Mo, 15. Oktober 2018

Umstrittene Praxis

21.07.2018 16:51

Britische Polizei setzt Kinder als Spione ein

Die britische Polizei setzt seit Jahren Minderjährige als Spitzel ein, um Informationen aus dem Inneren von Drogen- und Terrorgruppen zu beschaffen. Diese Ermittlungsweise ist erst vor wenigen Tagen durch einen Parlamentsausschuss öffentlich gemacht worden. Der Legislativ-Ausschuss im Oberhaus des Parlaments in London hatte nämlich eine kritische Stellungnahme zu dieser Praxis verfasst, die noch dazu laut den jüngsten Plänen des Innenministeriums ausgeweitet werden soll, wie mehrere britische Medien berichten.

Der Einsatz von minderjährigen Informanten sei streng geregelt, heißt es in einer Stellungnahme des Innenministeriums, aus der der „Guardian“ zitiert. So müsse monatlich ein Antrag gestellt werden, um die Zuhilfenahme von Personen unter 18 Jahren bei Ermittlungen zu verlängern. Diese Zeitspanne soll nun laut Plänen des Innenministeriums auf drei Monate ausgeweitet werden.

Die Begründung des Innenministeriums: Stressbedingtes Auffliegen und Gefährdung von Personen könnten durch die Ausweitung verringert werden, da die Informanten nicht mehr so sehr unter Erfolgsdruck stünden. Die Parlamentarier im Legislativ-Ausschuss äußern wiederum die Sorge, dass diese Ausweitung eine „noch größere psychische und physische Gefahr für die Kinderspione“ bedeute.

Sicherheitsminister: „Kinder könnten einzigartigen Zugang haben“
Sicherheitsminister Ben Wallace erklärt in einer Korrespondenz mit dem Legislativ-Ausschuss, Kinder könnten „einen einzigartigen Zugang“ zu kriminellen Banden haben. Deren Strukturen könnten nur durch eine erfolgreiche Infiltrierung aufgedeckt und verstanden werden. Ein ehemaliges Mitglied der Londoner Polizei meint in einem Interivew mit der „New York Times“, dass Kinderspione sehr selten eingesetzt würden. Zudem würden diese Kinder und Jugendliche in den meisten Fällen selbst den Behörden ihre Dienste anbieten, nachdem sie bei Straftaten erwischt worden seien. Dadurch erhoffen sie sich eine mildere Strafe oder sogar eine Strafbefreiung.

Menschenrechtsorganisation spricht von „Kindersoldaten“
Die Menschenrechtsorganisation Rights Watch UK übt scharfe Kritik an dem Einsatz von Kinderspitzeln und spricht von „Kindersoldaten“, die sich „in den dunkelsten Bereichen“ bewegen müssten, ohne dass sie elterliche Begleitung hätten. Die Betroffenen würden Gewalt, Terrorismus und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. „Das widerspricht den menschenrechtlichen Verpflichtungen der britischen Regierung, das Wohl der Kinder bei Entscheidungen, die sie betreffen, in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Rosalind Comyn gegenüber dem „Guardian“.

Gabor Agardi
Gabor Agardi

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