22.03.2019 12:31 |

Erdogan mahnt:

„Menschheit muss Hass gegen Islam bekämpfen“

Eine Woche nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem 50 Muslime getötet wurden, sind am Freitag die Außenminister der islamischen Staaten in Istanbul zusammengekommen, um über Konsequenzen aus der Tat zu beraten. Als Gastgeber des Treffens rief der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Westen dazu auf, mehr gegen Islamfeindlichkeit zu tun. Der Hass gegen Muslime müsse so bekämpft werden wie „der Antisemitismus nach dem Holocaust“.

„Wir sehen ganz klar eine Feindseligkeit gegenüber dem Islam und einen Hass gegen Muslime“, sagte Erdogan bei der Konferenz der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). „Mit derselben Entschlossenheit, wie sie den Antisemitismus nach der Katastrophe des Holocaust bekämpft hat, muss die Menschheit gegen den zunehmenden Hass gegen den Islam kämpfen“, meinte er.

„Neonazi-Gruppen genauso behandeln wie terroristische Gruppen“
Diese Bedrohung sei zu einem Problem geworden, um das sich „die Sicherheitskräfte, die politischen Führer und die einfachen Bürger kümmern müssen“. Dabei forderte Erdogan auch, Neonazi-Gruppen müssten „genauso angegangen und behandelt werden wie terroristische Gruppen“. Er verwies dabei auf die Bekämpfung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Erdogan hatte bereits unmittelbar nach dem Massaker in Christchurch dieses als Zeichen für eine zunehmende Islamfeindlichkeit in westlichen Ländern gewertet. Für Empörung sorgte er, indem er auf Wahlveranstaltungen wiederholt Ausschnitte aus dem Video zeigte, das der rechtsextreme Attentäter während der Tat aufgenommen hatte. Erst am Donnerstag ließ er sie erneut bei live im Fernsehen übertragenen Kundgebungen zeigen.

Neuseelands Außenminister: „Ansichten der Extremisten sind nicht unsere“
Der neuseeländische Außenminister Winston Peters, der als Beobachter an der OIC-Konferenz in Istanbul teilnimmt, betonte bei der Debatte die Offenheit seines Landes. „Die Ansichten der Extremisten sind nicht unsere“, sagte er.
Neuseeland versichere den Muslimen, dass sie sich in seinem Land „sicher fühlen“ könnten.

Peters reagierte damit auch auf Erdogans Aussagen nach der Tat, wonach Neuseeland den australischen Täter ohne die Todesstrafe zu leicht davonkommen lasse. Sollte man ihn dort nicht gebührend zur Rechenschaft ziehen, werde es die Türkei tun, hatte der Präsident gemeint. Dazu sagte Peters, die neuseeländische Polizei habe die größte Ermittlung in ihrer Geschichte begonnen und der Attentäter werde den Rest seines Lebens in Einzelhaft verbringen.

Australien empört über „höchst beleidigenden“ Erdogan-Sager
Erdogans Äußerungen im Zusammenhang mit dem Anschlag haben auch zu Spannungen mit Australien geführt. Bei einer Feier zum Jahrestag der Schlacht von Gallipoli, in der 1915 auch viele Australier und Neuseeländer gekämpft hatten, warnte Erdogan, sollten sie die Türkei noch einmal angreifen, werde man sie „wie ihre Großväter in Särgen zurückschicken“.

Australiens Regierungschef Scott Morrison nannte diese Aussage daraufhin „höchst beleidigend und fahrlässig“ und zitierte den türkischen Botschafter ins Außenministerium. Die australische Regierung rief zudem ihre Bürger bei Reisen in die Türkei zu Wachsamkeit auf. Zur Erinnerung an die Schlacht von Gallipoli fliegen jedes Jahr am 25. April Tausende Australier und Neuseeländer in die Türkei.

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