Mi, 19. September 2018

Und lehnt alle ab

05.09.2018 11:51

Auf Airport gefangener Syrer erhält Heiratsanträge

Hassan Al-Kontar wohnt seit März in einem Transitbereich des Flughafens in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. Der Syrer macht dies jedoch nicht freiwillig: Der 36-Jährige, der 2006 aus seiner Heimat in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgewandert war, sollte für den Kriegsdienst eingezogen werden. Doch Al-Kontar wollte nicht Teil der „Tötungsmaschinerie“ des syrischen Regimes sein. Nun hat er Probleme, ein Visum für ein anderes Land zu bekommen. Die vielen Heiratsanträge, die der attraktive Gestrandete bekommt und die ihm helfen würden, den Flughafen zu verlassen, will er nicht annehmen.

Der Fall erinnert an den Hollywood-Film „Terminal“: So wie Tom Hanks, der darin die Hauptrolle spielt, ist Al-Kontar ein Gefangener der Bürokratie und hängt an einem Flughafen fest. 

Syrer will kein „Teil der Tötungsmaschinerie“ sein
Angefangen hatten die Probleme, als 2011 der Krieg in Syrien ausbrach, während Al-Kontar in den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitete. Er sollte Kriegsdienst leisten. „Ich weigerte mich, weil ich keinen klaren Feind erkennen konnte“, erklärt der Syrer im Gespräch mit dem Magazin „Vice“. „Das ist nicht der Grund, warum ich geboren worden bin. Das ist nicht meine Existenz. Ich habe mich geweigert, ein Teil der Tötungsmaschinerie zu sein, um mein eigenes Heim zu zerstören. Ich habe mich wie Tausende andere Syrer geweigert.“

Als 2012 sein Reisepass ablief, konnte er keinen neuen beantragen - ohne Wehrdienst keine Reisedokumente. Seinen Job verlor der Syrer dadurch ebenfalls. 2017 wurde er ohne gültige Dokumente erwischt. Durch einen ehemaligen Arbeitskollegen gelangte er schließlich doch an einen Pass und entging einer Haftstrafe.

Als man ihn in seine Heimat zurückschicken wollte, flüchtete Al-Kontar nach Malaysia, wo er erst bei seiner Anreise um ein Visum ansuchen konnte. Nach drei Monaten hatte er keine Arbeit gefunden und wollte Malaysia verlassen. Als dieser Versuch aufgrund von bürokratischen Hürden verhindert wurde, strandete er schließlich heuer im März im Transitbereich des Flughafens in Kuala Lumpur. Verlässt er diesen, könnte er abgeschoben werden. Seit sechs Monten führt er ein fast normales Leben auf dem Flughafen, das er witzig auf Instagram festhält: Er schneidet sich die Haare, strickt sich einen Schal, führt sein „Haustier“, ein Spielzeugtier, aus.

Zahlreiche Frauen boten dem Syrer eine einfache Lösung an: Beinahe täglich wird ihm eine Heirat angetragen. Er kann sich vor Anträgen kaum retten: „Gestern kam einer aus Miami“, so Al-Kontar. „Es gibt welche aus Australien, Amerika, Kanada, der EU und sogar aus Tahiti und den Malediven … jede Menge!“, so der 36-Jährige.

Doch diese lehnt er ab: „Das ist Betrug! Aber es ist der einzige Weg, wie sie helfen können, und sie wollen Hilfe anbieten, was eine tolle Sache ist.“ Die wohl letzte Chance, die Al-Kontar bleibt, ist eine Online-Petition, die den Migrationsminister von Kanada auffordert, den Syrer ins Land zu lassen. Dort könnte er eine Frau finden, die ihn nicht nur aus Mitleid heiraten möchte …

 krone.at
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