23.08.2019 10:30 |

Forschung der TU Graz:

Neue Sprechhilfe für Menschen ohne Kehlkopf

Eine Entfernung des Kehlkopfs aufgrund von Krebs bedeutet den Verlust der Stimme. Bestehende Sprechhilfen werden häufig kritisiert, die TU Graz sucht nach Alternativen.

„Es ist ein dramatisches Erlebnis, wenn der Kehlkopf entfernt werden muss. Viele schämen sich und ziehen sich komplett zurück“, erzählt Martin Hagmüller von der TU Graz. Im deutschsprachigen Raum leben derzeit rund 25.000 Menschen, denen nach Operationen die Stimme versagt.

„Es gibt Methoden, um das Sprechen wieder zu ermöglichen, aber diese sind nicht sehr befriedigend“, erklärt der Experte. Die derzeitige Standardlösung - ein Ventil zwischen Luft- und Speiseröhre - ist teuer, anfällig und muss regelmäßig gewechselt werden.

Die Nutzer kritisieren, dass gängige Geräte zu leise sind und oft auch in der Hand gehalten werden müssen – aber das Schlimmste: „Die unnatürliche Roboter-Stimme, welche die ursprüngliche Sprachmelodie ersetzen soll.“ Das kann schnell zur sozialen Isolation führen.

Ein „normaleres“ Leben für die Betroffenen
Hagmüller arbeitet an einer Lösung. Er forscht im Institut für Signalverarbeitung und Sprachkommunikation an einer elektronischen Sprechhilfe. Die Ersatzstimme wird dabei durch ein kleines, vibrierendes Gerät erzeugt, das mit einem Halsband an der passenden Stelle befestigt wird. In Kombination mit einer speziellen Software werden damit Mundbewegungen beim Sprechen hörbar gemacht. Beide Hände bleiben frei.

Das Gerät kann mittels Bluetooth-Taste aktiviert werden. An weiteren Steuerungs-Varianten wird noch geforscht, etwa an einem „MYO-Armband“, das bei der Betätigung bestimmter Muskeln Aktionen setzt.

Arbeit an „weiblicher Stimme“
„Wir arbeiten daran, eine Grundfrequenz zu finden, die menschlicher klingt und auch weibliche Stimmen imitieren kann“, berichtet der Experte. Bestehende Sprechhilfen klingen monoton und männlich. Darunter leiden betroffene Frauen sehr. Auch die Lautstärke soll verbessert werden.

Das Projekt „Bionic Voice“ wurde mit mehreren Betroffenen getestet und wird laufend mit Studierenden weiterentwickelt. Um die Forschung voranzutreiben, wird nach einer neuen Finanzierung gesucht. „Es gibt viele Leute, die sich das Gerät wünschen“, erzählt Hagmüller. Er selbst ist überzeugt von seiner Arbeit: „Das ist kein Luxusproblem! Da gibt es Menschen, denen wir helfen können, ein ,normaleres’ Leben zu führen.“

Melanie Tengg, Kronen Zeitung

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