06.11.2018 14:19 |

Kritik an Airbnb

600 Euro für eine Nacht im knallgelben Auto-Haus

Wohnung gesucht? Für eine Nacht? Auf der Online-Plattform „Airbnb“ wird wirklich jeder fündig. Die Angebote reichen von der günstigen Garçonnière bis hin zur luxuriösen Nächtigung im Franziskischlössl am Kapuzinerberg. Die „Krone“ zeigt, dass die Internet-Hotels eine Ursache für die Wohnungsnot in Salzburg sind.

„Entdecke Privatzimmer und gesamte Unterkünfte, die sich perfekt für jede Art von Reise eignen.“  Dieses Fenster ploppt direkt auf, wenn Gäste auf die Homepage von Airbnb gehen.

Ein Fallbeispiel: Sucht ein Erwachsener ohne Kinder in Salzburg eine Unterkunft  im Zeitraum von Freitag, 9. November bis Sonntag, 11. November, spuckt die Plattform innerhalb von Sekunden insgesamt 234 Angebote aus. Die Preise  liegen zwischen 23 (ein „L5“-Haus beim Messezentrum) und 600  Euro pro Nacht. Bei dem Teuren handelt es sich um ein riesiges Haus in Form eines Autos in Obertrum mit  vier Schlafzimmern, sechs Betten und drei Badezimmern!

Die gesetzlichen Lücken stoßen Tini Gmachl, die seit dem Frühjahr 2014  das „Altstadthotel Weisse Taube“ in der Salzburger Kaigasse führt, bitter auf.  Sie ist, wie die Unternehmerin selbst sagt, in der glücklichen Lage, ihren Betrieb mit 31 Zimmern in bester Lage inmitten der Stadt führen zu können. Somit ist die Plattform Airbnb als Konkurrent für Tini Gmachl und ihr sechsköpfiges Team nicht spürbar. Das große Aber: „Wir Wirte müssen im Gegensatz zu den Privatvermietern Steuern beziehungsweise pro Kopf eine Ortstaxe abgeben. Das finde ich nicht okay.“

Ihre größte Befürchtung ist, dass in den nächsten Jahren gute Mitarbeiter, die ohnehin schon schwer zu finden sind, gänzlich wegfallen und viele Hoteliers auf Airbnb umstellen. Schließlich kommt die Privatvermietung gänzlich ohne Rezeptionisten und Frühstücksservice aus. Schon in ihrem Bekanntenkreis befürworten einige das Modell, speziell die Bewertungsfunktion sei hilfreich. Eine rasche Gesetzesänderung sei unabdingbar, „nur wie ist die Frage“, so Gmachl.

Auch Hotels am Stadtrand  betroffen

Alexandra Hasenöhrl, die gemeinsam mit ihrer Mutter Gertraud das „Hotel Himmelreich“ in Wals-Siezenheim führt, spricht sich klar gegen den Community-Marktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften aus. „Wie man aus der ,Krone’ erfahren hat, sind sogar Luxus-Herbergen betroffen. Auf kurz oder lang wird es jeder  in diesem Segment  negativ zu spüren bekommen. Es ist schwer zu sagen, wie viel wirklich über Airbnb läuft“, kritisiert die Hotel-Chefin.

Das Thema sorgt aktuell bei den Stammtischrunden für Diskussionen. „Einige bekennen ganz offen, dass sie ihre Wohnungen über Airbnb anbieten. Da sind sie bei mir aber an der falschen Adresse. Fremde Menschen privat zu beherbergen, ist gegenüber den Gewerbetreibenden unkorrekt. Als Unternehmerin finde ich es unfair, dass nur wir hohe Auflagen erfüllen müssen - von der Brandschutztechnik über die Bezahlung der Mitarbeiter bis hin zur Ortstaxe“, fordert Hasenöhrl schärfere Kontrollen.

Zahlreiche Städte beschränken  Angebot

Indes ist es so weit, dass etliche Städte das Airbnb-Angebot beschränken.

  • In Palma de Mallorca dürfen seit diesem 2018 keine Privatwohnungen mehr an Touristen vermietet werden.
  • Amsterdam beschränkt die Vermietung von Wohnungen auf 60 Tage im Jahr.
  • Berlin erlaubt 90 Tage, überdies müssen sich Gastgeber registrieren lassen.
  • „In Salzburg arbeiten wir gerade an einer Gesetzesänderung“, sagt Vizebürgermeister Bernhard Auinger.
Sandra Aigner
Sandra Aigner
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