Mi, 19. September 2018

Serie Tier Talk

15.08.2018 06:50

Marlene Bienert: Therapie bei Angsttieren

Marlene Bienert ist „Dolmetscherin der Tiere“ und kommuniziert seit ihrer Kindheit mit Vierbeinern. So kann sie auch vielen ängstlichen Tieren und ihren Besitzern helfen.

Mehr als 100 Anfragen von „Krone“-Lesern erreichten Marlene Bienert nach unserer Reportage über ihre Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren. Das Interesse an ihrer Arbeit ist riesig – sei es die Kontaktaufnahme mit vermissten Tieren oder Themen wie Unsauberkeit, Aggression und Ernährungsgewohnheiten. Ein besonders verbreitetes Problem im Zusammenleben zwischen Mensch und Tier sind auch Ängste – sie können Hund, Katz und Co. das Leben schwermachen. Tritt Marlene Bienert mit den Vierbeinern ins Gespräch, vermag sie als „Dolmetscherin der Tiere“ die Lösungsfindung zu erleichtern.

„Asha“ hatte nach Notbremsung Angst
Der sympathische Urologe Dr. Michael Dobrovits kann ein Lied davon singen: Er wollte seiner dreijährigen Rhodesian-Ridgeback-Hündin unbedingt dabei helfen, ihre Ängste vor dem Autofahren zu besiegen. Die Vorgeschichte: „Asha“ kam mit 8 Wochen in das Haus der Familie Dobrovits. Der Mediziner und seine Frau kümmern sich seither rührend um den Hund, für den auch Autofahren kein Problem darstellte. Bis es zu einer Notbremsung kam. „Asha“ blieb zum Glück unverletzt, trug aber ein Trauma davon und hatte furchtbare Angst, wenn es galt, in das Fahrzeug zu steigen. „Tierflüsterin“ Marlene Bienert trat mit der Hündin in Kontakt – und übersetzte ihren besorgten Haltern: „Sie mag besser abgesichert sein. Weil sie Angst vor Kurven, hohem Tempo und Bremsungen hat.“

„Meine Arbeit braucht Zeit, Ruhe und Geduld!“
Tatsächlich haben viele Hunde ein Problem mit Autofahrten, was sich in Übelkeit oder Panikattacken äußern kann. „,Asha‘ sagte mir, dass sie ihren Menschen durchaus vertraut, aber sich beim Mitfahren ausgeliefert und hilflos fühlt. Sie beschrieb ihr Gefühl wie seekrank zu sein“, schildert Marlene Bienert den Austausch mit dem Rhodesian Ridgeback. Die verschüchterte Hündin verliert also im Auto laufend ihre Balance, weil sie hin- und hergezogen wird. Dazu kommt, dass „Asha“ die Orientierung fehlt – auch us dem Fenster zu schauen würde ihr nicht mehr Sicherheit geben, weil sie das, was da draußen passiert, nicht mit den Bewegungen des Autos verknüpfen kann. Mit den Ergebnissen konfrontiert, ersetzte ihr Besitzer das Hunde-Gurtsystem im Audi kurzerhand durch eine Box. Behutsam – und mit vielen Leckerlis – wurde „Asha“ (der Name bedeutet „Leben“) an diese gewöhnt. Und sogar die musikalische Untermalung wurde geändert. Statt Pop- und Rock-Klängen spielt es jetzt klassische Stücke von Beethoven und Mozart. Und tatsächlich: Seither ist „Asha“ die perfekte „Beifahrerin“.

Doch wie schafft es Marlene Bienert eigentlich, mit Tieren in Kontakt zu treten? Wichtig sind Informationen zum Tier und ein gutes Foto, auf dem es in die Kamera schaut. Laut der Tierfreundin besteht die telepathische Sprache von Vierbeinern vereinfacht ausgedrückt aus Gefühlen, Bildern, Filmen, Gerüchen, Geschmack oder Geräuschen. Bienert versteht sich als Tierdolmetscherin: „Ich übersetze das, was Tiere ihrem Menschen mitteilen wollen.“ Ihre eigenen Emotionen sind dabei fehl am Platz: „Natürlich bin ich voll auf Empfang, aber ich sehe mich als leeres Blatt Papier, auf das die Tiere schreiben.“ Das kostet sie mitunter viel Kraft, doch „ganz egal, worum es geht, die Offenheit der Tiere und das grenzenlose Vertrauen, das sie mir schenken, berühren mich zutiefst“.

