22.12.2017 10:07 |

Ariel Muzicant:

„Müssen Juden jetzt Angst haben? Wohl kaum“

Im Trubel um die neue türkis-blaue Regierung hat sich nun der ehemalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant zu Wort gemeldet. In einem Kommentar in der "Presse" analysiert er die "neue Politik der Annäherung" der FPÖ an Israel und appelliert an die Freiheitlichen, sich bei ihren Personalentscheidungen klar von Antisemitismus und rechtsextremem Gedankengut zu distanzieren.

"Kann man dieser neuen Seite der FPÖ trauen?" - mit dieser Frage eröffnet Muzicant seinen Kommentar. Freiheitliche Funktionäre bzw. deren Mitarbeiter hatten in der Vergangenheit wiederholt Schlagzeilen mit rechtsextremem Gedankengut gemacht. "Müssen also Juden in Österreich vor all dem Angst haben? Wohl kaum", schreibt Muzicant.

Aber: "Es gibt Anlass zu großem Misstrauen und zur Sorge!" So kritisiert der ehemalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde etwa die mangelnde Glaubwürdigkeit von Parteichef Heinz-Christian Strache bei seinen Versuchen, Antisemitismus und Neonazi-Ideologie zu verurteilen. Strache versuche, "mit einem Hintern auf zwei Hochzeiten zu tanzen".

Warnung vor "Keller-Nazis"
Problematisch sind für Muzicant auch die bislang fehlende Entschuldigung für den seinerzeitigen "Dreck am Stecken"-Sager gegen seine Person sowie die zahlreichen Mitglieder deutschnationaler Burschenschaften in den Reihen der FPÖ: "Man mag diese 'Spinner' belächeln, aber das Lächeln vergeht einem, wenn solche 'Keller-Nazis' als Mitarbeiter von Norbert Hofer ins Parlament geholt wurden. Und es ist abzuwarten, wie weit die Minister Hofer, Mario Kunasek usw. Schaltstellen in ihren Ministerien und von ihnen beherrschten Institutionen mit 'Keller-Nazis' besetzen."

Muzicants Nachfolger als Vorsitzender der Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, geht noch einen Schritt weiter. In einem Gastkommentar für die israelische Zeitung "Haaretz" schreibt er, man werde der FPÖ "kein Koscher-Zertifikat ausstellen".  Der Grund für den Boykott der freiheitlichen Minister ist laut Deutsch nicht die "Nazi-Vergangenheit" des deutschnationalistischen Lagers in Österreich. "Die Partei hat sich nie davon distanziert. Was die FPÖ heute ist und wofür die Partei wirklich steht - das ist das Problem", begründete er seine anhaltende Ablehnung. Das könne auch nicht durch symbolische Besuche der Parteispitze in Israel verdeckt werden.

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