Mi, 17. Oktober 2018

Neu im Pavelhaus

23.09.2018 20:27

Post von drüben: Alte Ansichten der „Štajer-mark“

Postkarten sind die SMS des vordigitalen Zeitalters. In wenigen Worten erzählen sie nicht nur private Geschichten, sondern auch regionale Geschichte. Zum Beispiel von der einstigen Untersteiermark, die bis 1918 zweisprachig war. Im Pavelhaus in Bad Radkersburg läuft dazu seit Samstag eine spannende Ausstellung.

Steiermark oder Štajerska, Schleinitz oder Slivnica, Graz oder Gradec, Pettau oder Ptuj: Die Sprachen stehen kreuz und quer auf den Postkarten aus der einstigen Untersteiermark - so kreuz und quer, wie das Deutsche und das Slowenische im Alltag der Steirer durcheinanderklangen. Deutsch war vorwiegend die Sprache der Städte; Slowenisch eher die Sprache der Landbevölkerung. Am besten beraten waren all jene, die beides beherrschten.

Bis vor genau 100 Jahren Schluss war: Damals zog das Ende des Ersten Weltkriegs eine Grenze durch die Steiermark, die Höfe, Weinberge und Pfarren zerschnitt - und eben auch die Sprachen nach und nach klar trennte.

Postkarten machen Zweisprachigkeit sichtbar
Umso wertvoller sind heute alte Postkarten als Boten einer Zeit, in der Sprache und Nation noch nicht so wichtig waren. Sie machen die Zweisprachigkeit der „Štajer-mark“ sichtbar.

Das Institut für Slawistik der Uni Graz hat sich durch Tausende dieser Archivschätze gewühlt. Der Leiter dieses Forschungsprojekts, Slawist Heinrich Pfandl, hat gemeinsam mit den Historikerinnen Karin Almasy und Eva Tropper die spannendsten Exemplare für eine Ausstellung im Laafelder Pavelhaus ausgewählt. Pfandl: „Die Karten sind eine wichtige Quelle zur slowenischen Sprache am Ende der Monarchie. Von einigen lassen sich richtige Mini-Dramen ablesen.“

„Im Schweigen aufgewachsen“
Ins Auge stechen neben vielen kolorierten Schmuckstücken auch die Rückseiten der Karten, die Einblicke in den Alltag der Leute geben. „Zweisprachigkeit war in der damaligen Untersteiermark eher die Regel als die Ausnahme“, erklärt Kuratorin Karin Almasy. Und Kollegin Eva Tropper, die selbst nahe der Grenze aufgewachsen ist, erinnert sich: „Wir sind im Schweigen aufgewachsen, was unsere gemeinsame Geschichte betrifft. Es scheint an der Zeit, daran etwas zu ändern.“

Die Schau „Štajer-mark - der gemeinsamen Geschichte auf der Spur“ läuft bis Anfang März 2019 im Pavelhaus, Laafeld 30, Bad Radkersburg. Details: www.pavelhaus.at.

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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