„Otto“ - Wecker auf vier Pfoten
Marlene Bienert half „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner bereits, ihren vermissten Kater „Brösl“ wiederzufinden - und auch mit ihrem Vierbeiner „Otto“ konnte die Tierflüsterin Kontakt aufnehmen. Das Problem: Der agile Stubentiger raubte Maggie den Schlaf! „Ich liebe ,Otto‘, aber er hat mich jeden Tag bei Sonnenaufgang geweckt. Im Winter war das noch okay, aber je früher die Sonne aufging, desto belastender war die Situation für mich“, schildert die Tierlady. Jeden Tag um fünf, halb sechs war „Otto“ zur Stelle, Maggie bereits am Ende ihrer Kräfte. Schließlich ist die Ressortleiterin sieben Tage die Woche für Tiere im Einsatz, Erholung ist Mangelware.

Sofortige Veränderung
Daher bat Maggie Entenfellner erneut Marlene Bienert um Hilfe - die Tierflüsterin trat in Kontakt mit „Otto“ und bat ihn um Nachsicht: „Der Kater ist ziemlich egoistisch“, schmunzelt Bienert. ,Otto‘ hat mir zu verstehen gegeben, dass er morgens Zuneigung will und darauf auch nicht verzichten mag.„ Sie habe ihm erklärt, dass Maggie durch den Schlafmangel krank werden kann, und ihn gebeten, geduldiger zu sein, so Bienert. Ihm wurde versprochen, dass er seine Aufmerksamkeit bekommt - nur eben ein wenig später. Und tatsächlich hat sich im Hause Entenfellner schlagartig etwas verändert. Maggie begeistert: “Bereits am nächsten Tag hat ,Otto‘ mich nicht mehr aufgeweckt - und es ist auch nie wieder vorgekommen. Er sitzt jetzt neben mir am Nachtkästchen und wartet, bis ich munter werde. Selbstverständlich halte auch ich mein Versprechen ein - sobald ich aufwache, bekommt ,Otto‘ ganz viel Liebe von mir!"

Denise Zöhrer, Maggie Entenfellner und Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

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Sie haben Kommunikationsbedarf mit einem Tier? Schildern Sie uns Ihr Anliegen per Mail an tierecke@kronenzeitung.at, Betreff: Tierkommunikation. Ausgewählte Fälle werden anschließend in der „Krone“ vorgestellt. Tierkommunikation – Was ist erforderlich? Eine Mail mit Informationen zum Besitzer (Name, vollständige Anschrift, Telefonnummer) und zum Tier (Name, Geschlecht, kastriert oder unkastriert, Rasse und Alter) sowie einer kurzen Beschreibung des Themas. Ganz wichtig: ein Foto, auf dem das Tier alleine zu sehen ist und auf dem das Tier in die Kamera schaut. Unvollständige Nachrichten können leider nicht bearbeitet werden. Kosten je nach Aufwand sehr unterschiedlich – Frau Bienerts Stundensatz beträgt 80 Euro.

Zeit, Ruhe und Geduld
Marlene Bienert widmet sich jeder Mensch-Tier-Geschichte mit der gleichen Aufmerksamkeit und bittet um Verständnis dafür, dass es zu Wartezeiten bei der Beantwortung kommen kann: „Meine Arbeit braucht Zeit, Ruhe und Geduld. Warum? Es ist vergleichbar mit dem allerersten Gespräch, das zwei Menschen führen, die einander wildfremd sind. Und in diesem allerersten Gespräch soll jetzt einer der beiden ehrlich sehr persönliche/intime Dinge preisgeben…“

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