im Jahr
In der Bezirkshauptmannschaft ist die Lage sehr angespannt. „Normalerweise bearbeiten wir jedes Jahr bis zu 25.000 Anzeigen, heuer sind es bereits 170.000, und bis Jahresende werden es mehr als 200.000 sein“, sagt Bezirkshauptmann Max Wiesenhofer. „Die Kollegen im Strafreferat sind mehr als ausgelastet. Lehrlinge helfen aus, aber wir haben zu wenig Personal, brauchen dringend mehr, zumindest vier bis fünf Leute.“

Beträge können nicht zugeordnet werden
Wird ein Fahrzeug geblitzt und war der Lenker nicht allzu schnell unterwegs, bekommt er eine sogenannte Anonymverfügung zugestellt. Doch dabei gibt es ein Problem. Max Wiesenhofer: „Bisher bekam der Lenker einen Erlagschein, nun muss er selber einen ausfüllen und den von der Behörde zugesandten Code draufschreiben. Macht er das nicht, landet ein Betrag in der Staatskasse, der aber nicht mehr zugeordnet werden kann. Das macht uns dann sehr viel Arbeit.“

Personal am Limit
Gerät ein EU-Bürger in die Radarfalle, setzt das einen Behördenweg in Gang, der - erraten - in der Bezirkshauptmannschaft beginnt. Zudem sind die beiden Lasergeräte derart präzise, dass die Polizei deutlich erkennt, ob der Lenker angegurtet ist und das Handy am Ohr hat. Das zieht Anzeigen nach sich, die das Strafreferat zusätzlich belasten. Dazu kämen noch die Anfragen gestrafter Autofahrer. Für sie wurde ein Tonbanddienst installiert, auch auf Englisch. Das muss reichen, dafür gibt’s kein Personal mehr ...

Manfred Niederl
Manfred Niederl
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