21.04.2019 07:00 |

„Nächstes Kapitel“

Scheibsta und die Buben erfinden sich neu

Die Salzburger Hip-Hop-Band Scheibsta und die Buben findet für ihr neues Album „Nächstes Kapitel“ neue musikalische Zugänge. Mehr denn je stellen sie den kollaborativen Charakter in den Vordergrund und zeigen sich als eine kreative Einheit, die keine Angst vor stilistischen Erweiterungen kennt.

„Wo beginnt man? Am besten immer am Anfang!“ Mit dieser klaren Ansage eröffnen Scheibsta und die Buben ihr neues Album „Nächstes Kapitel“. Der Salzburger Rapper und seine Band knüpfen damit nicht nur an bisher Erreichtes an, sondern erweitern ihren Kosmos. „Die Motivation war schon, Dinge über Bord zu werfen und neu zu gestalten“, betont Scheibsta. Das Ergebnis ist mehr als ansprechend.

Große Bandbreite
Entstanden sind die Songs verteilt über das vergangene Jahr, zunächst gab es drei Songwritingblöcke zu mehreren Tagen. „Da haben wir alles aufgebaut und verkabelt, um jederzeit aufnehmen zu können“, erinnert sich Keyboarder Philipp Bernsteiner im APA-Interview. „Dann wird gejammt, man probiert etwas aus, findet einige Ideen, schneidet mit. Am Ende der Sessions haben wir dann aussortiert.“ Herausgekommen sind letztlich elf Nummern, die vom rockigen Auftakt „Wo beginnt man“ bis zur Melancholie von „Sticky Fingers“ eine ordentliche musikalische Bandbreite beinhalten.

„Es war auf jeden Fall der Wunsch da, Sachen in diesem Prozess neu anzugehen“, nickt Philipp „Scheibsta“ Scheiblbrandner. „Es ist doch das vierte Album, teilweise verfällt man in einen repetitiven Charakter.“ Anstatt sich nur zu wiederholen, hat das Sextett bewährte Zutaten neu geordnet und zeigt sich unerschrocken im Umgang mit unterschiedlichsten Mitteln. Trompeter Johann Öttl hat etwa einige Bläsersätze eigens arrangiert, aber auch die weiteren Instrumentalisten dürfen sich in den Vordergrund spielen. Ein Solo hier, eine unerwartete Abzweigung dort - schon ist man mitten drin in dieser bunten Welt.

Gemeinschaftsprojekt
Zudem präsentiert sich Scheibsta mit manchmal ungewohnt-eigenwilligem Flow. „Ein gutes Beispiel dafür ist wohl ‘Ein Lied‘, das ist schon fast poetry-artig“, stimmt er zu. „Es war spannend zu schauen, wo das hinführt.“ Der frische Zugang, den man versuchen wollte, er offenbart sich auch an vielen anderen Stellen. „Nächstes Kapitel“ ist dabei ein durch und durch kollaboratives Unterfangen. „Der Input kommt von uns allen, also gehören uns die Nummern auch allen gemeinsam“, erklärt Bernsteiner für die restlichen Kollegen Öttl, David Binderberger (Gitarre), Klaus Brennsteiner (Schlagzeug) und Lukas Pamminger (Bass). „Es wird alles auf sechs Pflöcken aufgebaut.“

Fällt es dabei schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen? „Das ist witzigerweise wirklich meist relativ unkompliziert“, schmunzelt Scheibsta. „Eigentlich geht es um die Abstimmung der Stimmungen. Hat man das, dann geschieht es recht flink.“ Einzig aus Textperspektive könne ein Song schon mal „ein wochenlanges Fragezeichen“ sein, meint der Rapper. „Aber dann kommt zwischen Tür und Angel plötzlich die Idee. Bei diesem Album war es allerdings von Anfang an sehr klar, wo es hingehen soll. Es ist wohl weniger kopflastig.“

Ausgefeilte Arrangements
Was natürlich keineswegs bedeutet, dass der musikalische wie inhaltliche Anspruch geringer geworden ist. Wie üblich sind die Arrangements ausgefeilt und aufwendig, sind die Ohrwurmmelodien nicht zu knapp gesät und weiß Scheibsta mit seiner Mischung aus persönlichen Beobachtungen, Wortwitz und nachdenklichen Wendungen zu überzeugen. So amüsant die Katzenstory in „Alles ok“ ist, so pointierte Bilder findet er in „Heulen nach Athen“ für gesellschaftspolitische Zustände. Hier ohne Plattitüden und Klischees auszukommen, sei „gleichzeitig wahnsinnig einfach und wahnsinnig schwierig“.

„Man hat nur sich selber, als subjektives Wahrnehmungswesen in dieser Welt“, wird Scheibsta grundsätzlich. „Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auch an der Nase zu nehmen. Vielleicht geht es darum: Das Herauspicken der subjektiven Sachen, die eine gewisse Objektivierbarkeit haben.“ Dass dem Rapper der kritische Blick in den Spiegel nicht fremd ist, belegen auch „Offline“ und „Ditox“, die sich mit digitalem Suchtverhalten auseinandersetzen. „Ich glaube, ich habe einen Drang, meine peinlichen Momente zu beschreiben“, lacht der Musiker. „Das sind ja Nummern, bei denen ich mir selber eine reinhaue, um mich daran zu erinnern, wie ich mit diesen Aspekten umgehe.“

In der Blase
In den kommenden Wochen ist das auch live zu erleben, wobei ein Buben-Konzert üblicherweise noch deutlich mehr liefert, als es die Studioaufnahmen erahnen lassen: Viel Druck und Spielwitz treffen auf reichlich Platz für Improvisationen. So überstehe man auch stressige oder nervige Momente, die das Musikerleben so mit sich bringt: „Wenn du auf der Bühne bist, bekommst du so viel Input“, unterstreicht Bernsteiner, und schiebt augenzwinkernd nach: „Das zeigt dir: So schlecht, trostlos oder verloren bist du gar nicht.“ Oder wie es Scheibsta formuliert: „Diese rund 90 Minuten sind wie eine Blase, in der man vergisst, was mühsam war oder worüber man sicher ärgern musste.“ Die gute Laune ist glücklicherweise auch äußerst ansteckend.

Live zu sehen sind Scheibsta und die Buben am 3. Mai beim JazzIt in Salzburg, am 16. Mai im Wiener Flex und am 25. Mai beim Strawanzen Festival im Tiroler Westendorf. Weitere Infos und Karten gibt es unter www.scheibsta.at.

APA/Christoph Griessner

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