Sa, 18. August 2018

Salzburger Festspiele

28.07.2018 12:43

„Krone“-Kritik: So geht Mozarts Zauber flöten

Eine Amerikanerin auf Spurensuche in „Sachen Zauberflöte“! Lydia Steier inszenierte zur Eröffnung der Salzburger Festspiele im Großen Haus Mozarts „Zauberflöte“ und siedelte - wie schon vorher Giorgio Strehler und andere - die erste „deutsche Große Oper“ im Zirkus an. Doch will sie in den Szenen viel. Zu viel! So geht hier der Zauber flöten! Einen Großteil des Publikums begeisterte dieses Altwiener Pseudo-Zaubertheater, angesiedelt 1913, andere fanden, dass Steier Wesentliches schuldig blieb. Und buhten heftig.

Glaubt die Regisseurin so wenig an die Überzeugungskraft des Werks, dass sie - gemeinsam mit der deutschen Dramaturgin Ina Karr - die Rolle eines Großvaters einbaute, der die Geschichte der „Zauberflöte“ seinen drei Enkerln, den Drei Knaben der Oper, erzählt? Die drei sind jetzt der Mittelpunkt des Werks (und spielen und singen ausgezeichnet). Klaus Maria Brandauer versucht der (Un-)Rolle des Erzählers immerhin den Charme des lieben Opas zu geben. Aber dass er meist die gestrichenen Texte Emanuel Schikaneders spricht und diese danach von den Sängern ohnedies gesungen werden, lässt alles schleppen.

Steier weiß über die Geheimnisse des Werks sehr viel. Und Katharina Schlipf und Ursula Kudrna wollten ihr in monumentalen Bildern und mit glitzernden Zirkuskostüme einen „Zauberflöten“-Kosmos, den Zirkus „Welttheater“, von ungeheurem Luxus schaffen, in dem alles präsent ist: Man sieht also die Beletage im großbürgerlichen Haus der Großvaters, das Zauberflöten-Wunderland aus Stahlgestängen mit Sonnenrädern und Zirkuskuppel aus Glühbirnen oder zuletzt den Angriff der Königin der Nacht auf Sarastros Tempel mit einem Phantasiepanzerungetüm à la Alfred Kubin. Verloren geht in dieser aufgemascherlten, aufgeblähten Materialschlacht einer Clownparade der naive Charme des Werks. Die Weisheit des Einfachen.

Mag Steier da noch so viele Aspekte und Details aus Philopsohie, Mystik, Freimaurerei und politschen Anspielungen, ein Netzwerk aufklärerischen Geistes, entdeckt haben, hier verpackt sie zu viel. Was der Aufführung Tempo und Schwung nimmt, sie selbstgefällig eitel, besserwisserisch macht.

Apropos Tempi! Constantinos Carydis findet mit den Philharmonikern nicht wirklich zum idealen Mozartklang. Schon die Ouvertüre, zu der man in Großvaters Haus ist, rattert schwer und scharfkantig dahin. Und dann findet er streckenweise nicht die Balance im Tempogefüge.

Der Besetzung fehlt es teilweise an Glanz und strahlenden Stimmen: Enttäuschend Matthias Goernes Sarastro, der weder die Tiefe der Partie noch die hoheitsvolle Würde hat. Ein blasser Zirkusdirektor. Glanzlos und ohne jede Innigkeit des Liebenden Mauro Peter als Tamino; solide Christiane Kargs Pamina - in einem Papagena-Kostüm!

Souverän, mit perfekt sitzenden Koloraturen singt Albina Shagimuratov ihre beiden Arien. Vom Vogelfänger Papageno verabschiedet sich Steier: Adam Plachetka ist ein derb lustiger Fleischhauer auf Freiersfüßen; Maria Nazareova sein liebe Papagena, Michael Porter ein zickiger Monostatos, Tarq Nazmi ein ausgezeichneter Sprecher und Geharnischter; Ilse Eerens, Paula Murrihy und Genevieve King wortundeutliche Damen.

Karlheinz Roschitz, Kronen Zeitung

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