So, 19. August 2018

Kein Sparpaket

28.10.2008 19:54

AUA will für Käufer attraktiv bleiben

Trotz der tiefroten Zahlen wird es bei der AUA vorerst zu keinen drastischen Sparmaßnahmen kommen. Hauptgrund ist, dass die Fluglinie mit ihrem derzeitigen Streckennetz für den künftigen Partner attraktiv bleiben will. Die Air France/KLM, die ursprünglich kein Angebot gelegt hatte, will nun in das Bieterverfahren zurück. Sie wird die ÖIAG informieren, dass man unter den geänderten Bedingungen wieder dabei sein will.

Denn schließlich gilt es als fix, dass die Republik Österreich mit einem Zuschuss von 500 Millionen Euro der AUA unter die Arme greift und so deren Schuldenlast reduziert. Offiziell hat die ÖIAG bis Dienstag noch nichts von der Air France gehört. Zuletzt hieß es, dass die Franzosen draußen seien und man nur mit den zwei anderen Interessenten weiter verhandeln wird.

Tiefrote Zahlen
Die AUA veröffentlichte am Dienstag die Ergebnisse nach dem dritten Quartal. Der Ausblick, wonach für 2008 mit einem operativen Gesamtverlust von bis zu 125 Millionen Euro zu rechnen ist, blieb aufrecht. Dazu könnten noch "Sondereffekte" aus der Abwertung von Flugzeugen kommen. Bis inklusive September betrug das Minus 65 Millionen Euro. Traditionell ist aber der Winter in der Luftfahrt schlecht. Dazu kommt die wegen der Finanzkrise sinkende Nachfrage.

Obwohl wegen des fallenden Ölpreises zuletzt auch die Treibstoffkosten für Flugzeuge gesunken sind, sei die finanzielle Entlastung für die AUA gering, so AUA-Chef Alfred Ötsch. Die positiven Effekte werden teilweise durch den wieder höheren Dollar zunichte gemacht. Außerdem kosten die "Absicherungsmaßnahmen" gegen den hohen Ölpreis auch Geld und bringen in der jetzigen Situation nichts. Nach dem Hoch von fast 150 Dollar im Sommer ist der Ölpreis auf rund 60 Dollar gefallen.

Winterflugplan gekürzt
Wegen der geringeren Auslastung kürzt die AUA den Winterflugplan um rund 5 Prozent. Gestrichen werden Flüge nach Chicago, Mumbai (Indien), Riga und Luxemburg. Andere Ziele wie z.B. London, New York oder Washington werden weniger oft angeflogen. Das ist vorerst ohne gröbere Auswirkungen auf den Personalstand.

Nicht benötigte Flugzeuge wie drei Airbus oder eine Boeing wurden vermietet. Die Pläne für ein drastisches Sparpaket zum Reduzieren der Verluste liegen in der Schublade. Sie werden aber erst realisiert, wenn der neue strategische Partner feststeht. Dieser wird auch über die Zukunft von AUA-Chef Alfred Ötsch entscheiden. In der ÖIAG hat man am Montag klargestellt, dass man die Besetzung des Managements erst mit dem neuen Partner ändern will.

Lufthansa mit den besten Chancen
Der Lufthansa wurden zuletzt die besten Chancen auf einen Zuschlag für die AUA gegeben. Medienberichten zufolge hat die deutsche Fluglinie für den 41,6-prozentigen Staatsanteil einen Preis von insgesamt 360.000 Euro geboten - zwar mehr als ein symbolischer Euro, aber auch nur ein Cent pro Aktie. Den AUA-Streubesitzaktionären will die Lufthansa am liebsten nicht mehr als 4 Euro/Stück zahlen müssen. Aktuell notiert das Papier bei 2,90 Euro, gut 5 Prozent tiefer als am Freitag. Der "Kranich" will die AUA zudem zur Gänze übernehmen, während der Privatisierungsauftrag den Verbleib einer Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie in österreichischen Händen vorsieht; diese Frage ließe sich aber auch über eine Stiftungsvariante lösen.

Den Vorwurf, die Lufthansa bevorzugt zu haben, lässt Michaelis nicht gelten: "Wir haben einen einwandfreien, transparenten, offenen, fairen Prozess aufgesetzt. Wir haben alle, die sich beworben haben, nach den gleichen Maßstäben behandelt."

Schlechte Nachricht für Privatanleger
Als "äußerst schmerzhaft" für Privatanleger bezeichnete der Präsident des Interessenverbandes der Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, die Verlängerung des Kaufangebots für Austrian Airlines (AUA) durch die deutsche Lufthansa. Es sei damit zu rechnen, dass der Abfindungspreis für Privatanleger weiter sinken wird.

von Manfred Schumi, Kronen Zeitung, und krone.at

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