Sa, 25. Mai 2019
22.01.2019 15:39

Vater rettete ihn

Die irre Tsitsipas-Story: Als Kind fast ertrunken

Im Halbfinale der Australian Open kommt es zum Duell des langjährigen Stars Rafael Nadal mit dem aufstrebenden Publikumsliebling Stefanos Tsitsipas. Der Spanier und der Grieche gewannen am Dienstag beim „Happy Slam“ ihre Viertelfinali. Nadal setzte sich gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe 6:3, 6:4, 6:2 durch, Tsitsipas davor gegen den Spanier Roberto Bautista Agut 7:5, 5:6, 6:4, 7:6(2). Dass der 20-jährige Grieche überhaupt so eine Karriere hinlegt, hat er nicht zuletzt seinem Vater zu verdanken, der ihn vor Jahren vor dem Ertrinken gerettet hatte ...

Nadal setzte gegen Tiafoe eine unglaubliche Grand-Slam-Bilanz gegen US-Amerikaner fort. Seit einer Niederlage in der dritten Runde der US Open 2005 gegen James Blake hat er bei Majors 21. Partien in Folge gegen Spieler aus den USA gewonnen. Nadal steht nun zum bereits 30. Mal in der Vorschlussrunde einer der drei wichtigsten Tennis-Turniere, 17-mal der bisher 29-mal ging es für ihn weiter bis zum Titel.

Bis dahin ist es für Tsitsipas noch ein weiter weg, aktuell hat er auch nur den Moment genossen. „Es fühlt sich an wie ein Märchen. Das ist, wofür ich gearbeitet habe“, sagte er. Besonders zufrieden war er darüber, dass er an den Sieg über Idol Federer anknüpfen konnte. „Die größte Herausforderung war die Vorbereitung auf dieses Match. Ich bin froh, dass ich heute gut gespielt habe. Das zeigt, dass das kein Zufall war.

Zu sehr von den Gefühlen mitreißen lassen wollte sich Tsitsipas auch diesmal nicht, Kraft gibt ihm in Australien seine Familie. Nach dem Match gegen Bautista Agut erklärte er, wer außer Starcoach Patrick Mouratoglou in seiner Box saß: die kleine Schwester Elisavet, Bruder Petros, Vater und Trainer Apostolos und Mutter Julia, zu Sowjetzeiten eine Spitzenspielerin. Sein schon 1984 gestorbener Großvater Sergej Salnikow wurde 1956 Fußball-Olympiasieger - in Melbourne.

Kosmopolit Tsistipas, nach eigenen Worten ein stolzer Grieche, spricht auch Russisch, war früh in Europa unterwegs und dreht seit einiger Zeit Videoclips über seine Reisen, die er auf Youtube veröffentlicht. In seinem Siegerinterview bat er darum, seinen Kanal zu abonnieren - die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich angeblich binnen weniger Stunden. Tsitsipas‘ Siegeszug in Melbourne erinnert an das Jahr 2006, als der Zyprer Marcos Baghdatis, mit dem Tsitsipras befreundet ist, es dort bis ins Finale schaffte.

„Ich liebe Kino, Film und Fotografie“, verriet der 20-Jährige. Videos zu drehen entspanne ihn, wenn er sich schlecht fühle. „Ich verstehe dadurch, dass Tennis nicht das Wichtigste im Leben ist, dass wir andere Talente haben.“ Dazu trug auch ein einschneidendes Erlebnis bei: Sein Vater rettete ihn als Kind auf Kreta vor dem Ertrinken ...

Tsitsipas war damals mit einem Freund ins Meer zum Schwimmen gegangen und hatte die Situation völlig unterschätzt. „Es war sehr windig und es gab viele Wellen. Das Schwimmen war jedoch nicht verboten und so bin ich mit einem Freund ins Meer gesprungen. Dann habe ich plötzlich gemerkt, dass ich schon 50 Meter vom Ufer entfernt war und immer weiter hinaustrieb“, wird Tsitsipas von tennisnet.com zitiert.

„Ich habe versucht ans Festland zu schwimmen, aber es war unmöglich. Ich konnte wegen den vielen Wellen nicht mehr atmen und dachte, dass ich jetzt sterben werde.“ Tsitsipas‘ Vater Apostolos rettete ihn und seinen Freund vor dem Ertrinken und brachte die beiden an Land. Diese Erfahrung hat sein Leben komplett verändert: „All die Emotionen, die ich in diesem Moment gefühlt habe, haben mein Leben und die Sicht auf die Welt verändert.“

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