19.05.2019 16:00 |

Brennerei in Inzing

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

„Bist du wahnsinnig, die Kühe wegzugeben“, hörte Lambert Draxl in den 90ern, als er die ersten Bäume pflanzte. Heute führt sein Sohn die Brennerei in zweiter Generation - und schaffte es vom Neben- in den Vollerwerb.

Die Schwiegereltern hatten so einen Jammer“, erzählt Lambert Draxl schmunzelnd. Der Inzinger sitzt an einem langen Holztisch im neuen Verkaufsraum. Ein fruchtiger Geruch liegt in der Luft, zahlreiche Fässer lagern im Rücken des 76-Jährigen. „Geld kann ich euch keines geben, aber zum Essen könnt’s kommen, hat uns die Schwiegermutter damals angeboten“, lacht er heute. Ein Bauer, der sich von der Milchwirtschaft verabschiedet und stattdessen Apfelbäume pflanzt – ein kleiner Skandal im Tirol der 1990er.

Gut 20 Jahre später reihen sich 10.000 Apfelbäumchen vor dem Hof der Familie Draxl in Inzing. Außerdem: Zwetschken-, Marillen-, Kirschbäume – und eine eigene Schnapsbrennerei samt Direktvermarktung. Hubert und Karin Draxl führen den Betrieb in zweiter Generation – und seit vier Jahren im Vollerwerb. „Dass ich Obstbäuerin in Mitteleuropa werde, hätte ich mir auch nie gedacht“, lacht Karin. Die 49-jährige Schwedin kam einst als „Au-Pair“ nach Tirol – verliebte sich und kehrte nie mehr zurück.

Wie ein Techniker zum Obstbauern wurde
Heute führt sie das Regiment während der Ernte und verkauft Früchte, Destillate und Säfte ab Hof. Ihr Mann, eigentlich gelernter Techniker, übernahm 2011 den Hof. Vier Jahre später kündigte er nach 20 Jahren seinen Job in der technischen Entwicklung eines Großkonzerns und stürzte sich Vollzeit in die Obstgärten –„zu tun gibt es ja genug“.

„Im Jänner geht es mit dem Baumschnitt los“, erklärt der 47-Jährige. Es folgen der Pflanzenschutz und zahlreiche Kontrollgänge – „man merkt erst wie lange die Reihen sind, wenn man durch geht“, schmunzelt seine Frau. Im Juni werden die ersten Äpfel gepflückt – und auf dem Boden zurückgelassen. „Das braucht Überwindung“, schildert Hubert, „aber die restlichen Äpfel werden dafür umso besser.“

Ernte startet im Herbst
Das Obst am Boden wird zum Dünger. In den Sommermonaten werden die Bäume erneut geschnitten und die ersten Früchte eingemaischt. Im Herbst startet die Ernte - sechs bis acht Wochen wird gepflückt, bis die Hände wund sind, vier Erntehelfer sind zur Unterstützung da. Davor, währenddessen und danach wird der Schnaps gebrannt.

Das Geheimnis eines guten Schnapses
„Mein Papa ist Schnapsbrenner der ersten Stunde“, sagt Hubert nicht ohne Stolz. „Er hat mir alles beigebracht – und unglaublich viel Wissen, das man in keinen Lehrbüchern findet.“ Seine Mutter Agnes bringt die richtige Nase mit – „sie unterscheidet feinste Nuancen, was unerlässlich für die Erzeugung von Edelbrand ist.“ Von der Ernte geht es quasi fließend ins Weihnachtsgeschäft und mit dem Jahreswechsel geht alles von vorne los. „Viel Arbeit bedeutet viele Äpfel“, sagt Karin, „und das ist gut!“

Stillstand gibt es also keinen, ein paar Tage Urlaub gönnen sich die Familienmitglieder abwechselnd aber schon. „Natürlich. Die Stunden darf man nicht schreiben“, sagt Hubert. „Aber man fühlt sich trotzdem frei, weil man sein eigener Chef ist.“

Aber was ist nun das Geheimnis eines guten Schnapses? „Was man reingibt, kommt raus“, sagt Lambert. In dem Fall also: Qualität, viel harte Arbeit und eine Passion für den Beruf.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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