06.02.2019 11:16 |

NHL-Ass lobt und warnt

Thomas Vanek: „Das Team ist für mich Geschichte“

Ab Donnerstag trifft das Eishockey-Nationalteam in Klagenfurt beim Österreich-Cup auf Dänemark, Frankreich und Norwegen. NHL-Star Thomas Vanek verfolgt aus der Ferne interessiert die positive Entwicklung unter Teamchef Roger Bader, stellte aber im „Krone“-Interview klar, dass er nicht mehr für die ÖEHV-Auswahl auflaufen wird. Scharfe Kritik übt der 35-Jährige an der Entwicklung im heimischen Eishockey.

„Krone“: Thomas, am Donnerstag legt unser Eishockey-Team beim Österreich-Cup in Klagenfurt gegen Dänemark los. Wird man Dich jemals wieder im rot-weiß-roten Dress sehen?
Thomas Vanek: Ich denke, dieses Kapitel ist für mich geschlossen, das Team Geschichte. Teamchef Roger Bader macht einen wirklich guten Job, fördert die jungen Spieler. Das ist gut so und auch der richtige Weg.

„Krone“: Trotz des 2018 bei der A-WM geschafften Klassenerhalts bleiben die vielen Defizite im heimischen Hockey offensichtlich. Wie siehst Du die Situation?
Vanek: Ich habe schon vor 10, 15 Jahren gesagt, was falsch läuft. Dass wir die Liga von oben verändern wollen, mit dieser Punkteregel und so weiter. Doch wenn Du etwas verändern willst, musst Du unten, sprich im Nachwuchs beginnen.

„Krone“: Ein Weg, der zur Folge hat, dass die Liga nach wie vor mit Ausländern überflutet wird.
Vanek: Die Ausländer reduzieren und mehr Österreichern die Chance geben, klingt gut. Wenn ich aber nicht genug gute Österreicher für die Liga habe, habe ich ein Problem im Nachwuchs.

„Krone“: Was läuft da konkret falsch?
Vanek: In Österreich gehören die Spieler in jungen Jahren entwickelt, nicht erst mit 16, 17. Das ist das, was wir seit Jahren falsch machen: Wir investieren in Ausländer oben und weniger in den Nachwuchs unten. Das ist schade.

„Krone“: Verfolgst Du die österreichische Liga?
Vanek: Ja, durchaus. Dass die Grazer vorne liegen, ist gut, bringt mehr Fans in die Halle. Doch es ändert aus meiner Sicht nichts, ob sie nun Erster oder Zehnter sind. Sollten sie Meister werden, wird dann künftig mehr Geld in den Nachwuchs gesteckt? Ich glaube nicht. Das ist das Traurige daran.

„Krone“: Österreich wird im Eishockey oft mit der Schweiz verglichen.
Vanek: Wenn man die Schweiz ansieht, da kommen immer mehr Spieler in die NHL: Nico Hirscher war vor zwei Jahren der Nummer-1-Pick. Unglaublich, unvorstellbar. Das wäre für Österreich genauso möglich. Wenn man einen besseren Job im Nachwuchs machen würde.

„Krone“: Es wird auch Zeit für den nächsten Österreicher in der NHL…
Vanek: Marco Rossi könnte der Nächste sein, er ist auf einem guten Weg. Ich hatte aber gehofft, dass mehrere nachkommen. Roger Bader hat fürs österreichische Eishockey sehr gute Ideen - ich hoffe sie werden umgesetzt, mit guten Trainern. Das braucht dann Zeit, zehn, zwölf Jahre. Aber es würde sich bezahlt machen.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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