Mo, 15. Juli 2019
10.07.2019 05:55

Industrie ist dafür

Steirische Bauern kämpfen gegen Südamerika-Pakt

Sie haben sich geeinigt: Die EU-Kommission und vier südamerikanische Staaten - darunter die „Riesen“ Brasilien und Argentinien - planen eine große Freihandelszone, Zölle und weitere Beschränkungen sollen fallen. Die steirischen Landwirte lehnen den Deal, nicht zuletzt aus Angst vor billigen Fleischimporten, ab; die Industrie sieht hingegen Chancen.

Auch wenn nach der grundsätzlichen Einigung in manchen Büros die Sektkorken knallten: Noch ist der so genannte Mercosur-Deal nicht in trockenen Tüchern. Alle nationalen Parlamente der 28 EU-Staaten und das EU-Parlament müssen zustimmen. Und der Widerstand ist groß, nicht zuletzt in Österreich.

Besonders scharf ist die Kritik der Landwirtschaft. „Wir lehnen den ausverhandelten Mercosur-Deal klar ab“, betont der steirische Kammerpräsident Franz Titschenbacher gegenüber der„Krone“.

„Turbomast“ bereitet Sorgen
Gerade Rinderbauern sorgen sich vor billigen Importen aus Südamerika. Dort sind die Betriebe groß und die Produktionskosten niedrig. In sogenannten „Feedlots“, das sind Boxen unter freiem Himmel, werden Hunderte Rinder intensiv gemästet, auch mit Wachstumshormonen.

„Die Standards für unsere Betriebe sind viel höher, wir bekennen uns zum Tierwohl“, sagt Titschenbacher. In den Mercosur-Staaten sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik weit verbreitet. Durch den Pakt könnte neben der Importmenge von Rindfleisch auch jene von Geflügelfleisch, Zucker und Ethanol deutlich steigen.

Wichtiges Signal an Trump
Einen ganz anderen Blick auf das Freihandelsabkommen hat Georg Knill, Präsident der steirischen Industriellenvereinigung. „Wir sehen es grundsätzlich positiv.“ Das Abkommen sei ein wichtiges Signal gerade in Richtung USA, dessen Präsident Donald Trump ja ein Freihandelsskeptiker ist.

Derzeit sind die Zugangsbestimmungen für den südamerikanischen Markt restriktiv, die Importzölle für europäische Produkte hoch, liegen für Autos etwa bei 35 Prozent. Von den künftig erleichterten Marktzugängen könnten vor allem die steirischen Autozulieferer profitieren, aber auch Maschinenbauer wie Andritz - ein Unternehmen, das schon jetzt in der Region aktiv ist.

Wird noch mehr Regenwald abgeholzt?
Ein heikler Punkt in der Diskussion ist Umweltschutz. Kritiker befürchten eine weitere Abholzung des Regenwaldes. Knill sieht durch den Deal sogar einen Vorteil: „Brasilien verpflichtet sich dadurch zu den Zielen im Pariser Klimaabkommen.“ Das sei unter dem neuen, rechten Staatspräsidenten Jair Bolsonaro zuletzt nicht klar gewesen.

Jakob Traby
Jakob Traby

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