So, 16. Dezember 2018

Bildgewaltiges Remake

14.11.2018 09:00

„Suspira“: Tanzschule als mysteriöser Hexenzirkel

Dem größeren Publikum ist der Regisseur Luca Guadagnino spätestens nach seiner prämierten Verfilmung des Romans „Call Me By Your Name“ bekannt. Jetzt hat sich der Italiener mit einem Traum-Cast - unter anderem Tilda Swinton, Dakota Johnson und Chloë Grace Moretz - an den erfolgreichen Kassenschlager und Horrorfilm „Suspiria“ von Dario Argento gewagt. Wir waren für Sie beim Vorab-Preview der Viennale - Adabei.tv fing hier einen sehr intimen Moment zwischen Tilda Swinton und dem Publikum ein.

Wie fast jeder gute Horrorfilm beginnt dieser „Sechsakter mit Epilog“ in dem Büro eines Psychotherapeuten. Hier lernen wir, was kiloweise Make-up und ein deutscher Akzent aus Tilda Swinton machen können, und beginnen Patricia (Chloë Grace Moretz, „Kick-Ass“), eine der Tänzerinnen aus der Ballettschule, kennenzulernen. Schon in diesen kurzen Szenen erkennen wir dank der eindringlichen Dialoge die Hauptthemen des Films - Mutterschaft, Machtmissbrauch und Schuld. Von dort aus folgt der Zuseher der jungen Mennonite Susie Bannion (Dakota Johnson, „Shades of Grey“-Trilogie), die in Helena Markos Berliner Tanzensemble - die zweite von drei Rollen, die Tilda Swinton hier spielt - aufgenommen wurde und dort nach und nach tiefer in die ritualhaften, dunklen Geschehnisse, die sich dort abspielen, verwickelt wird.

Es braucht keine roten Schuhe, um zu tanzen, bis man stirbt
Es braucht nur eine gute Tanzlehrerin. Gleich am Anfang überrascht Susie mit einer Tanzperformance und fasziniert folgt man ihren Schritten, während im Hintergrund eine ihrer Kolleginnen versucht, ihr synchron zu folgen, und sich immer mehr windet und verrenkt. Es sind Szenen wie diese, die durch den Schnitt und den Rhythmus vergessen machen lassen, dass der Film 152 Minuten lang ist und aufgrund des Talents der Tänzerinnen ohne Computeranimationen auskommt. Natürlich möchte man als Zuseher bald wissen, was es mit dem mysteriösen Hexenzirkel auf sich hat und woher manche der Frauen ihre Kräfte ziehen. Man sucht verzweifelt nach Anzeichen des Verrates und folgt wie einem großartigen Thriller den Charakteren weiter in den Kaninchenbau.

Die Farbpalette erinnert an Körperflüssigkeiten und dunkle Höhlen
Es ist der Kameraführung von Sayombhu Mukdeeprom zu verdanken, dass der Zuseher sich mit einer Reihe an Bildern konfrontiert sieht, die in ihrer Körperlichkeit fast schon erschreckend sind. Horror-Liebhaber sind es gewöhnt, mit Blut konfrontiert zu werden, aber in diesem Film sind es eindrückliche Stillleben von engen Treppenaufgängen und skeletthaften Wänden voller Spiegel, die an die Leinwand fesseln. Radiohead-Sänger Thom Yorke, der für die Musik zuständig war, lockt uns mit wunderschönen Tönen in die Welt dieser Ballettschule, nur um uns wieder aus dem Takt zu bringen und die Musik schrill und laut zu setzen, wenn wir es am wenigsten erwarten.

Schon im Vorabgespräch mit Tilda Swinton auf der Bühne wird erklärt, dass der Film sich nicht als Neuverfilmung versteht, sondern mehr als neuer Anlauf. Als Hommage. So entdeckt man viele Querverweise auf die sogenannte Muttertrilogie wie auch bekannte Gesichter des Originals. So spielt Jessica Harper, die in dem Film von 1977 die Rolle der Suzy Bannion verkörperte, auch hier einen wichtigen Part. Dieser Film eignet sich hervorragend für Freunde von Horrorstreifen à la The Witch und jeden, der beim Gruseln lieber auf Geschichte und Atmosphäre als auf Blutspritzen setzt.

Suspiria läuft ab 15.11.2018 in den österreichischen Kino.

Anna Krupitza
Anna Krupitza

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