Kuh-Attacken-Urteil:

Landwirte unsicher: „Sollen wir Almen sperren?“

Nach einer tödlichen Kuh-Attacke muss ein Tiroler Landwirt hohen Schadenersatz zahlen - wir berichteten. Das Urteil verunsichert auch unsere Almbauern. OÖ Bauernbund und Almwirtschaftsverein prüfen ein Hundeverbot und fordern einen „runden Tisch“, der bundesweit klare rechtliche Sicherheiten bringen soll.

Ein Tiroler Almbauer soll 490.000 Euro nach einer tödlichen Kuh-Attacke an die Hinterbliebenen des Todesopfers zahlen: „Das kann ein Betrieb nicht einmal in mehreren Generationen abzahlen“, meint Johann Feßl, Obmann des Almwirtschaftsvereins- siehe Interview. Dieses Urteil schockt und verunsichert so, dass 640 Almbauern in Oberösterreich überlegen, ob sie ihre Kühe, Ziegen, Schafe oder Pferde heuer überhaupt auftreiben werden. Oder sollen sie lieber ihre Almen für Wanderer sperren?

Kuh denkt: Hund ist Wolf
Auch ein Hundeverbot wird überlegt. „Es kann nicht sein, dass ein Bauer für seine Kuh verantwortlich gemacht wird, ein Hundehalter in dem Fall aber nicht für seinen Hund“, so Landesrat Max Hiegelsberger. Bei 99 Prozent der Kuh-Unfälle auf Almen seien Hunde beteiligt. Kühe fühlen sich und ihre Kälber bedroht, sehen im Hund ja ihren Ur-Feind, den Wolf.

Versicherungen prüfen
„Unsere Betriebe haben zwar Haftpflichtversicherungen“, sagt Feßl. Unklar ist aber, was im Einzelnen gedeckt ist. Er rät: „Verträge gemeinsam mit den Versicherern überprüfen.“ Die Weiden sollen deutlicher als bisher beschildert werden. Beim Bauernbund erhält man kostenlos Tafeln.

Bundesweite Lösung
„Wir setzen uns für eine gesamtösterreichische Lösung ein“, betont Hiegelsberger. Ein „runder Tisch“ soll Rechtssicherheit und besseren Versicherungsschutz schaffen, damit unsere Almen weiterhin vielfältig genützt werden können. Die Zeit drängt, die Saison beginnt im Mai.

Johann Feßl (46) ist Bergbauer in Edlbach und treibt seine Kühe auf die „Hiaslalm“ auf. Ob er das heuer auch macht, sagt er im „Krone“-Interview.

„Krone“: Sie sind Landwirt und Obmann des OÖ Almwirtschaftsvereins. Wie ist derzeit die Stimmung?
Johann Feßl: Unsicher! Es kann nicht sein, dass wir Almbauern unseren Grund und Boden für Wanderer oder Sportler zur Verfügung stellen - und dann für alles haften. Die touristische Nutzung muss doch auf eigenes Risiko erfolgen.

„Krone“: Was ist die dringlichste Frage der Landwirte?
Johann Feßl: Die Kernfrage momentan für uns ist: Dürfen wir absperren?

„Krone“: Wie profitiert der Tourismus von der Beweidung?
Johann Feßl: Die Kühe sind sehr wichtig, um unsere Almen offen zu halten. Sie wachsen sonst zu. Das wäre für den Tourismus - in Sommer und Winter - nicht gut. Ich beobachte teils Massentourismus, darum brauchen wir Regelungen für das Miteinander von Mensch und Weidetieren. Der Tourist muss Eigenverantwortung übernehmen und Respekt vor den Tieren haben.

„Krone“: Werden Sie Ihre Kühe heuer auf die Alm bringen?
Johann Feßl: Ich habe es mit meiner Frau schon besprochen: Ja, wir treiben unsere Tiere auf die Alm. Aber: Hoffentlich gibt es bis dahin mehr rechtliche Sicherheit.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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