22.12.2018 09:01 |

Wichtige Tipps

Wie wir den Wildtieren im Winter helfen können

In Teilen der Steiermark liegt derzeit Schnee, in den anderen Regionen wird er früher oder später auch sicher wieder kommen, es beginnt die für die heimischen Jäger arbeitsintensive Zeit der Wildfütterung. Die wichtigsten Fragen zu diesem Thema beantwortet uns der steirische Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof.

Warum werden in der Steiermark Wildtiere gefüttert? Kritiker meinen ja, Jäger züchten sich damit nur ihre Trophäen heran.

„Das ist völlig absurd. Im Wesentlichen wird aus drei Gründen gefüttert: Natürlich aus menschlichem Mitgefühl heraus, weil man Lebewesen nicht verhungern lassen will. Um zu vermeiden, dass sie ihren Hunger anderswo stillen, an Bäumen oder landwirtschaftlichen Kulturen, was Schäden bedeuten würde. Und auch um sie dorthin zu lenken, wo sie im Einklang mit anderen Interessen ruhige Winterlebensräume nutzen dürfen.“

Das sind Wildtiere, können die nicht grundsätzlich alle Wälder nutzen?

„Das ist ein weitverbreiteter Irrglaube und gilt schon lang nicht mehr. Auch in der Steiermark, wo der Lebensraum noch ein verhältnismäßig großer ist, ist ein Viertel der Fläche als ,rotwildfreie Zone‘ ausgewiesen. Gerade für große Pflanzenfresser wird es immer enger. In Bayern etwa darf das Rotwild nur noch auf 14 Prozent der Landesfläche leben. In Europa hat es unglaubliche 90 Prozent seiner einstigen Verbreitungsgebiete verloren. Wenn wir den Tieren schon so viel wegnehmen, ist wenigstens die Fütterung ein Notnagel.“

Was macht der Mensch falsch, wo stört er?

„Der Straßenbau durchkreuzt immer mehr Lebensräume. Es wird auch immer mehr und immer höher hinauf gebaut. Mensch wie Wildtier suchen im Winter die Sonne, die beliebtesten Bauplätze, ob für private Häuser oder für Skihotels, liegen auf der Sonnseite. Wenn der Mensch die schönsten Plätze besetzt muss das Tier in die zweite Reihe, höher hinauf, in den Schatten. Dort ist es kälter, dort gibt es wenig.“

Kommt es da immer wieder zu Zwischenfällen?

„Ja, immer wieder verhungern Tiere. Bilder aus Kärnten aus dem Vorjahr sind uns in tragischer Erinnerung: Vor Hunger geschwächtes Rotwild wurde durch Autobahnzäune daran gehindert, zu seinen angestammten Futterplätzen zu gelangen. Viele Tiere fanden ihr qualvolles Ende an den von Menschenhand errichtetet Barrieren.“

Was fressen Wildtiere - und welche füttert man?

„Bei uns werden auch Rehe oder Niederwild wie Rebhuhn, Fasan oder Hase gefüttert. Über die Futtermittel ist lange geforscht worden. Es muss für Wiederkäuer tauglich sein, die Grundlage ist gutes Heu, das möglichst aus der Region und von Wildwiesen kommt. Viele Jäger stellen auch selbst hochwertige Pellets her. Es hilft aber die beste Fütterung nichts, wenn es nicht auch Schutz und Deckung für die Tiere gibt. Wintersaaten, Raps- oder Senfsaaten, Sonnenblumen und Mais, die über den Winter stehen bleiben, sind ideal. Hecken oder Blühstreifen tragen zu einem Landschaftsbild bei, wo sich nicht nur Wildtiere, sondern wir alle uns wohlfühlen. Da sind die Landwirte gefordert.“

Ist Ruhe auch ein wesentlicher Faktor, damit ein Wildtier den Winter überlebt?

„Eigentlich der wichtigste! Ein gesundes Tier setzt im Sommer Fettreserven an, von denen es in der kalten Jahreszeit zehrt. alles steht und fällt mit ruhigen Überwinterungsräumen, wo nicht viel Energie verbraucht wird. Das Wild läuft auf Sparflamme. Muss es also flüchten, verbraucht es viel zu viel Energie, was sogar zum Tod führen kann! Menschen sollten unbedingt Futterstellen weitflächig meiden, das Wild in Ruhe lassen. Vorfälle, in denen Leute auf Mountainbikes oder Skiern Wild regelrecht verfolgen, mehren sich in letzter Zeit. Um im Schnee flüchten zu können braucht das Wild sämtliche Energie, dieses gedankenlose ,Vergnügen‘ von Menschen kann ihr Tod sein.“

Was kann der Private für Wildtiere tun?

„Was Rehe und Co. betrifft, die Fütterung, die sehr speziell ist, bitte den Profis überlassen. Gerne kann man dem zuständigen Jäger aber Hilfe anbieten, das ist sehr nett. Keinesfalls Torten oder anderes Süßes in den Wald schmeißen, wie es schon vorgekommen ist, so eine falsch verstandene Tierliebe kann das Wild umbringen. Und im privaten Bereich für saubere, katzengeschützte und mit ständig verfügbarem Futter ausgestattete Stellen sorgen. Damit ist vielen Lebewesen im Winter sehr geholfen.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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