Die K-Pop-Jungs von BTS sind zurück – und machen daraus mehr als nur ein Comeback. Mit „Arirang“ liefern sie ein Album, das zwischen hartem Rap, großen Pop-Momenten und emotionalen Zwischentönen pendelt. Ein Neustart, der zeigt: Stillstand war für die sieben eigentlich nie eine Option. Wir haben die Platte mit den 14 Tracks genauer unter die Lupe genommen.
Jung Kook, V, RM, Jimin, Suga, Jin und J-Hope alias BTS– die wohl erfolgreichste K-Pop-Boyband aller Zeiten – kehren eindrucksvoll aus ihrer Pause zurück. Mit „Arirang“ erobern die sieben, nach ihrem letzten Album „BE“ und dem vorläufigen Abschied 2022, erneut die globale Poplandschaft.
Das Comeback lässt keine Zweifel offen: Innerhalb weniger Stunden verzeichnet das Album mehr als vier Millionen Streams. Dazu kommen eine Konzertaufzeichnung ihres ersten gemeinsamen Auftritts seit Jahren in Seoul sowie eine Netflix-Dokumentation, die am 27. März erscheint. BTS inszenieren ihre Rückkehr nicht im Kleinen, sondern als globales Ereignis.
„Arirang“ ist eine Platte, die weniger auf sichere Popformeln setzt, sondern deutlich stärker vom Rap geprägt ist. Viele Tracks wirken kantiger, direkter und teilweise auch experimenteller als frühere Releases. Gleichzeitig bleibt der typische BTS-Mix erhalten: internationale Sounds treffen hier auf koreanische Elemente und große Hooks auf persönliche Momente. Auffällig ist dabei vor allem die Dynamik des neuen Werkes. Während die erste Hälfte klar nach vorne geht und auf Energie setzt, wird es im weiteren Verlauf ruhiger, emotionaler und introspektiver.
Kraftvoller Einstieg mit klarer Ansage
Schon der Opener „Body To Body“ macht klar, wohin die Reise geht: schneller Rap, wenig Gesang, eine Hook, die direkt ins Stadion zielt. „I Need The Whole Stadium To Jump“ ist dabei weniger Wunsch als Ansage. Der Track verbindet modernen Sound mit einer Bridge auf Koreanisch – ein erstes Zeichen dafür, dass BTS ihre Wurzeln bewusst einbauen. Auch „Hooligan“ beginnt zunächst märchenhaft ruhig, täuscht damit aber bewusst. Schnell kippt die Stimmung: harte Beats, aggressive Rap-Passagen, ein recht unterschwellig bedrohlicher Vibe. Sänger Jimin bringt mit seinen hohen Vocals etwas Leichtigkeit hinein, doch insgesamt dominiert auch hier der Rap.
„Alien“ eröffnet mit der selbstbewussten Zeile „This Gon’ Be The Jam Of The Year“ – aber wird er das wirklich? Auch dieser Track ist deutlich stärker im Rap und Hip-Hop verankert als im klassischen Pop. Der Einstieg erfolgt auf Koreanisch, zwischendurch fällt „Seven Aliens“ – ein Bild, das erstaunlich gut zur Band passt. Denn: Wenn man sich ihre Erfolgsgeschichte genauer ansieht, wirkt das Ganze ohnehin fast schon außerirdisch: Seit ihrem Debüt 2013 und ihrem internationalen Durchbruch einige Jahre später sind BTS weltweit präsent, Songs wie „Dynamite“ liefen überall. Und auch optisch scheint die Zeit an ihnen vorbeizugehen – Mitte dreißig und kein einziges Barthaar? Da kann man als normaler Mann schon mal neidisch werden und sogar als Frau. Dabei haben die sieben ihre Pause nicht zum Ausruhen genutzt, sondern ab 2022 nacheinander ihren Militärdienst absolviert – teils unter härteren Bedingungen. Spuren davon? Fehlanzeige. Stattdessen: makellose Haut, oder wie man in der Beautybranche sagt – eine „Glass Skin“. Vielleicht also doch ein bisschen wie Aliens.
„Fya“ schlägt dann eine andere Richtung ein: elektronisch, clubbig, mit treibendem Bass. Ein Track, den man klar auf Tanzflächen hört und bei jeder Afterhour sicher ein Hit sein wird. Die Zeile „Club Go Crazy Like Britney, Baby – Hit Me Baby One More Time“ wirkt wie eine augenzwinkernde Hommage an Britney Spears.
