Innauer im Interview

Nordischer ÖSV-Direktor wäre mit 3 Medaillen zufrieden

Sport
08.02.2010 15:21
Vor vier Jahren in Turin lieferten Österreichs Skipringer und Kombinierer allein vier von neun olympischen Goldmedaillen. Vor den Spielen in Kanada stellt der Nordische Direktor im ÖSV, Toni Innauer, im Gespräch klar, dass diese Jahrhundertspiele für seine beiden Sparten für die Bewerbe im Whistler Olympic Park kein Maßstab sein dürften.

Die Olympia-Bilanz 2006 war mit vier Mal Gold und zwei Mal Silber so gut wie nie zuvor für Skispringen und Nordische Kombination. Wie sehen denn die Erwartungen des Nordischen Direktors vier Jahre später aus?
Toni Innauer: "Ich weiß sehr wohl, dass das damals ein Zusammentreffen aller günstigen Umstände war - mit tollen Teams. Das kann nicht der Maßstab sein. Das haben wir damals gewusst, das ist mir auch jetzt klar. Es reicht normal für zwei Olympische Spiele, was wir in Turin gewonnen haben. In Vancouver möchte ich zumindest drei Medaillen mit meinen zwei Teams erreichen. Das ist die Mindestanforderung, dazwischen ist nach oben hin viel Spielraum."

Die Skispringer haben die Saison bisher auch als Mannschaft dominiert, Gregor Schlierenzauer hat vor einem Jahr die Generalprobe in Whistler mit zwei Siegen für sich entschieden. Wäre eine Medaillenbilanz der Adler ohne Gold nicht eine enttäuschende?
Innauer: "Ja, das wäre nicht zufriedenstellend. Es ist schon so, wenn man das so lange dominiert, dass man dann natürlich auch anstrebt, eine Goldmedaille mitzunehmen von den Olympischen Spielen."

Was ist denn in der Vorbereitung das Hauptkriterium für die Spiele?Innauer: "Es ist ein Kriterium, dass man da drüben gut rein findet, sich schnell anpasst an die Situation und zu seinem Rhythmus kommt, so wie wir ihn beim Weltcup haben. Das ist entscheidend, das ist auch das Schwierige bei Olympischen Spielen. Vor allem in der Herangehensphase wie es heuer war mit den ganzen Turbulenzen im Olympischen Komitee (ÖOC-Anm.) und wir bis zum Schluss keine Handlungsmöglichkeit gehabt haben. Dadurch ist das Ganze viel gedrängter und viel mehr Unruhe drin als wie es normalerweise sein könnte."

Olympia hat eben auch in Sachen Organisation eigene Gesetze.
Innauer: "Es ist sehr viel Anpassungsarbeit zu leisten. Wir müssen neue Anzüge schneidern, weil es das (Internationale) Olympische Komitee verlangt. Es gibt manche Dinge, die die Dinge noch etwas aufschütteln in dem Glas. Es sind Kosten, es ist Arbeit, es ist Stress. Auch in der Quartiersituation, weil wir halt viel weniger Flexibilität haben als die Alpinen, die da beispielsweise durch die wechselnden Disziplinen mehr Spielraum haben in der Belegung. Wir sind an unsere Minimalquote gebunden."

Neben Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern ist auch der zweifache Goldene von Turin, Felix Gottwald, wieder am Start. Wie wichtig war seine Rückkehr für das gesamte Kombinierer-Team?
Innauer: "Das ist sicher für alle ein Gewinn, natürlich auch für einige ein Druck, weil sie im eigenen Lager einen haben, der in der Vergangenheit schwer erreichbar war. Mario hat das gut hingekriegt, hat sich gut entwickelt bis zum Schluss. Den Felix im Team zu haben, weil es ein sehr laufbetonter Wettbewerb ist, ist natürlich ein Vorteil. Das weiß jeder zu schätzen."

Auch mit Gottwald hängen die Trauben im Teambewerb für die Olympia-Siegermannschaft 2006 aber höher.
Innauer: "Da sind ein paar neue Nationen im Spiel: Weltmeister Japan, auch die Amerikaner. Das sind zwei zusätzliche Teams, die zu den Finnen, Norwegern und Deutschen dazugekommen sind, sodass man weiß: für die Mannschaftsmedaille - da musst du verdammt gut sein."

Gemeinsam mit den Biathleten haben die Nordischen gute Chancen, die Alpinen zu übertreffen. Wäre das eine besondere Genugtuung?Innauer: "Wir haben in Turin gleich viele Goldmedaillen geschafft, das war ein Highlight in der Geschichte der Spiele aus nordischer Sicht. Aber das ist ein unwichtiger Nebenschauplatz: Jede einzelne Sparte muss schauen, dass sie mit den eigenen Aufgaben so zurechtkommt, dass es passt."

Welche Erinnerungen verbinden Sie eigentlich ganz persönlich mit Kanada?
Innauer: "In Kanada war ich beruflich als Skispringer, als Trainer und Sportdirektor. Als wir den V-Stil das erste Mal umgesetzt haben - zum Entsetzen der Konkurrenz. 1995 war ich bei der WM als Sportdirektor. Im Urlaub war ich schon am Okanagansee 14 Tage mit der Familie. Einmal war ich mit Peter Schröcksnadel fischen in Smithers, das ist weit oben in British Columbia."

Sie sind seit Juni 1993 Nordischer Direktor im ÖSV: Wissen Sie eigentlich schon, ob es Ihre letzten Olympischen Spiele in dieser Funktion sein werden?
Innauer: "Nicht einmal das kann ich sagen. Ich kann nur sagen, dass es bis nach den Olympischen Spielen kein Thema ist. Was ich sagen kann, ist, dass am 15. März ein Buch von mir erscheinen wird. Es wird  heißen "Am Puls des Erfolgs", wo viele der Dinge, die man in der Tiefe nicht ansprechen kann, auch diskutiert werden."

Das ist aber kein Hinweis darauf, dass Sie damit auch ein Kapitel abschließen wollen?
Innauer: "Das ist noch kein Hinweis. Aber es ist ein Hinweis darauf, dass ich etwas zusammenfasse."

... um sich unter Umständen einer neuen Aufgabe zuzuwenden.
Innauer: "Das weiß man nicht."

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