So, 19. August 2018

"Wir sind im Krieg!"

14.05.2009 10:38

Italien nach Ferraris Drohung unter Schock

Unterstützung vom Erzrivalen, Rückendeckung vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI) und Kampfstimmung in den Zeitungen: Während auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nicht auf Ferrari in der Formel 1 verzichten will, hat die Rücktrittsandrohung der Scuderia in ihrer motorsportverrückten Heimat teilweise für Entsetzen gesorgt. "Schock!!!", titelte die "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch und meinte zur existenziellen Auseinandersetzung zwischen Ferrari und dem Chef des Internationalen Automobilverbandes, Max Mosley: "Wir sind im Krieg."

"Ein trauriger Tag für den italienischen Sport", befand der Präsident des CONI, Gianni Petrucci. Wie ein FIA-Sprecher am Mittwoch bestätigte, ist das entscheidende Treffen zwischen Mosley und der Teamvereinigung FOTA noch für diese Woche geplant.

"Natürlich arbeiten wir alle daran, hier eine positive Lösung zu finden - niemand kann Interesse daran haben, in der Formel 1 ohne Ferrari als Wettbewerber zu fahren", sagte Haug am Mittwoch. "Wir jedenfalls wollen Ferrari als sportlichen Rivalen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Team etwas anderes sagt", betonte der Schwabe. Ferrari sei eben wie alle anderen Teams auch zunächst einmal gegen zwei verschiedene Regularien in der Formel 1.

Budgetobergrenze von 44,5 Millionen Euro
Und darum geht es: Diejenigen Teams, die sich 2010 an die Budgetobergrenze von rund 44,5 Millionen Euro halten, sollen einschneidende, vor allem technische Freiheiten erhalten. Sprich: Das Drehzahllimit für die Motoren wird aufgehoben, die Anzahl der verwendeten An- und auch Getriebe ist frei. Der Frontflügel darf mehr, der Heckflügel frei verstellt werden. Auf der Strecke sollen die Vorteile bis zu zwei Sekunden pro Runde bringen.

Auch Renault droht mit Ausstieg
"Wenn die beschlossenen Regeln für 2010 nicht geändert werden, dann beabsichtigt Ferrari nicht, seine Autos in der nächsten Formel-1-Weltmeisterschaft einzusetzen", hatte die Scuderia nach einer Vorstandssitzung am Dienstag in Maranello mitgeteilt und damit zu Papier gebracht, was auch schon Toyota und Red Bull vorher direkt, weitere Teams wie BMW indirekt angekündigt hatten. Am Mittwoch drohte auch Renault mit dem Ausstieg. Derzeit wird mit sieben der zehn Teams spekuliert, die sich bis zum Ablauf der Nennfrist am 29. Mai nicht einschreiben werden.

"Der Sport könnte auch ohne Ferrari überleben"
Deshalb kommt nun alles auf das Meeting mit Mosley an, der den Radikalkurs zur Rettung der "Königsklasse" in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise durchsetzen will. "Ferrari hat seinen ersten Grand Prix schon gewonnen", befand der "Corriere della Sera" angesichts der unverhohlenen Drohung des Zugpferds der PS-Eliteliga, auf die Mosley reagieren muss. "Der Sport könnte auch ohne Ferrari überleben", hatte der FIA-Chef jüngst allerdings gemeint.

Droht der Königsklasse der Untergang?
"Die Formel 1 ist Ferrari und Ferrari ist die Formel 1", hatte am Wochenende am Rande des Grand Prix von Spanien in Montmelo bei Barcelona F1-Zampano Bernie Ecclestone dagegengehalten. Bei einem tatsächlichen Rückzug der Roten müsste der Milliardär um die Attraktivität und damit auch um seine Einnahmen durch die Formel 1 fürchten. Der "Königsklasse" könnte der Untergang drohen. Die Teams selbst fürchten indes, dass der drastischen Budgetkürzung auch jede Menge Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten, sie machen sich daher für eine schrittweise Reduzierung der Kosten stark.

Spekulationen um eine neue "Piratenserie"
In Italien nährte die Ankündigung der Scuderia auch die Spekulationen um eine "Piratenserie" mit den anderen Herstellern der Formel 1. Fiat-Ferrari, BMW, Mercedes, Renault und Toyota könnten eine eigene WM gründen und jeweils drei Autos ins Rennen schicken, orakelte "La Gazzetta dello Sport". Und "Tuttosport" nannte bereits mögliche Austragungsorte, darunter neben dem Hockenheimring "wahrscheinlich" auch den Lausitzring. "Montezemolo arbeitet an der Alternativ-Weltmeisterschaft", berichtete auch "La Repubblica".

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