26.02.2010 14:33 |

Unfassbare Aussage

Gaddafi ruft zum "Heiligen Krieg" gegen Schweiz auf

Der Konflikt zwischen Libyen und der Schweiz droht nun völlig aus dem Ruder zu laufen: Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hat am Donnerstag die Muslime zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz aufgerufen. Die Eidgenossenschaft sei ein ungläubiger Staat, in dem Moscheen zerstört würden, erklärte Gaddafi. "Jeder Muslim in der Welt, der mit der Schweiz zusammenarbeitet, ist ein Abtrünniger und gegen den Propheten Mohammed, Gott und den Koran."

"Lasst uns kämpfen gegen die Schweiz, den Zionismus und ausländische Aggression", sagte Gaddafi bei seiner Rede anlässlich des Geburtstags des Propheten Mohammed und fügte hinzu: "Das ist kein Terrorismus", im Gegensatz zu den Aktionen der Al-Kaida, die er "eine Art Verbrechen und Geisteskrankheit" bezeichnete. Der Kampf gegen die Schweiz müsse aber mit allen Mitteln geführt werden.

Gaddafi pochte darauf, es gebe einen großen Unterschied zwischen Terrorismus und dem Heiligen Krieg, der das Recht auf bewaffneten Kampf einschließe. Der Westen verstehe das jedoch nicht. Die Schweizer würden den Glauben der Muslime angreifen, zielte Gaddafi auf das umstrittene Minarett-Referendum im vergangenen Jahr ab.

Jeder Muslim, der mit der Schweiz zusammenarbeite, würde daher jetzt seinen Glauben verraten. "Würde die Schweiz an unseren Grenzen liegen, wir würden gegen sie kämpfen."

Die Tirade des Quasi-Diktators, die er in der zweitgrößten libyschen Stadt Benghasi hielt, dauerte 40 Minuten und wurde erst durch den Gebetsruf des Muezzins beendet, während dem auch der Revolutionsführer nicht sprechen durfte.

"Dem hat's in den Weizen gehagelt!"
Die Schweiz misst den Drohungen des libyschen Herrschers nach außen hin keine große Bedeutung bei. "Ist Gaddafi frustriert?", fragte sich etwa die Neue Zürcher Zeitung. Das Blatt "20 Minuten" und die Zeitung "Blick" zitieren ihre Leser: "Der gehört doch in die Muppet-Show", "Dem hat's in den Weizen gehagelt!". Von den Schweizer Politikern hat sich zunächst keiner zu Wort gemeldet.

Gaddafis Tirade ging in der arabischen Welt indes vollkommen unter. Auf den beiden wichtigen TV-Sendern Al-Jazeera und Al-Arabija kam die Rede des Libyers überhaupt nicht vor. Aus Ägypten gab es wiederum Kritik: Gaddafi sei gemäß der religiösen Lehre nicht zum Ausrufen eines Dschihad berechtigt, weil er kein Scheich sei.

Seit 2008 herrscht Eiszeit
Zwischen Libyen und der Schweiz herrscht Streit und diplomatische Eiszeit wegen der sogenannten Hannibal-Affäre. Die Polizei in Genf hatte 2008 Hannibal al-Gaddafi, einen Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, wegen mutmaßlicher Misshandlung von Hausangestellten vorübergehend festgenommen. Daraufhin hatte Libyen zwei Schweizer Geschäftsleute verhaftet.

Die Unternehmer Max Göldi und der gebürtige Tunisier Rachid Hamdani wurden 19 Monate lang von den libyschen Behörden am Ausreisen gehindert. Während Hamdani von den Vorwürfen illegaler Geschäftemacherei freigesprochen wurde und am Montag zurück in die Schweiz kehrte, hat die libysche Justiz Göldi wegen angeblicher Visa-Vergehen zu vier Monaten Haft verurteilt.

"Wir sind nicht misshandelt worden", sagte Hamdani nach seiner Freilassung, wiewohl er sich zu den Haftbedingungen nicht im Detail äußern wollte. Die ersten Tage im Gefängnis seien am härtesten gewesen. "Das waren die schwersten Tage meines Lebens", so Hamdani. Ebenfalls Montag verließ Göldi die Schweizer Botschaft und stellte sich den Behörden, um seine Haftstrafe anzutreten. Im Kampf um eine Begnadigung erhält die Schweiz Unterstützung der EU, mit Ausnahme Italiens, das sich als Verbündeter Libyens bezeichnet.

Beidseitige Visa-Sanktionen
Im Zuge des Streits um die Geschäftsmänner gab es vonseiten beider Länder diplomatische Sanktionen. Die Schweiz hat 188 prominente Libyer auf die Liste unerwünschter Personen gesetzt, was gleichzeitig bedeutet, dass ihnen die Einreise in den Schengenraum und damit in 25 weitere Staaten in Europa verweigert wird. Libyen verhängte seinerseits eine Visa-Sperre für Schweizer Staatsbürger, anfangs hieß es sogar für alle EU-Bürger.

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