22.07.2019 11:55 |

„Nicht schuldig“

Prozess um ertrunkenen Bub am Faaker See vertagt

Im Prozess um einen ertrunkenen Sechsjährigen im Faaker See hat am Montag am Bezirksgericht Villach Richterin Sabine De Cecco-Wilding den Eltern, beide 34 Jahre alt, eine Diversion angeboten. Ihr Verteidiger sprach sich dafür aus, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Verfahren gegen den Badbetreiber und die Mitarbeiterin läuft getrennt weiter, es wurde für einen Lokalaugenschein vertagt.

„Es war ein tragischer Tag, dieser 10. Juni 2018“, sagte Staatsanwalt Markus Kitz. Der Bub sei ertrunken, weil einige Personen versagt hätten. Den Eltern, dem Badbetreiber und einer Mitarbeiterin wirft Kitz vor, sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Er klage die Eltern nicht gern an, um sie zusätzlich zu ihrem Schmerz auch noch zu bestrafen, aber es sei unerlässlich, sagte der Staatsanwalt. Hier hakte die Richterin ein. Eine Strafe sei in diesem Fall absurd. Sie könne darin auch keinen spezialpräventiven Sinn erkennen. „Kein Elternteil will ein Kind verlieren“, sagte sie. Man müsse lediglich dem Gesetz Genüge tun. Daher schlug die Bezirksrichterin eine Probezeit von einem Jahr und einen Pauschalbetrag von je 200 Euro vor, denn mit Geld könne man dies nicht abzahlen, sagte sie und schied das Verfahren gegen die Eltern aus. Kitz hingegen verwies auf die generalpräventive Funktion einer Strafe. „Solche Delikte darf man nicht kleinreden“, sagte er. Anwalt Hans Gradischnig bot daraufhin die Verlängerung der Probezeit auf zwei Jahre an. Der Staatsanwalt gab dazu keine Erklärung ab.

„Herumhacken“
Gegen den Strandbadbetreiber und die Mitarbeiterin, die auch seine Ehefrau ist, wurde das Verfahren fortgesetzt. Der Staatsanwalt wirft dem Betreiber vor, die Auflagen nicht erfüllt zu haben und vor allem den aufgrund seiner Strömung gefährlichen Bach, der an der Unfallstelle in den See mündet, nicht eingefriedet zu haben. Beide wiesen jede Schuld von sich und verlangten einen Freispruch. Allein die Eltern hätten die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen, sagten die Verteidiger. Man lasse einen Sechsjährigen nicht allein am Wasser, das sei grob fahrlässig, erklärten sie. Worauf Gradischnig einwarf: „Ist es notwendig, dass Sie so auf den Eltern herumhacken?“

Ständige Überwachung nicht vorgesehen
Der Badbetreiber erklärte, alle Auflagen erfüllt zu haben. Laut Badeaufsicht sei nicht vorgesehen, dass die Wasserfläche ständig überwacht wird. Der Bereich, in dem der Bub schließlich gefunden wurde, befinde sich darüber hinaus außerhalb der von ihm gepachteten Betriebsanlage. Seine Ehefrau verwies unter anderem auf die Badeordnung, die in großer Schrift am Eingang hänge. Darin werde auf die Aufsichtspflicht gegenüber Kindern und Behinderten durch Begleitpersonen hingewiesen. Sie habe sofort die Wasserrettung alarmiert, als die Mutter gekommen sei und gesagt habe, sie könne ihren Sohn nicht finden.

Eltern waren am Buffet
Die Eltern wurden dann als Zeugen befragt. Sie erzählten, der Sohn habe im Sand des Uferbereichs gespielt, während sie etwas beim Buffet holten und aufs WC gingen. Als sie nach etwa zehn bis maximal 20 Minuten zurückkamen, sei ihr Sohn nicht mehr da gewesen. Er sei sonst nie allein ins Wasser gegangen. An diesem Tag wollte er überhaupt nicht in den See, weil ihm das Wasser zu kalt gewesen sei. Daher habe man ihm die Schwimmflügel nicht angezogen, erklärte der Vater.

Lokalaugenschein geplant
Das Verfahren wurde vertagt. Die Richterin plant einen Lokalaugenschein und die Befragung weiterer Zeugen.

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