Mit dem einst damit verbundenen übertriebenen Patriotismus und der Eroberung von Neuland hat das Expeditionsbergsteigen zum Glück ja längst nichts mehr zu tun. Heute hisst man - wenn man's überhaupt tut - auf erklommenen Gipfeln meist die Banner diverser Sponsoren. Wenn ein nationales Emblem dabei ist, dann ist's eher die Ausnahme.
Trotzdem ist das steirische Weiß-Grün heuer die "Modefarbe" im Bereich der höchsten Gipfel dieser Erde. Gleich zwei Unternehmungen in den höchsten Regionen Pakistans könnten von Steirern erfolgreich abgeschlossen werden. Der Liezener Gerfried Göschl (36) leitet eine internationale Expedition, die gleich zwei Gipfelsiege zum Ziel hat: zuerst auf dem Nanga Parbat (8.125 Meter), dann auf dem gefürchteten K2 - 8.611 Meter hoch und zweithöchster Berg der Erde.
Mit Göschl, der bereits fünf der 14 Achttausender bestiegen hat, sind drei weitere seiner Landsleute im Team: der Selzthaler Günther Unterberger (42), der Ramsauer Herbert Schütter (57) und mit der jungen Ramsauerin Michaela Landl (27) die erste Steirerin, die auf dem Gipfel eines der 14 Riesen stehen will.
"Trotz schlechten Wetters haben wir in den letzten Tagen die kleine Chance genutzt, uns besser akklimatisieren zu können. Wir sind direkt vom Basislager ins Camp 2 gestiegen. Das liegt auf 6.000 Metern. Auch ein kurzer, starker Schneesturm konnte uns nicht aufhalten", mailte Göschl am 4. Juli aus Pakistan. Und: "Nach einer harten Nacht wollten wir bis 6.500 Meter hoch, aber das Wetter hat es verhindert. Jetzt sind wir alle wieder im Basislager. Ab Montag soll's besser werden. Dann könnten wir bald am Gipfel stehen!"
Nicht allzu weit vom Nanga Parbat entfernt bereitet sich ein anderer Steirer gerade auf den großen Tag vor. Christian Stangl (43) will auf jenem Berg, auf dem er 2008 knapp mit dem Leben davongekommen ist, wieder für Schlagzeilen sorgen - diesmal für positive. Elf Bergsteiger waren am K2 am 2. August in 8.100 Metern Höhe von einer Eislawine in den Tod gerissen worden. Wäre der Steirer nur um eine halbe Stunde früher aufgebrochen, hätte es wohl auch ihn erwischt. Jetzt ist er wieder dort und möchte seinen damaligen Plan vollenden: Der "Skyrunner" - keiner erklimmt hohe Berge schneller als er - will innerhalb nur eines Tages vom Basislager (4.500 Meter) zum Gipfel.
Es könnte durchaus möglich sein, dass es in den nächsten Wochen auf dem K2 zum steirischen Gipfeltreffen kommt, denn auch Göschl und sein Team wollen nach dem Nanga-Parbat-Abenteuer den K2 in Angriff nehmen. Ein anderer steirischer "Extremissimo", der einstige Extremradler Wolfgang Fasching (42), dreifacher Sieger des "Race Across America", hat das Radl längst mit den Bergschuhen vertauscht. Für erstes alpines Aufsehen hat er 2001 mit seinem Gipfelsieg auf dem Mount Everest gesorgt. Mittlerweile hat er fünf weitere der sieben höchsten Berge aller Kontinente erklommen. Zuletzt - vor drei Wochen - mit dem Mount McKinley (6.194 Meter) den höchsten Gipfel Nordamerikas. Jetzt fehlt nur noch die Carstensz Pyramide (4.884 Meter), der höchste Gipfel Ozeaniens, dann ist Fasching der vierte Österreicher, der die "Seven Summits" geschafft hat.
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