"Krone"-Interview

Wie ein arbeitsloser Steirer mit 45 um neuen Job kämpft

Steiermark
29.04.2010 15:34
Viele Daten und Fakten werden am 30. April, dem "Tag der Arbeitslosen", präsentiert. Die "Steirerkrone" hat die Geschichte hinter den nackten Zahlen gesucht – und sie in der Person Harald W. gefunden. Der 45-jährige Steirer sucht verbissen einen Job – ist den Firmen aber zu alt. Ans Aufgeben denkt er aber nicht.

"Krone": Wie war Ihr Weg in die Arbeitslosigkeit?
Harald W.: Ich habe Matura gemacht, einige Jahre studiert und bin dann zur Post als Finanzberater und Telekomverkäufer gegangen. 2007 habe ich dann aus eigenen Stücken gekündigt. Danach habe ich mich ein Jahr lang im Bereich Systemtechnik weitergebildet. Einen Job hab ich trotzdem nicht gefunden.

"Krone": Was haben Sie getan, um Arbeit zu bekommen?
W.: Nachdem ich zunächst in der Poststiftung war, habe ich mich intensiv um Arbeit bemüht. Ich bin zum Arbeitsmarktservice gegangen, habe etliche Bewerbungen geschrieben, richtig für mich geworben. Jetzt mache ich in Graz eine Schulung (Bild).

"Krone": Wie haben die Firmen reagiert?
W.: Ich habe nur Absagen bekommen, schnell per E-Mail, und bin erst gar nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen worden. 'Danke für Ihre Bewerbung, aber Sie sind nicht in die engere Wahl gekommen' – immer dieser Standardsatz.

"Krone": An Ihrer Qualifikation kann es aber sicherlich nicht gelegen sein.
W.: Nein, ich bin anscheinend schlicht und einfach zu alt. Mit 45 Jahren und Vordienstzeiten koste ich die Unternehmen einfach zu viel. Jüngere Mitarbeiter sind billiger.

"Krone": Wie fühlen Sie sich dann?
W.: Natürlich schlecht. Ich bin ehrgeizig, leistungsfähig und zum Nichtstun verdammt. Ich fühle mich von der Gesellschaft im Stich gelassen.

"Krone": Kommen Sie mit Ihrem Geld aus?
W.: Nein, überhaupt nicht. Mittlerweile bekomme ich Notstandshilfe, mit der ich nur die wichtigsten Ausgaben abdecken kann. Mehr ist da nicht drin, von Luxus keine Spur.

"Krone": Wo möchten Sie gerne arbeiten?
W.: Ich suche einen Job als Sachbearbeiter, im Bankwesen, Computerbereich. Ich lass mich da sicher nicht unterkriegen!

Daten und Fakten

  • Zum Stichtag Ende März ist laut Arbeitsmarktservice der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen in der Steiermark gegenüber dem Vorjahr um 7,3% auf 39.743 Personen (Frauen 15.004, Männer 24.739) gesunken. Die Arbeitslosenquote betrug 7,9% (Frauen 6,4%, Männer 9,3%).
  •  Die höchsten Zunahmen gab es bei den Technikerinnen und Handelsberufen.
  • An Schulungen haben 11.459 Personen teilgenommen, das ist gegenüber 2009 ein Anstieg von 31,2%.
  • Die zuletzt positive Wirtschaftsentwicklung stimmt Experten optimistisch. Bei Magna Graz etwa wurde die Kurzarbeit beendet, Böhler in Kapfenberg konnte die meisten Arbeiter behalten und Infineon meldet wieder mehr Aufträge.

von Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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