Während die rund 2.500 Zuschauer im Ferry-Dusika-Stadion für eine beeindruckende Kulisse und Stimmung sorgten, wollte bei den zwei im Goldkampf unterlegenen Österreichern im ersten Moment keine rechte Freude aufkommen.
Filzmoser verpasst zweites EM-Gold
Für Filzmoser war es die siebente Medaille ihrer Karriere, die sechste bei einer EM. Die 29-jährige Oberösterreicherin hatte zu Beginn ein Freilos, anschließend räumte die Athletin von Multikraft Wels die Estin Julia Bezko (Ippon) sowie die Ungarin Hedvig Karakas (Waza-ari im Golden Score) und die Niederländerin Juul Franssen (Festhaltegriff) aus dem Bewerb. Im Finale wartete mit der Rumänin Corina Oana Caprioriu eine schlagbare Gegnerin, nach zwei Waza-ari-Wertungen gegen die Österreicherin war der Traum vom zweiten EM-Gold nach 2008 aber ausgeträumt.
Und so war Filzmoser nicht recht zum Lächeln zumute, der Schmerz überwog. "Ich war voll sicher, dass es funktioniert. Aber ich habe taktisch nicht clever genug gekämpft. Als ich merkte, sie ist nicht kräftig genug, hätte ich mehr auf Distanz kämpfen müssen. Aber ich habe sie immer auf die Hüften lassen, dabei hätte ich sie im Griff haben müssen", sagte die Silbermedaillengewinnerin. Den Moment des Konterns habe sie immer verpasst, bei vielen Gegnerinnen könne sie sich wegdrehen, aber "die ist so klein, so explosiv, so bullig, dass es ganz schwierig ist". Der Medaillengewinn ihrer Kollegen hatte sie "Vollgas motiviert", sie habe gedacht, sie könne das umsetzen, erklärte Filzmoser.
Zehnte Medaille für Paischer bei Großereignis
Bei Paischer hielten sich nach dem mit Ippon verlorenen Finalkampf Enttäuschung und Freude so ziemlich die Waage. "Wenn man im Finale steht, will man gewinnen", sagte der Salzburger, der aber auf seine große Medaillensammlung verwies, die ihn "stolz" mache (EM-Silber in Wien ist die zehnte Medaille bei einem Großereignis). Er habe im Kampf gegen den Franzosen Sofiane Milous "keine wirkliche Lösung gefunden. Er war extrem stark und hat meinen Griff sehr gut verhindert."
Entscheidend sei die dritte Strafe gewesen. "Das ist für mich überraschend gekommen, da war der Kampf gelaufen. In der Dichte holt man ein Waza-ari in 40 Sekunden nicht mehr auf." Paischer hatte sich auf dem Weg ins Finale nach einem Freilos in der ersten Runde gegen den Finnen Juhu Reinvall (zwei Waza-ari-Wertungen), den Tschechen Pavel Petrikov (eine Yuko-Wertung) und den Russen Beslan Mudranow durchgesetzt (Festhaltegriff).
"Blitzsieg" für Mitterfellner im Kampf um Bronze
Souveräne Vorstellungen auf dem laufenden Band lieferte der Steirer Andreas Mitterfellner. Nach Erfolgen über den Polen Pawel Zagrodnik (zwei Waza-ari-Wertungen), Tarian Karimow (AZE/Ippon) und den Franzosen Loic Korval (Ippon) blieb er ausgerechnet im Semifinale am Spanier Sugoi Uriarte hängen, der Vizeweltmeister setzte sich mit zwei Yuko-Wertungen durch. Im Kampf um Bronze fertigte der 28-jährige Steirer in der Kategorie bis 66 kg den Rumänen Dan Gheorghe Fasie nach 20 Sekunden mit Ippon ab.
"Ich habe heute wirklich einen Lauf gehabt, mir ist heute wirklich fast alles aufgegangen", freute sich Mitterfellner, für den es die zweite EM-Bronzemedaille (nach Tampere 2006) in seiner Karriere war. "Das Publikum pusht unglaublich, das ist eine Einzigartigkeit, wenn Freunde, Familie und österreichische Fans in der Menge zuschauen. Das hat sicher beflügelt. Aber das heute hat gezeigt, dass ich es kann, ich muss es nur öfter abrufen. Realisieren werde ich das erst."
Steinbauer verliert gegen Titelverteidigerin
Petra Steinbauer besiegte in der Klasse bis 52 kg nach nur 23 Sekunden die Weißrussin Alesia Starawerawa mit Ippon, unterlag dann aber erwartungsgemäß der russischen Titelverteidigerin Natalja Kusjutina. "Der erste Kampf war super, ich bin voll zufrieden, denn eine Runde wollte ich überstehen", sagte die Kärntnerin Steinbauer, die die spätere Goldmedaillengewinnerin zu ihren Favoritinnen gezählt hatte. Als einzige aus dem österreichischen Quintett blieb Valentina Schauer (bis 48 kg) ohne Sieg, die Athletin des COLOP Samurai Wien unterlag der Französin Aurore Climence durch Ippon.
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