So, 23. September 2018

Facebook, Twitter & Co

23.08.2018 12:19

USA: IT-Riesen kämpfen vehement gegen Propaganda

Nur wenige Monate vor den US-Repräsentantenhauswahlen gehen die großen US-Technologiekonzerne Facebook, Google und Twitter verstärkt gegen Falschinformationen in ihren Netzwerken vor. Zeitgleich sperrten die drei Unternehmen Hunderte von Nutzerkonten, über die weltweit Propaganda zugunsten des Iran betrieben worden sein soll.

Facebook ging zusätzlich noch gegen eine Kampagne vor, deren Hintermänner von der US-Regierung in der Vergangenheit mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gebracht wurden. Ein Sprecher des russischen Präsidialamts erklärte, die Hintergründe für solche Aussagen nicht zu verstehen. Es scheine sich um eine Wiederholung vorangegangener Vorwürfe zu handeln. In Washington wird die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf vor zwei Jahren weiterhin untersucht. 13 Russen wurden bereits angeklagt. Bekannt ist, dass damals Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen rund 126 Millionen Facebook-Mitglieder erreichten.

„Es ist nicht nur Russland allein“
Im Mittelpunkt der jüngsten Aktivitäten stand allerdings der Iran. „Es zeigt, dass es nicht nur Russland allein ist“, sagte Analyst Lee Foster vom IT-Sicherheitsanbieter FireEye, der zuerst auf die Iran-Propaganda aufmerksam wurde. In diesem aktuellen Fall soll seit vergangenem Jahr eine groß angelegte Medienkampagne aufgebaut worden sein, um die Interessen des Iran zu verbreiten. Dafür wurden falsche Nachrichtenplattformen aufgebaut, die teils existierenden Internetseiten nachempfunden waren, und Konten eröffnet, die Iranern zugeordnet wurden. Einige Domains sollen bereits vor vier bis fünf Jahren registriert, aber lange nicht genutzt worden sein. Wer genau hinter den Aktivitäten steht, ist FireEye zufolge bisher unklar.

Die Propaganda zielte nach den Erkenntnissen von FireEye auf Nutzer in den USA, Großbritannien, Lateinamerika und dem Nahen Osten ab. Die verbreiteten Inhalte seien „anti-saudisch, anti-israelisch und pro-palästinensisch“ gewesen und hätten beispielsweise den Atomdeal zwischen den USA und dem Iran gestützt. Als Beispiele wurden ein gefälschtes Video von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un genannt, in dem sich beide umarmen, sowie eine Zeichnung, die zeigt, wie ein israelischer Soldat einen Palästinenser hinrichtet. Vertreter des Iran bei den Vereinten Nationen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Twitter löschte 284 Konten
Twitter gab bekannt, insgesamt 284 Konten gelöscht zu haben und sprach von einer „koordinierten Manipulation“. Die Google-Mutter Alphabet war zunächst nicht erreichbar. Es ist nicht bekannt, wie viele Konten bei Google Plus und YouTube gesperrt wurden.

Facebook entfernte 254 Seiten und 392 Konten von dem gleichnamigen Netzwerk wie auch von Instagram. Einige der Seiten hätten hunderttausende Follower gehabt. Häufig seien die Hashtags #lockhimup, #impeachtrump sowie #notmypresident eingesetzt worden. Facebook zufolge zahlten die Konten rund 12.000 Dollar (10.432,97 Euro) für Werbung. Das US-Finanzministerium sei informiert, da damit möglicherweise gegen Sanktionen verstoßen wurde.

Die Konten, die Facebook im Zusammenhang mit der russischen Kampagne entfernte, beschäftigten sich dem Unternehmen zufolge mit politischen Vorgängen in Syrien und der Ukraine. Es gebe zwar keine Verbindungen zu der Iran-Propaganda, allerdings ähnelten sich die Aktivitäten. Im vergangenen Monat hatte Facebook 32 Seiten und Konten im Zusammenhang mit einer weiteren Medienkampagne gelöscht, die laut US-Abgeordneten wahrscheinlich eine Verbindung zu Russland hatte.

Sorgen vor Wahlbeeinflussung wachsen
Obwohl laut FireEye die Kampagne nicht gezielt auf die US-Wahlen im November ausgerichtet war, nehmen die Sorgen vor einer Beeinflussung der US-Wähler zu. Microsoft hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass Hacker versuchten, Nutzerinformationen von US-Politikern und Mitgliedern von rechtskonservativen US-Denkfabriken abzugreifen. Die Angreifer haben dem US-Konzern zufolge Verbindungen zur russischen Regierung. Diese wies dies zurück. FireEye erklärte, die nun aufgedeckte Iran-Propaganda könne darauf hindeuten, dass künftig stärker auf die US-Politik Einfluss genommen wird.

Der republikanische Senator Richard Burr, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, erklärte, „Ziel dieser ausländischen Kampagnen“ sei es, „Zwietracht zu säen“. Außerdem sei klargeworden, dass Russland dabei „nicht der einzige Akteur“ sei. Angesichts dieser Bedrohungen müssten „die Unternehmen, die Ordnungskräfte, der Kongress und die Geheimdienste zusammenarbeiten“.

 krone.at
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