Di, 20. November 2018

„Es ist die Hölle“

14.08.2018 18:34

Genua-Drama: Verzweifelte Suche nach Vermissten

Drama in der italienischen Hafenstadt Genua: Beim Einsturz einer Autobahnbrücke sind am Dienstag mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen und 16 weitere verletzt worden. Es sei zu befürchten, dass die Zahl weiter steige, sagte der italienische Vizeverkehrsminister Eduardo Rixi. Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen der Stadt war gegen Mittag auf einer Länge von rund 200 Metern eingestürzt und hatte dabei Autos und Lastwagen mit in die Tiefe gerissen. Die Rettungskräfte sind derzeit noch immer im Großeinsatz. Retter suchten mit Hilfe von Spürhunden nach weiteren Verschütteten. 

Auf Bildern waren von tonnenschweren Trümmern zerquetschte Fahrzeuge zu sehen. Die Morandi-Brücke auf der Autobahn A10, der berühmten Urlaubsverbindung „Autostrada dei Fiori“, stürzte in mehr als 40 Metern Höhe auf einem zwischen 100 und 200 Meter langen Stück ein. „Es ist die Hölle“, zitieren Medien Rettungskräfte, die zu Hunderten und mit schwerem Gerät nach Verschütteten suchen. Sie fanden Tote, aber auch Überlebende.

Elf Überlebende geborgen
Elf Überlebende seien aus den Trümmern geborgen worden, sagte Bürgermeister Marco Bucci dem Fernsehsender SkyTG24.In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude evakuiert. Drei Krankenhäuser in Genua wurden in Alarmbereitschaft versetzt. 

Brückenteile prallten auf den Erdboden
Viele Anwohner seien mit angsterfüllten Augen und geschockt in Krankenhäuser gekommen. „Wir haben das Einstürzen der Struktur gesehen und dann einen ersten Lastwagen, der nach unten flog“, zitiert „La Repubblica“ einen von ihnen. Die Brückenteile prallten mit großer Wucht auf den Erdboden. Das größte Stück ist in den Polcevera-Fluss gefallen, einige Teile trafen auch Fabrikhallen. Laut Einsatzkräfte sei es ein Glück, dass gerade Ferienzeit ist. Im August stehe Italien still. Laut Zivilschutz dürfte in den Hallen so gut wie niemand an der Arbeit gewesen sein.

Schlug ein Blitz in die Autobahnbrücke ein?
Überlebende des Unglücks berichten der Nachrichtenagentur Ansa: „Gegen halb zwölf haben wir einen Blitz in die Brücke einschlagen sehen - und dann stürzte die Brücke in sich zusammen.“ Ein Reporter der Zeitung, Matteo Pucciarelli, zeichnet von der Unglücksstelle ein apokalyptisches Bild: „Als wäre eine Bombe in diese wichtige Arterie eingeschlagen.“ Es seien viele weiße Laken zu sehen, Körper würden aus Autos gezogen. Es ist von etwa 50 Autos und Lastwagen die Rede, die im Moment des Einsturzes auf der Straße unterwegs waren.

Zum Zeitpunkt der Tragödie waren nach Angaben der Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange. Wie das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polcevera-Viadukts gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden. Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden, teilte das Unternehmen weiter mit.

„Es wird zu wenig Geld in die Instandhaltung gesteckt“
Nach dem Unglück wurden in den italienischen Medien erste Vorwürfe laut: Es werde zu wenig Geld in die Instandhaltung gesteckt - aber auch Korruption, Misswirtschaft und Vernachlässigung seien im Spiel. Der neue Verkehrsminister Danilo Toninelli beklagte im Radio, es sei nicht genug für die Instandhaltung getan worden. „Es sind Tragödien, die in einem zivilisierten Land wie Italien nicht passieren dürfen.“

Minister schließt Bauarbeiten an Brücke als Ursache für Unglück aus
Toninelli schloss aber aus, dass Bauarbeiten an der Brücke Grund für den Einsturz seien. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sagte, der Staat werde alles unternehmen, um den Familien der Opfer zu helfen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini sagte, er werde alles dafür tun, die Verantwortlichen für das Unglück ausfindig zu machen. „Es ist nicht akzeptabel, auf diese Weise in Italien zu sterben.“ Er selbst habe die Brücke „hunderte Male“ überquert.

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