28.12.2018 05:00 |

Kirchen-Affäre

Staatsanwalt ermittelt gegen Bischof und Vertraute

Die Affäre in der Diözese Gurk-Klagenfurt zieht immer weitere Kreise. Die steirische Justiz hat den ehemaligen Oberhirten von Kärnten und nunmehrigen Bischof von Niederösterreich, Alois Schwarz, und dessen enge Vertraute Andrea Enzinger im Visier. Geprüft wird der Verdacht der Untreue. Vor diesem Hintergrund muss nun Salzburgs Erzbischof Franz Lackner prüfen.

„Wir ermitteln auch gegen Dr. Alois Schwarz. Zwei Verfahren wegen des Verdachts der Untreue sind anhängig“, bestätigt Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, auf Anfrage der „Krone“. Ein Paukenschlag: Denn bisher war nur bekannt, dass im Zusammenhang mit der Kirchen-Affäre von Kärnten gegen Andrea Enzinger (53) ermittelt wurde. Die aus Salzburg stammende gelernte Volksschullehrerin und Expertin für Erwachsenenbildung gilt als so enge Vertraute von Schwarz, dass sie in Kärnten als „Schattenbischöfin“ bezeichnet wurde.

Dienstvertrag wird zum Problem für den Bischof

Der Kardinalvorwurf: Schwarz wurde mit 1. Juli als Bischof nach St. Pölten versetzt. Zuvor verlängerte er noch Enzingers Vertrag als Leiterin des diözesanen Bildungshauses in St. Georgen am Längsee um weitere sechs Jahre.

Enzingers Gehalt: 91.000 Euro im Jahr, dazu sollte sie noch eine Dienstwohnung und einen Dienstwagen erhalten. Der Haken: Finanzielle Verpflichtungen über 80.000 Euro müssen vom Vermögensverwaltungsrat der Diözese bewilligt werden. Und eine solche Bewilligung liegt nicht vor. Das ergab auch ein Prüfbericht, den der Kärntner Diözesan-Administrator Engelbert Guggenberger wenige Tage vor Weihnachten veröffentlichte. Formal war Enzinger aber auch nicht bei der Diözese sondern bei der ausgelagerten Stiftung der Heiligen Hemma angestellt.

Schattenbischöfen zog vor das Arbeitsgericht

Dennoch will die Staatsanwaltschaft wissen, wie Enzingers Dienstvertrag zustande kam. Sie wurde Ende August gekündigt, zog vor das Arbeitsgericht und einigte sich mit der Diözese, dass sie noch bis Ende März bezahlt wird. „Der Prüfbericht wird nun beigeschafft und auf Anhaltspunkte überprüft“, so Staatsanwalt Bacher. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem Bischof und der Schattenbischöfin bei einem Schaden von mehr als 5000 aber weniger als 300.000 Euro bis zu drei Jahre Haft.

Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, muss nun als Apostolischer Visitator die Affäre in Kärnten im Namen des Papstes prüfen. Sein Bericht geht direkt an die Bischofskongregation im Vatikan. Die Staatsanwaltschaft Graz dürfte aber eine Kopie anfordern. Bacher: „Wenn der zuständige Referent die Unterlagen benötigt, wird er das sicher tun.“

Lackner beginnt Mitte Jänner mit der Visitation. Enzinger meidet die Öffentlichkeit und war für die „Krone“ nicht erreichbar. Für sie und Bischof Schwarz gilt die Unschuldsvermutung.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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