Fr, 17. August 2018

Das ist historisch!

27.04.2018 06:26

Nordkoreas Kim reicht seinem „Todfeind“ die Hand

Ein historisches Treffen, das es so seit dem Ende des Koreakriegs 1953 nicht mehr gegeben hat: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae In kamen am Freitag um 9.28 Uhr (Ortszeit) an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea zu ihrem mit Spannung und großen Hoffnungen erwarteten Gipfel zusammen. Kim Jong Un will damit ein „neues Kapitel“ in den Beziehungen zu Südkorea aufschlagen. Gleich zu Beginn äußerte er im Grenzdorf Panmunjom seine Erwartung, in „freimütigen Diskussionen“ eine „bedeutende Vereinbarung“ erreichen zu können.

Als erster nordkoreanischer Staatschef seit dem Ende des Koreakriegs (1950-1953) hatte Kim zuvor die Grenze überquert und südkoreanischen Boden betreten. Der Machthaber wurde direkt an der Demarkationslinie in der gemeinsamen Sicherheitszone von Moon Jae In empfangen. Die Staatschefs begrüßten einander herzlich mit Handschlag und stellten sich den Fotografen.

Moon betrat erstmals nordkoreanischen Boden
Spontan forderte Kim den südkoreanischen Präsidenten auf, seinerseits die Betonschwelle im Boden, die die Linie kennzeichnet, auch nach Norden zu überqueren. Moon betrat damit erstmals nordkoreanischen Boden, was vorher nicht erwartet worden war. Zwischen den blauen Baracken, die beide Seiten nach dem Krieg für Besprechungen nutzten, markiert die betonierte Schwelle zwischen dem Sandfeld im Norden und dem Kiesbett im Süden die Demarkationslinie.

Grenzdorf ein „Symbol des Friedens, nicht der Teilung“
Im Mittelpunkt des Gipfels stehen der Streit um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm und eine langfristige Friedenslösung für die Koreanische Halbinsel. „Mit dem Moment, in dem der Vorsitzende Kim die militärische Demarkationslinie überschritten hat, wurde Panmunjom zu einem Symbol des Friedens, nicht der Teilung“, sagte Moon zu Beginn ihrer Gespräche, der live im Fernsehen übertragen wurde.

„Gute Ergebnisse“ nötig - ansonsten ist „Volk enttäuscht“
Kim äußerte seine Hoffnung auf „gute Ergebnisse“: „Wir können eine bedeutende Vereinbarung erreichen, aber wichtig ist, dass sie umgesetzt wird. Wenn nicht, werden wir unser Volk enttäuschen.“ Doch beide Seiten dürften ihr Volk nicht enttäuschen. Nach einer ersten Gesprächsrunde kehrte Kim über Mittag (Ortszeit) zum Essen und für eine Pause wieder auf die nordkoreanische Seite zurück. Die eintägigen Gespräche sollten am Nachmittag fortgesetzt werden und am Abend mit einem Bankett enden.

Die erste Begegnung zwischen Kim und Moon ist nach nach Gipfeln in den Jahren 2000 und 2007 in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang der dritte innerkoreanische Gipfel, aber der erste seit der Eskalation der Spannungen über die Atom- und Raketentests im vergangenen Jahr. Er wird auch das geplante Treffen zwischen Nordkoreas Machthaber und US-Präsident Donald Trump Ende Mai oder Anfang Juni vorbereiten. Ort und Termin dafür sind noch nicht bekannt.

Video: Kims Leibwächter begleiten und bewachen ihn auf Schritt und Tritt - auch bei seinen Limousinenfahrten.

US-Regierung setzt große Erwartungen in den Gipfel
Die USA setzen deshalb große Erwartungen in den Korea-Gipfel. „Wir sind hoffnungsvoll, dass die Gespräche einen Fortschritt in Richtung einer Zukunft von Frieden und Wohlstand für die gesamte Koreanische Halbinsel erzielen“, teilte das Weiße Haus mit. Die USA schätzten die enge Zusammenarbeit mit ihrem Verbündeten Südkorea und erwarteten, „robuste Diskussionen“ in Vorbereitung auf das Treffen von Trump mit Kim in den kommenden Wochen fortzusetzen.

Kims Eintrag ins Gästebuch: „Jetzt beginnt eine neue Ära“
Moon empfing den Machthaber sogar mit militärischen Ehren. Beide marschierten an einer Ehrengarde von 300 Soldaten aller drei Waffengattungen der südkoreanischen Streitkräfte vorbei. Danach trug sich Kim ins Gästebuch des südkoreanischen „Friedenshauses“ in Panmunjom ein. „Jetzt beginnt eine neue Ära, ein Zeitalter des Friedens“, schrieb er. Zudem lud er Moon erneut zu einem Besuch in Pjöngjang ein.

Dauerhafter Friede auf Koreanischer Halbinsel als Ziel
Mit welcher Art von Vereinbarung die Gespräche zu Ende gehen, hänge laut einem Sprecher Moons vom Verlauf der Diskussionen ab. Bei einem vorangegangenen Gipfel in Pjöngjang sei es vor allem um die atomare Abrüstung auf der Koreanischen Halbinsel sowie die Denuklearisierung und die Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen gegangen. Derzeit würden beide Seiten an einer gemeinsamen Erklärung arbeiten, die zum Abschluss des nunmehrigen Gipfels verkündet werden solle. „Wir versuchen, unsere Differenzen zu verringern“, so der Sprecher. Es werde ernsthaft und offen auch über dauerhaften Frieden auf der Koreanischen Halbinsel gesprochen.

Experten trotz Atom- und Raketenteststopp skeptisch
Nordkoreas Machthaber hatte aber erst am vergangenen Freitag, als er überraschend die Einstellung seiner Atom- und Raketentests verkündete, die Vollendung des Atomprogramms als „großen Sieg“ gefeiert. Er sprach nur allgemein davon, dass Nordkorea mit diesem Teststopp zur „weltweiten Abrüstung“ beitrage. Experten sind deswegen skeptisch, ob er seine nuklearen Waffen aufgeben will. Sie sehen seinen Willen zur Beseitigung seiner Atomwaffen eher im Rahmen der globalen Abrüstungsbemühungen aller Nuklearmächte.

Kim wird beim historischen Gipfeltreffen vom protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong Nam sowie seiner Schwester Kim Yo Jong begleitet, die praktisch als seine Stabschefin fungiert. Beide hatten schon die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang besucht. Die enge Vertraute Kims nahm auch an dem Anfangsgespräch mit Moon in kleiner Runde teil. Zum Abendessen werde auch Kims Ehefrau Ri Sol Ju dazustoßen.

 krone.at
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