21.06.2019 08:00 |

Tipps und Ausrüstung

Schneefelder und die Tücken auf den Bergen

Die Wanderer können es kaum mehr erwarten, bis die enormen Schneemassen auch höher gelegene Wege freigeben. Obwohl schon Mitte Juni ist, raten Experten heuer zu noch mehr Vorsicht. Schneefelder bergen eine hohe Gefahr, die man aber mit seinem Verhalten und der richtigen Ausrüstung minimieren kann.

Der Unfall am Kellerjoch war typisch: Eine Holländerin (49) rutschte beim Queren eines 30 Grad steilen Schneefeldes ab, konnte sich aber nach zehn Metern festhalten. Ein Begleiter (58) stürzte bei der versuchten Hilfeleistung 50 Meter über felsiges Gelände und fiel auch noch durch eine geschmolzene Lücke in der Schneedecke in einen eisigen Bach. Der Holländer wurde schwer verletzt. Oft liegt um 2000 Meter noch eine geschlossene Schneedecke. Auch unterhalb dieser Höhenlage sind noch zahlreiche Wege und zu querende Gräben mit Schnee gefüllt.

Wie im freien Fall
„Schneefelder sind eine auch von erfahrenen Berggehern oft unterschätzte Gefahr“, erklärt Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. Untersuchungen des Deutschen Alpenvereins zeigten, dass rutschende Bergsteiger auf einem harten, 40 Grad steilen Firn- oder Schneefeld schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit erreichen wie im freien Fall. Entscheidend ist, unmittelbar nach dem Ausrutschen gleich in Bauchlage und in eine Art Liegestützstellung zu kommen. Nur so kann man effektiv abbremsen, bevor die Geschwindigkeit zu groß wird.

Im äußersten Fall die Tour abbrechen
Der Rat von Gabl, selbst Berg- und Skiführer: „Schon bei der Tourenplanung sollte die Route entsprechend gewählt werden. Es ist unbedingt anzuraten, sich bei lokalen Tourismusverbänden oder den Hüttenbetreibern zu informieren. Aktuellen Hinweisschildern wie Lawinensperren, Wegsperren wie für Forstarbeiten oder Wegerhaltung sowie Verlaufsänderungen der Wege bzw. Hüttenzustiege sollte unbedingt Folge geleistet werden.“ Wechselt die geplante Route beispielsweise von der sonnigen Südseite auf Nord, kann ein aperer Wanderweg innerhalb weniger Meter zu einer anspruchsvollen Flanke werden. Dann hilft oft nur eines: der sofortige Abbruch der Tour!

Ausrüstung hilft, aber nicht alles sinnvoll
Bei der Schneefelder-Querung gibt es sinnvolle und weniger nützliche Ausrüstungen. Leichtsteigeisen: Der Fachhandel empfiehlt diese Geräte (häufig aus Aluminium) sowie Snowspikes. Auf harten Hartschneefeldern sollten Bergsteiger aber zusätzlich einen Pickel benutzen. Katrin Brugger, Sprecherin des Sportartikelhandels in der Tiroler Wirtschaftskammer, ergänzt: „Stöcke unterstützen zwar eine gute Lage des Schwerpunktes und können das Begehen von Schneefeldern erleichtern, sie können aber trügerisch sein. Kommt der Bergsteiger ins Rutschen, geben sie keinerlei Sicherheit.“ Generell sollen Bergsteiger und Wanderer vor Überqueren eines Schneefeldes Handschuhe anziehen. Die Kristallstruktur von alten Schneeresten und Sommerfirn ist sehr scharfkantig und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen.

 

Andreas Moser
Andreas Moser
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