Der K-Pop-Hype ist real
Was wirklich auffällt – und auch ein bisschen witzig ist – ist das Timing ihres Comebacks. Gerade erst haben sich die Girls von Blackpink wieder zusammengefunden, der Song aus dem Animatinsfilm „K-Pop Demon Hunters“ bekam einen Oscar und jetzt ziehen die Jungs von BTS nach. Zufall, oder raffiniert durchdacht? Einen Unterschied gibt's dann doch bei den zwei Bands: Während Blackpink ihre Pause vor allem für Solo-Projekte genutzt haben, mussten BTS wie vorhin erwähnt ihren Militärdienst absolvieren. Und auch wenn beide Gruppen in dieser Zeit eigene Wege gegangen sind, zeigt sich im Rückblick ein ähnliches Bild: Solo-Ausflüge hin oder her – als Gruppe funktioniert die Strahlkraft dann doch am besten. Oder anders gesagt: Zusammen ist der K-Pop-Hype einfach größer.
Wie ernst die Jungs das nehmen, zeigt sich vor allem auf der Bühne. Das Konzert in Seoul unterstreicht diesen Anspruch eindrucksvoll. Vor mehr als 100.000 Menschen am Gwanghwamun Square feierten sie ihre Rückkehr. Die Energie ist greifbar, die Performance gewohnt präzise. Eine Stunde lang wechseln sich neue Songs und Klassiker ab, dazwischen suchen sie immer wieder die Nähe zum Publikum. Auch in der Setlist wird diese neue Phase hörbar – die sich natürlich auch im Album widerspiegelt.
Mit dem Song „2.0“ formulieren BTS ihr Selbstverständnis neu – als nächste Phase ihrer eigenen Geschichte. „Yeah, We On That Brand New, You Know How We Do“ wirkt dabei wie eine klare Ansage. Soundtechnisch bleibt es schnell und wieder Rap-lastig – eine bewusste Weiterentwicklung statt Nostalgie. Erst in der zweiten Hälfte des Albums wird es ruhiger. Eingeleitet wird dieser Abschnitt von einem kurzen Übergang namens „No.29“, in dem der Klang der Glocke von König Seongdeok zu hören ist – erneut ein subtiler Verweis auf koreanische Traditionen und ein bewusster Kontrast zum globalen Pop-Sound davor.
Von Pop-Balladen und Emotionen
Weiter geht es mit dem Titeltrack „Swim“, der genau hier ansetzt – eine ruhige Synthpop-Nummer über das Eintauchen in emotionale Unordnung. Mehr Gesang, mehr Gefühl, weniger Druck.
Mit „Merry Go Round“ wird es noch persönlicher. Der Song beschreibt emotionale Kreisläufe, aus denen man nicht ausbrechen kann. „My Life Is A Broken Roller Coaster“ – eine Zeile, die sich sowohl auf Beziehungen als auch auf das Leben im BTS-Kosmos nach Jahren der Pause lesen lässt.
Songs wie „Normal“ und „Like Animals“ bewegen das Album weiter in Richtung R&B und Pop-Ballade, teilweise mit rockigen Elementen.
Die zweite Hälfte wirkt dadurch deutlich introspektiver und vielseitiger. Auch hinter den Kulissen zeigt sich der globale Anspruch: Songwriter wie Ryan Tedder (OneRepublic) oder El Guincho, der unter anderem für Rosalía geschrieben hat, waren beteiligt – ein internationales Team für einen ebenso internationalen Sound.
Drei Songs später folgt dann der Abschluss: „Into The Sun“ bringt die Platte schließlich auf den Punkt. Reduzierte Instrumentierung, verzerrte Vocalharmonien und eine klare Botschaft: ein Liebesbrief an ihre Fans, die ARMY (steht für „Adorable Representative M.C. for Youth“ – dt. etwa: „Niedliche Repräsentanten für die Jugend“). „I’ll Follow You Into The Sun“ – ein Versprechen, das die Verbindung zwischen Band und Publikum unterstreicht.
Fazit: BTS kehren nicht einfach zurück – sie definieren ihre eigene Rückkehr neu. „Arirang“ ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein bewusst modernes, teilweise überraschend Hip-Hop-lastiges Album, das ihre Entwicklung unterstreicht. Gleichzeitig verlieren sie ihre Wurzeln und ihre emotionale Seite nicht aus dem Blick. Die Mischung macht's, auch wenn stellenweise etwas unausgewogen – aber sie sind zurück und damit hat das Pop-Genre wieder mehr Konkurrenz in der Branche.
Wer vom K-Pop-Kosmos nicht genug bekommt und die Boyband live erleben möchte, hat bald Gelegenheit dazu: Nach dem spektakulären Auftakt in Südkoreas Hauptstadt folgt nun der nächste Schritt – die Welttour. Bis März 2027 sind 79 Konzerte in 34 Städten geplant, darunter auch zwei Shows in München am 11. und 12. Juli (www.oeticket.com). Österreich bleibt diesmal leider außen vor.
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