Herr Präsident, die Reichen werden reicher, dem Mittelstand geht's nicht gut, Kurzarbeit, Kündigungen, Tausende fürchten um den Arbeitsplatz. Was tun?
"Die Politik muss Vollgas geben und die Realwirtschaft genauso beherzt unterstützen wie den Bankensektor. Die öffentliche Hand muss massiv in die Infrastruktur investieren. Was bisher angekündigt wurde, ist gut, ist richtig, aber immer noch zu wenig."
Ist nur die Politik gefordert?
"Nein, auch Unternehmen mit sozialer Verantwortung. Kündigungswellen unter dem Vorwand der Finanzkrise sind ein Anschlag auf die Standortqualität. Außerdem kann nicht sein, dass Aktionäre und Manager in fetten Jahren Rekorddividenden kassieren. Das sollen in den mageren Jahren dann aber die Mitarbeiter auslöffeln."
Ihr Vorschlag?
"Die Krise für Qualifizierung der Arbeitnehmer nutzen. Dazu braucht es natürlich die öffentliche Hand, aber auch Unternehmen, die einen Teil der erzielten Gewinne darin investieren."
Welche Konsequenzen sind aus der Finanzkrise zu ziehen?
"Kontrolle, und noch einmal Kontrolle. Die überzogene Liberalisierung hat dazu geführt, dass Glücksritter, Abzocker und Gauner Börsenkurse manipuliert und gesunde Unternehmen an den Abgrund geführt haben."
Welche Rolle spielen die Manager?
"So mancher hat sein Heil im Pokern gesucht, weil er sich höhere Gewinne versprochen hat. Das ist eine Fehlentwicklung, die abgestellt gehört."
Treten Sie für Einkommensbeschränkungen bei Spitzenmanagern ein?
"Ganz klar! Die Millionengagen versteht doch kein Mensch mehr. Insbesondere die weit verbreitete Praxis, Manager mit Aktienoptionen an den Kurssteigerungen mitnaschen zu lassen, gehört abgestellt."
Was ist so schlecht daran?
Das Hinauftreiben des Kurses wird allzu oft mit Kündigungen und dem Verschieben von Investitionen erkauft und schadet in Wirklichkeit dem Unternehmen."
Mit solchen Argumenten werden Sie sich bei den Mächtigen wenig Freunde machen!
"Schau'n Sie, das ist auch nicht mein Anliegen. Aber: Diese vielfach überschätzten Managertypen, deren Fantasie sich im Hinausschmeißen von Mitarbeitern erschöpft, sind überbezahlt. Und die Gefahr, dass sie zu Sozialhilfeempfängern werden, sehe ich nicht unbedingt..."
Der Ruf der Politik ist schwer ramponiert, wie geht es Ihnen damit?
"Nicht gut, es gibt Umfragen, da grundeln Politiker am untersten Ende der Skala herum. Vor allem die Jugend hat von der Politik die Nase voll."
Warum ist das so?
"Ganz simpel: Weil man der Jugend keine Perspektive mehr bieten kann. Das ist der eigentliche gesellschaftliche Skandal, das ist die soziale Bankrotterklärung."
Herr Präsident, im März gibt's die AK-Wahlen, warum sollen die Menschen überhaupt hingehen?
"Weil wir die Interessen der arbeitenden Menschen vertreten. Wenn's um unsere Leute geht, dann lassen wir uns auch von der Politik nix hineinreden. Und je höher die Wahlbeteiligung ist, um so kräftiger können wir auf den Tisch hauen..."
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